Drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung präsentierte sich die Türkisch-Deutsche Unternehmervereinigung (TDU) am Freitagabend im Berliner JW Marriott Hotel nicht nur als Wirtschaftsnetzwerk, sondern als Ausdruck einer unternehmerischen Erfolgsgeschichte, die eng mit der Entwicklung Berlins als internationale Metropole verbunden ist. Rund 30 Jahre nach dem Zusammenschluss von damals 29 Unternehmern unter Leitung des Gründungspräsidenten Kemal Degirmenci zeigte die Jubiläumsgala, wie sehr sich die Rolle türkischstämmiger Unternehmer in Deutschland verändert hat. Aus einer Interessenvertretung migrantischer Geschäftsleute wurde ein wirtschaftspolitisch wahrnehmbarer Verband mit engen Kontakten zu Politik, Diplomatie und Mittelstand.
Bereits beim Empfang wurde deutlich, dass der Abend weniger nostalgischen Charakter hatte als vielmehr eine Standortbestimmung innerhalb der deutschen Wirtschaft darstellte. Durch das Programm führten die Moderatorin Beyhan Yahsi und der Unternehmer Doğan Azman. Zwischen musikalischen Beiträgen, Gala-Dinner und Networking rückten vor allem die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen türkischstämmiger Unternehmer in den Mittelpunkt. Ein eigens produzierter Imagefilm zeichnete die Entwicklung der Vereinigung seit 1996 nach und erinnerte an ihre Anfänge in einer Zeit, in der Unternehmer mit türkischen Wurzeln in Deutschland wirtschaftlich zwar präsent, politisch jedoch kaum sichtbar waren.
Der heutige Vorstandsvorsitzende Remzi Kaplan stellte in seiner Begrüßungsansprache die wirtschaftliche Verantwortung des Mittelstands heraus und sprach über die Bedeutung langfristiger Netzwerke in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Kaplan zählt seit Jahren zu den bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten der deutsch-türkischen Wirtschaftsszene. Seine Unternehmensgruppe ist bundesweit in Gastronomie und Immobilienwirtschaft aktiv. In Videobotschaften beschrieben Wegbegleiter und Unternehmer die TDU als Plattform gegenseitiger Unterstützung und wirtschaftlicher Orientierung. Oya Tarhan von ArsaVev erinnerte daran, dass der Name TDU früh als erste Anlaufstelle fiel, als ihr Unternehmen den deutschen Markt erschließen wollte. Bahattin Kaya von Kaya Touristik sprach von der damaligen Überzeugung, eine starke wirtschaftliche Plattform schaffen zu müssen. Mustafa Baklan, Geschäftsführer des Lebensmittelunternehmens Suntat, würdigte insbesondere die Entwicklung der Organisation seit den Jahren der Arbeitsmigration. Die TDU stehe heute für unternehmerische Stärke und Zusammenhalt in einem Land, in das viele einst als Gastarbeiter gekommen seien.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Grußwort des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner. Seine Teilnahme verdeutlichte den politischen Stellenwert, den die türkischstämmige Unternehmerschaft inzwischen in Berlin besitzt. Wegner würdigte die wirtschaftliche Leistung migrantischer Unternehmer für Wachstum, Beschäftigung und Internationalität der Hauptstadt. Gerade Berlin profitiert seit Jahren von einer vielfältigen Wirtschaftsstruktur, in der Familienunternehmen mit Migrationsgeschichte eine zentrale Rolle spielen. Auch der türkische Generalkonsul İlker Okan Şanlı sprach über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei, die trotz politischer Spannungen weiterhin eng verflochten bleiben.
Der Ablauf des Abends folgte dabei bewusst der klassischen Form repräsentativer Wirtschaftsgalas. Nach dem Empfang und den offiziellen Reden begann ein festliches Dinner, begleitet von musikalischen Beiträgen des Sängers Günay Acar. Später wurde gemeinsam die Jubiläumstorte angeschnitten, bevor Sängerin Zeynep Avcı den musikalischen Höhepunkt des Abends gestaltete. Anschließend sorgten Ceren Özdemir und ein DJ-Set bis nach Mitternacht für einen deutlich lockereren Ausklang. Trotz des festlichen Rahmens blieb der wirtschaftspolitische Unterton der Veranstaltung jedoch jederzeit präsent.
Die TDU nutzt solche Veranstaltungen seit Jahren gezielt, um die Sichtbarkeit türkischstämmiger Unternehmer über die eigene Community hinaus zu stärken. Tatsächlich hat sich deren wirtschaftliche Bedeutung in Deutschland erheblich verändert. Tausende Unternehmen mit türkischen Wurzeln beschäftigen heute bundesweit Hunderttausende Menschen. Besonders in Ballungsräumen wie Berlin gehören sie längst zum etablierten Mittelstand. Die Jubiläumsgala vermittelte deshalb vor allem eines: das Selbstverständnis einer Unternehmergeneration, die nicht mehr um Anerkennung kämpft, sondern ihren festen Platz innerhalb der deutschen Wirtschaft beansprucht.