Den mit 10.000 Euro dotierten 1. Preis des Otto Brenner Preises für kritischen Journalismus 2017 erhält das Autorenteam Kristina Gnirke, Isabell Hülsen und Martin U. Müller für "Ein krankes Haus" (DER SPIEGEL, Nr. 51/2016, S. 14 ff.)
Nach Auffassung der Jury leisten Kristina Gnirke, Isabell Hülsen und Martin U. Müller mit der SPIEGEL-Titelgeschichte über den Asklepios-Konzern "schonungslose Aufklärung über die Missstände im Gesundheitswesen". Es werde, so die Jury, bisweilen immer noch behauptet, dass das Gesundheitswesen an einem eingeschränkten Wettbewerb leide. "Der ausgezeichnete Text zeigt", so die Jury in ihrer Begründung, "dass das Gesundheitswesen vor allem daran leidet, dass es ein Markt ist, an dem zu allererst verdient werden will". Kaufleute und Betriebswirtschaftler hätten aus der Medizin eine Industrie gemacht. Am Beispiel des Asklepios-Konzerns zeigen die diesjährigen Brenner-Preisträger wozu das führt. Ihr Text, so die Jury, "ist eine Verteidigung der Menschenwürde – dort, wo sie am antastbarsten ist: im Krankenhaus".
Der 2. Preis (5.000 Euro) geht an Fritz Schaap für eine dreiteilige Serie über den Alltag im vom Krieg gebeutelten Syrien und insbesondere in der Hauptstadt Damaskus.
"Krieg", so die Jury, "ist der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung in friedlichen Ländern fern, unheimlich, in seinen Konsequenzen schwer konkret vorstellbar". Wenn ein Krieg dann noch in einem Land mit fremder Kultur stattfindet, so die Jury weiter, "dann rückt er endgültig in den Bereich des Unfassbaren, Unbegreiflichen – es sei denn, ein Autor wie Fritz Schaap nimmt sich des Themas an". Nach Auffassung der Jury gelingt es "ganz selten jemandem so eindringlich wie diesem freiberuflich tätigen Journalisten, seinen Leserinnen und Lesern die Gefühle, Lebensbedingungen, Motive der Bevölkerung in einem Kriegsgebiet nahezubringen". Schaaps dreiteilige im SPIEGEL erschienene Reportage – "Furcht und Betäubung" (Nr. 50/2016), "Es war einmal eine Nation" (Nr. 7/2017) und "In der Hand der Gangster" (Nr. 10/2017) – bringt uns vom Krieg gezeichnete Menschen wie beispielsweise einen Barkeeper, einen Fleischer oder eine Architektin so nahe, "als handele es sich um mehr oder minder vertraute Nachbarn". Plötzlich "ist das Grauen im fernen Syrien gar nicht mehr fern, sondern nah und fast spürbar". Für die Jury des Brenner-Preises ist die Serie "Kriegsberichterstattung im besten Sinne des Wortes".
Mit dem 3. Preis werden Caterina Woj und Andrea Röpke für "Das braune Netzwerk – Wer steuert die Wutbürger?" ausgezeichnet. Der Film wurde in der WDR-Reihe "die story" am 11. Januar 2017 ausgestrahlt. Das Preisgeld beträgt 3.000 Euro.
Den mit 10.000 Euro dotierten 1. Preis des Otto Brenner Preises für kritischen Journalismus 2017 erhält das Autorenteam Kristina Gnirke, Isabell Hülsen und Martin U. Müller für "Ein krankes Haus" (DER SPIEGEL, Nr. 51/2016, S. 14 ff.)
Nach Auffassung der Jury leisten Kristina Gnirke, Isabell Hülsen und Martin U. Müller mit der SPIEGEL-Titelgeschichte über den Asklepios-Konzern "schonungslose Aufklärung über die Missstände im Gesundheitswesen". Es werde, so die Jury, bisweilen immer noch behauptet, dass das Gesundheitswesen an einem eingeschränkten Wettbewerb leide. "Der ausgezeichnete Text zeigt", so die Jury in ihrer Begründung, "dass das Gesundheitswesen vor allem daran leidet, dass es ein Markt ist, an dem zu allererst verdient werden will". Kaufleute und Betriebswirtschaftler hätten aus der Medizin eine Industrie gemacht. Am Beispiel des Asklepios-Konzerns zeigen die diesjährigen Brenner-Preisträger wozu das führt. Ihr Text, so die Jury, "ist eine Verteidigung der Menschenwürde – dort, wo sie am antastbarsten ist: im Krankenhaus".
Der 2. Preis (5.000 Euro) geht an Fritz Schaap für eine dreiteilige Serie über den Alltag im vom Krieg gebeutelten Syrien und insbesondere in der Hauptstadt Damaskus.
"Krieg", so die Jury, "ist der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung in friedlichen Ländern fern, unheimlich, in seinen Konsequenzen schwer konkret vorstellbar". Wenn ein Krieg dann noch in einem Land mit fremder Kultur stattfindet, so die Jury weiter, "dann rückt er endgültig in den Bereich des Unfassbaren, Unbegreiflichen – es sei denn, ein Autor wie Fritz Schaap nimmt sich des Themas an". Nach Auffassung der Jury gelingt es "ganz selten jemandem so eindringlich wie diesem freiberuflich tätigen Journalisten, seinen Leserinnen und Lesern die Gefühle, Lebensbedingungen, Motive der Bevölkerung in einem Kriegsgebiet nahezubringen". Schaaps dreiteilige im SPIEGEL erschienene Reportage – "Furcht und Betäubung" (Nr. 50/2016), "Es war einmal eine Nation" (Nr. 7/2017) und "In der Hand der Gangster" (Nr. 10/2017) – bringt uns vom Krieg gezeichnete Menschen wie beispielsweise einen Barkeeper, einen Fleischer oder eine Architektin so nahe, "als handele es sich um mehr oder minder vertraute Nachbarn". Plötzlich "ist das Grauen im fernen Syrien gar nicht mehr fern, sondern nah und fast spürbar". Für die Jury des Brenner-Preises ist die Serie "Kriegsberichterstattung im besten Sinne des Wortes".
Mit dem 3. Preis werden Caterina Woj und Andrea Röpke für "Das braune Netzwerk – Wer steuert die Wutbürger?" ausgezeichnet. Der Film wurde in der WDR-Reihe "die story" am 11. Januar 2017 ausgestrahlt. Das Preisgeld beträgt 3.000 Euro.

Journalisten sind aufgerufen, im Interesse von Freiheit und Demokratie Haltung zu zeigen. Haltung, so die Jury, zeige sich "nicht in kurzatmiger Aufregung, sondern in besonnener Analyse, im Rekonstruieren und Verstehen dessen, was gerade geschieht, nicht nur vordergründig, sondern vor allem hintergründig". Das alles leisten die beiden Preisträgerinnen Caterina Woj und Andrea Röpke auf vorbildliche Weise. Ihre WDR-Dokumentation über "Das braune Netzwerk", in dem AfDler, Rechtsextreme und Neonazis in konspirativer Weise zusammenarbeiten, ist für die Jury "kritischer Fernsehjournalismus in Bestform, politische Aufklärung, wie sie das Gebot der Stunde ist". Der Film überzeugte die Jury: "Recherche von Zusammenhängen, Analyse von Strukturen, Einordnung durch O-Töne, Kameraführung, Bildauswahl, Dramaturgie – hier stimmt alles!"
Der "Spezial"-Preis, dotiert mit 10.000 Euro, geht an Charlotte Wiedemann. Mit ihr zeichnet die Jury eine Journalistin mit langjähriger Berufserfahrung aus und ehrt sie zugleich als profilierte Autorin mit dem Schwerpunkt "Islamische Lebenswelten". Ihr aktuelles Buch "Der neue Iran" zerreißt die landläufigen Vorurteile, die es über den Iran gibt. "Charlotte Wiedemann legt", so die Jury, "das Portrait der iranischen Gesellschaft jenseits des Staatsapparats vor – es ist ein faszinierendes Porträt, das Porträt einer Gesellschaft im Aufbruch, voller Neugierde und einer Sehnsucht nach Öffnung". Es gelingt der Autorin auf "scharfsinnige und lehrreiche Weise zu zeigen, wie aus dem Iran trotz autoritärer Regierung ein modernes, dynamisches, weltoffenes Land wird". Sie berichtet aus einem Land, das dem Westen entrückt war – sie porträtiert, sie analysiert, sie öffnet uns Türen und Fenster und schafft so ein Fundament, um eine sich „wandelnde Gesellschaft" zu verstehen. "Das ist wunderbar kluger, politischer Journalismus", lobt die Jury die Arbeit der Autorin, die mit dem "Spezial"-Preis auch für ihr journalistisches Schaffen insgesamt ausgezeichnet wird.
Den Newcomerpreis, dotiert mit 2.000 Euro, erhält Hannes Munzinger für seine Analyse eines Geldwäsche-Systems in Europa. Seine Reportage "Russische Waschmaschine" erschien am 21. März 2017 als "Thema des Tages" in der Süddeutschen Zeitung (SZ).
Recherchen zur Finanzkriminalität sind ein mühsames Geschäft. "Eine Mauer des Schweigens" verbirgt zumeist die wahren Urheber verdächtiger Geldbewegungen. Aber Hannes Munzinger ließ sich nicht abschrecken. "Mit Ausdauer und Akribie", so die Jury in der Begründung, "ging er den Hinweisen aus 70.000 zugespielten Datensätzen über die deutschen Beteiligten an einem der größten europäischen Geldwäsche-Netzwerke nach". Sein Bericht über die Verstrickung deutscher Banken, Konzerne und Mittelständler in den "Russian Laundromat" getauften Schwarzgeld-Ring ist für die Jury "ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung des Versagens der deutschen Justiz bei der Verfolgung der Geldwäsche – eine herausragende Leistung für einen Newcomer".
Im Wettbewerb um die Brenner-Preise zeichnet die Jury auch innovative und wegweisende Medienprojekte aus. 2017 geht der Medienprojektpreis, dotiert mit 2.000 Euro, an das Multimedia-Projekt "Migration Control". Einzelne Beiträge davon erschienen seit November 2016 auch in "Die Tageszeitung" (die taz).
Christian Jakob, Daniél Kretschmar, Simone Schlindwein und ein Team aus 25 Journalisten und Wissenschaftlern haben mit Bravour eine einmalige Herausforderung bewältigt: Nach sechs Monaten Recherche in 21 Ländern enthüllten sie "mit erdrückender Beweisfülle eines der dunkelsten Kapitel der EU-Politik". Bis 2020 wird die EU voraussichtlich rund zehn Milliarden Euro ausgeben, damit andere Länder Flüchtlinge und Migranten von Europa fernhalten. Die EU bietet dafür Militär- und Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe und arbeitet mitunter mit bislang geächteten Regimen zusammen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, und bildet deren Polizei und Armeen aus. "Das meisterhaft gestaltete Web-Dossier", so die Jury, "erschließt das komplexe Thema für jedermann und ist zugleich eine Datenbank, die zur weiteren Recherche anstiftet". In der Begründung der Preisvergabe lobt die Jury: "Solche Medienprojekte braucht Europa".
Neben diesen Preisen werden von der Otto Brenner Stiftung auch Recherche-Stipendien vergeben, die mit jeweils 5.000 Euro dotiert sind. Die Stipendien ermöglichen es, frei von ökonomischen Zwängen und mit professioneller Begleitung von erfahrenen "Mentoren", vielversprechende Projektthemen vertieft zu recherchieren und zu realisieren. Bei der diesjährigen Ausschreibung konnten wieder drei Anträge die Jury überzeugen.
Bernd Kramer, freier Journalist aus Hamburg, geht einem Thema in Deutschland nach, von dem es heißt, es komme nur in fernen, wenig entwickelten Ländern vor: Sklaverei in der Arbeitswelt. Schätzungen deuten darauf hin, dass hierzulande aktuell ca. 15.000 Menschen davon betroffen sind, Tendenz steigend. Die freie Journalistin Marianne Falck untersucht in "Dicke Freunde" die Beziehungen zwischen Zuckerindustrie und Pharmariesen. Abhängigkeiten im Spannungsfeld von Wirtschaft, Politik und Gesundheit sollen recherchiert und transparent gemacht werden.
Um den Erfolg ihres Stipendiums nicht zu gefährden, haben wir uns entschlossen, dass das dritte Stipendium einer weiteren freien Journalistin verdeckt recherchiert und das Thema vorerst nicht kommuniziert wird.
Die Vergabe von Recherche-Stipendien und die intensive Betreuung der Gewinner durch profilierte Journalisten gehören zum Markenkern des Brenner-Preises. Inzwischen liegen mehr als 30 erfolgreich abgeschlossene, zum Teil spektakuläre Recherche-Ergebnisse vor, die durchweg in renommierten Medien erschienen sind (und zum Teil dann auch noch mit weiteren profilierten Journalistenpreisen ausgezeichnet wurden). Philipp Haaser, mit einer Recherche zum Wohnungsmarkt in Köln Gewinner eines Stipendiums 2016 (siehe www.otto-brenner-preis.de), wird über seine persönlichen Erfahrungen und außergewöhnlichen Ergebnisse der Recherche bei der diesjährigen Preisverleihung berichten.
Die Preisverleihung findet am 21. November in Berlin statt (Hotel Pullman Berlin, Schweizerhof). Anja Höfer, TV- und Hörfunk-Journalistin (SWR), moderiert die Festveranstaltung. Neben den Preisträgern und den Mitgliedern der Jury, die laudatieren werden, erwartet die Otto Brenner Stiftung mehr als 350 Gäste.
Die Otto Brenner Stiftung der IG Metall verleiht den Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus 2017 zum 13. Mal. Prämiert werden journalistische Arbeiten, die das Motto der Ausschreibung "Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten" in ihren Beiträgen beispielhaft umgesetzt haben. Aus mehr als 700 Bewerbungen, neuer OBS-Rekord, wählte die Jury am 19. September in Frankfurt a.M. die Preisträger in fünf Kategorien. Das Preisgeld beträgt 2017 insgesamt 47.000 Euro.
Mitglieder der Jury des Otto Brenner Preises 2017 sind Bettina Gaus (taz), Prof. Dr. Thomas Leif (SWR-Chefreporter), Prof. Dr. Volker Lilienthal (Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Qualitätsjournalismus, Universität Hamburg), Ines Pohl (Deutsche Welle, Chefredakteurin), Prof. Dr. Heribert Prantl (Innenpolitik-Chef und Mitglied der Chefredaktion, Süddeutsche Zeitung), Harald Schumann (Redakteur für besondere Aufgaben, Der Tagesspiegel, und Investigative Europe) sowie Jörg Hofmann (1. Vorsitzender der IG Metall und OBS-Verwaltungsratsvorsitzender).

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Von admin

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