Der German Brand Award hat sich in zehn Jahren von einer Fachveranstaltung zu einer der wichtigsten Plattformen für Markenführung im deutschsprachigen Raum entwickelt. Mit seiner Jubiläumsausgabe am 25. Juni in der Uber Eats Music Hall setzte der vom German Design Council ausgerichtete Preis neue Maßstäbe. Rund 800 Gäste aus Wirtschaft, Kreativbranche und Markenmanagement kamen zusammen, um herausragende Leistungen der Markenführung zu würdigen und zugleich über die Zukunft von Kommunikation und Unternehmensmarken zu diskutieren. Insgesamt gingen 1.676 Einreichungen aus 18 Ländern ein. Ausgezeichnet wurden 569 Projekte, darunter 488 als „Winner“, 68 mit „Gold“ und 13 als „Best of Best“.

Zu den ausgezeichneten Marken zählten Unternehmen und Projekte, die unterschiedliche Wege erfolgreicher Markenentwicklung zeigen. In der Kategorie „Best of Best“ wurden unter anderem TDK, MOD21 und Kloster Kitchen für herausragende Markenarbeit gewürdigt. TDK steht dabei für die Weiterentwicklung einer traditionsreichen Technologiemarke hin zu einer modernen, zukunftsorientierten Positionierung. MOD21 wurde für seinen Ansatz im Bereich nachhaltiger modularer Baukonzepte ausgezeichnet, während Kloster Kitchen mit der Entwicklung einer Premium-Marke rund um fermentierte Produkte überzeugte. Die Beispiele zeigen, dass Marken heute nicht allein über Sichtbarkeit entstehen, sondern über Haltung, Innovation und eine nachvollziehbare Geschichte.
Auch jüngere Unternehmen erhielten Aufmerksamkeit. Beim Ehrenpreis „Startup of the Year“ traten mehrere junge Marken im Live-Pitch gegeneinander an. Das Publikum entschied sich schließlich für Super Pop aus Stuttgart, ein Unternehmen, das mit ballaststoffreichen Erfrischungsgetränken neue Akzente im Getränkemarkt setzen will. Der Wettbewerb verdeutlichte, dass Markenaufbau längst nicht mehr ausschließlich großen Konzernen vorbehalten ist, sondern auch von jungen Unternehmen mit klarer Positionierung und neuen Geschäftsmodellen geprägt wird.

Bemerkenswert war dabei weniger die Preisverleihung selbst als die inhaltliche Ausrichtung des Jubiläums. Unter dem Leitmotiv „Brand Forward“ rückte die Veranstaltung die Frage in den Mittelpunkt, wie sich Marken unter den Bedingungen künstlicher Intelligenz, wachsender Informationsflut und sinkenden Vertrauens behaupten können. Bereits am Nachmittag diskutierten 39 Referentinnen und Referenten in zehn Panels, Keynotes und Live-Pitches über Strategien für die Markenführung der kommenden Jahre. Damit entwickelte sich die German Brand Convention zunehmend zu einem Fachkongress, der den Austausch zwischen Unternehmen, Agenturen, Wissenschaft und Kreativwirtschaft sucht.

Einen zentralen Impuls lieferte das Marktforschungsinstitut Ipsos als neuer Insights-Partner des German Brand Award. Erstmals wurden Ergebnisse der eigens für den Wettbewerb erhobenen Studie „Zwischen Effizienz und Vertrauensverlust – Wie viel KI verträgt eine Marke?“ vorgestellt. Die Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, wie Verbraucher den Einsatz künstlicher Intelligenz in Werbung und Markenkommunikation wahrnehmen. Die Kernaussage: KI kann Prozesse beschleunigen und Effizienz schaffen, sie ersetzt jedoch weder Glaubwürdigkeit noch kreative Eigenständigkeit. Vertrauen bleibt ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Diese Erkenntnisse spiegelten sich auch in den Diskussionen wider. Kreative, Markenverantwortliche und Berater warnten davor, künstliche Intelligenz ausschließlich als Instrument zur Kostensenkung zu verstehen. Vielmehr müsse sie den kreativen Prozess unterstützen, ohne menschliche Ideen, Verantwortung und Transparenz zu verdrängen. Gerade im Lichte neuer europäischer Regulierung wurde deutlich, dass Offenheit über den Einsatz von KI künftig ebenso wichtig sein dürfte wie technologische Innovationsfähigkeit.

Neben den Debatten bot die Convention auch jungen Unternehmen eine Bühne. Im Wettbewerb um den Ehrenpreis „Startup of the Year“ überzeugte das Stuttgarter Unternehmen Super Pop mit seinem Konzept ballaststoffreicher Erfrischungsgetränke und gewann die Live-Abstimmung des Publikums. Die Verbindung aus Preisverleihung, Fachkongress und Netzwerkplattform verdeutlicht den Anspruch des German Brand Award, Markenführung nicht nur auszuzeichnen, sondern aktiv weiterzuentwickeln.

Das zehnjährige Jubiläum markiert damit einen Wendepunkt. Aus einer ursprünglich vergleichsweise kleinen Branchenveranstaltung mit wenigen Hundert Teilnehmern ist eine internationale Plattform entstanden, auf der Markenstrategien, gesellschaftliche Erwartungen und technologische Entwicklungen gleichermaßen verhandelt werden. Der German Brand Award versteht sich damit zunehmend nicht nur als Auszeichnung für erfolgreiche Markenarbeit, sondern als Forum für die Frage, wie Marken in einer von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz geprägten Wirtschaft Vertrauen aufbauen und langfristig erhalten können.

 

Von admin