29.09.2026 Deutscher Schulpreis 2026 in Berlin Preisverleihung Deutscher Schulpreis 2026 © Robert Bosch Stiftung GmbH / Max Lautenschlaeger Preisverleihung Deutscher Schulpreis 2026, Studio Berlin Adlershof, Bundeskanzler Friedrich Merz, Bavaria Entertainment, Schule, Heidehof Stiftung, ARD, Die ZEIT, Deutsches Schulportal, Robert Bosch Stiftung 2026
100.000 Euro und ein Kanzlerwort: Diese Schule gewinnt den Deutschen Schulpreis
Es war der große Moment im Studio Berlin in Adlershof: Bundeskanzler Friedrich Merz trat auf die Bühne, gratulierte den Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Schulleitungen und machte deutlich, worum es beim Deutschen Schulpreis aus seiner Sicht im Kern geht. „Schule ist so viel mehr“, sagte Merz sinngemäß in seiner Rede. Sie sei nicht lediglich ein Ort des Lernens, sondern ein entscheidender Ort für die Zukunft der Gesellschaft. Wenige Minuten später war klar, welche Schule in diesem Jahr ganz oben steht: Die Bertha-von-Suttner-Schule aus Mörfelden-Walldorf gewinnt den Deutschen Schulpreis 2026 und damit 100.000 Euro.
Merz sprach an diesem Vormittag ungewöhnlich ausführlich über die Bedeutung von Schule. Die nominierten Einrichtungen, sagte der Bundeskanzler, zeigten, dass Bildung trotz der großen gesellschaftlichen Herausforderungen an vielen Orten bereits heute erfolgreich gestaltet werde. Er sprach von Schulen, die Verantwortung übernehmen, Vielfalt als Bereicherung verstehen und sich gegenüber ihrem Umfeld öffnen. Vor allem aber ging es ihm um die Menschen hinter den Konzepten: um Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen, Eltern und natürlich die Schülerinnen und Schüler.
„Sie alle sind bereits Siegerinnen und Sieger“, sagte Merz an die Nominierten gerichtet. Sie hätten Schule neu gedacht und damit an der Zukunft der Kinder gearbeitet. Die Worte waren mehr als ein freundlicher Satz für einen Festakt. Denn der Deutsche Schulpreis versteht sich seit seiner Gründung vor 20 Jahren nicht allein als Wettbewerb, bei dem am Ende eine Schule einen Pokal und ein Preisgeld erhält. Die ausgezeichneten Konzepte sollen weitergegeben werden. Erfahrungen und Ideen sollen andere Schulen erreichen und dort neue Entwicklungen anstoßen.
Für Merz ist diese Frage auch eine politische. Deutschland brauche junge Menschen, die eine gute Ausbildung erhalten und auf die Herausforderungen ihrer Zeit vorbereitet seien. Lehrerinnen und Lehrer bezeichnete er in seiner Rede ausdrücklich als eine der wichtigsten Berufsgruppen des Landes. Zugleich verband er Bildung mit einer Frage, die über den Schulhof hinausreicht: der Stabilität der Demokratie.
Besonders deutlich wurde das, als Merz zu einem ungewöhnlichen Vorschlag kam. Er regte an, dass Richterinnen und Richter regelmäßig Schulen besuchen sollten, um Schülerinnen und Schülern zu erklären, wie die deutsche Rechtsordnung funktioniert, was Demokratie ausmacht und warum staatliche Macht an Recht gebunden ist. Gerade junge Menschen müssten verstehen, so die Stoßrichtung seiner Überlegung, auf welchen Grundlagen der demokratische Staat beruht.
Damit verschob Merz den Blick vom klassischen Bildungsbegriff auf die gesellschaftliche Rolle der Schule. Unterricht soll Wissen vermitteln, Schule soll aber auch ein Ort sein, an dem junge Menschen erleben, wie eine offene Gesellschaft funktioniert. Diese Verbindung zwischen Bildung und Demokratie gewinnt angesichts gesellschaftlicher Spannungen zunehmend an Bedeutung.
Der Deutsche Schulpreis selbst hat sich in seinen 20 Jahren ebenfalls verändert. Aus einem Wettbewerb für besonders gute Schulen ist ein bundesweites Netzwerk für Schulentwicklung geworden. Die Jury bewertet sechs Bereiche: Unterrichtsqualität, Leistung, Umgang mit Vielfalt, Verantwortung, Schulleben und Netzwerke sowie die Fähigkeit einer Schule, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Für den Jahrgang 2026 hatten sich 87 Schulen beworben. Nach mehreren Auswahlstufen blieben 15 Finalisten. Juryteams besuchten die Schulen, hospitierten im Unterricht und führten Gespräche mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie außerschulischen Partnern.
Die Bertha-von-Suttner-Schule überzeugte dabei mit einem Konzept, das Leistung und individuelle Förderung miteinander verbindet. Rund 2.000 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule in Mörfelden-Walldorf. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der Bildungswege: Obwohl nur etwa 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit einer Gymnasialempfehlung an die Schule kommen, erreicht nach den vorliegenden Angaben rund zwei Drittel der Jugendlichen später das Abitur.
Dahinter steht eine Schule, die ihre Größe nicht als Ausrede versteht. Klare Strukturen, systematische Auswertung von Lernständen, individuelle Lernzeiten und persönliche Ansprechpartner sollen dafür sorgen, dass Schülerinnen und Schüler nicht einfach durch das System laufen. Die Schule nimmt zudem am Startchancen-Programm teil, das Schulen in sozial herausfordernden Lagen gezielt unterstützt.
Der Hauptpreis ist deshalb auch eine Auszeichnung für eine bestimmte Vorstellung von Bildung: Leistung soll nicht gegen individuelle Förderung ausgespielt werden. Eine große Schule kann zugleich klare Erwartungen formulieren und einzelne Schülerinnen und Schüler persönlich begleiten.
Einen weiteren Akzent setzte die Jury im Jubiläumsjahr mit einem neuen Preis für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung ging an die Stadtteilschule Wilhelmsburg in Hamburg. Gewürdigt wurden insbesondere der Umgang der Schule mit Vielfalt, ihre Öffnung in den Stadtteil und ihr Engagement für mehr Bildungsgerechtigkeit.
Fünf weitere Schulen erhielten jeweils 30.000 Euro: die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Tuttlingen, die Hans-Leipelt-Schule Donauwörth, das Georg-Christoph-Lichtenberg-Oberstufengymnasium in Bruchköbel, die Oberschule Berenbostel in Garbsen und die Staatliche Grundschule Tannroda. Die übrigen Finalisten erhielten Anerkennungspreise.
Für Merz war die Preisverleihung zugleich Anlass für einen persönlichen Rückblick. Er sprach über seine eigene Generation, über Frieden und Freiheit und darüber, dass junge Menschen auch künftig die Chance haben sollten, in einem offenen und freiheitlichen Land aufzuwachsen. Er kündigte an, wieder häufiger Schulen besuchen zu wollen. Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern seien für ihn eine Motivation.
Am Ende blieb jedoch der Satz, auf den alle im Saal gewartet hatten. Der Bundeskanzler verkündete den Hauptpreis. Die 100.000 Euro gehen nach Hessen, an die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf. Nach 20 Jahren Deutscher Schulpreis ist damit einmal mehr eine Schule ausgezeichnet worden, die zeigen soll, dass gute Bildung nicht erst bei den besten Voraussetzungen beginnt. Sondern dort, wo eine Schule bereit ist, aus unterschiedlichen Voraussetzungen möglichst viele Bildungswege zu machen.
