Türkische Kulinarische Woche in Berlin eröffnet: Kulinarik als kulturelle Brücke
Mit einem festlichen Galaabend im Berliner Titanic Hotel Gendarmenmarkt Berlin ist am Mittwoch die Internationale Türkische Kulinarische Woche 2026 eröffnet worden. Unter dem Motto „Ein Erbe an einem Tisch“ kamen rund 120 Gäste aus Diplomatie, Kultur, Medien und Tourismus zusammen, um die Vielfalt und kulturelle Bedeutung der türkischen Küche zu würdigen.
Organisiert wurde die Veranstaltung vom türkischen Ministerium für Kultur und Tourismus gemeinsam mit der Türkiye Turizm Tanıtım ve Geliştirme Ajansı. Unterstützt wurde der Abend von der Botschaft der Republik Türkiye in Berlin, sowie der Hotelgruppe Titanic.
Botschafter Turan betont kulturelle Dimension der Küche
Der Botschafter der Republik Türkiye in Berlin, Gökhan Turan, stellte in seiner Eröffnungsrede die gesellschaftliche Bedeutung der türkischen Esskultur in den Mittelpunkt. Die türkische Küche sei weit mehr als eine Sammlung traditioneller Gerichte. Sie transportiere Erinnerungen, Werte und kulturelle Identität.
„Die Tischkultur steht im Zentrum von Gemeinschaft und Zusammenhalt“, sagte Turan vor den Gästen. Gemeinsames Essen sei Ausdruck sozialer Nähe und gelebter Tradition.
Zugleich erinnerte der Botschafter daran, dass die Türkische Kulinarische Woche bereits zum fünften Mal veranstaltet wird und unter der Schirmherrschaft der türkischen First Lady Emine Erdoğan stehe.
Auch die deutsch-türkischen Beziehungen griff Turan auf. Die politischen Kontakte und strategischen Dialoge hätten den bilateralen Beziehungen zuletzt neue Dynamik verliehen. Deutschland bleibe zudem einer der wichtigsten Herkunftsmärkte für den türkischen Tourismus. Allein im ersten Quartal 2026 seien rund 700.000 Reisende aus Deutschland in die Türkei gereist.
Kulinarik als Ausdruck kultureller Vielfalt
Der Kulturattaché der türkischen Botschaft, Samet Kapısız, beschrieb die türkische Küche als Ergebnis jahrtausendelanger kultureller Entwicklung. Unterschiedliche Klimazonen, Handelsrouten und Migrationen hätten die kulinarische Vielfalt Anatoliens geprägt.
Die türkische Küche sei deshalb nicht nur gastronomisch bedeutsam, sondern auch Ausdruck von Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und kultureller Interaktion. Essen verbinde Menschen über kulturelle Grenzen hinweg und schaffe Verständigung, erklärte Kapısız.
Besonders hob er die Rolle der Gastfreundschaft hervor. Gemeinsame Mahlzeiten seien in der türkischen Gesellschaft eng mit familiärem Zusammenhalt und dem Weitergeben kultureller Traditionen zwischen Generationen verbunden.
Turkish Airlines verweist auf globale Präsenz
Auch nutzte Turkish Airlines die Veranstaltung, um die Verbindung zwischen Reisen, Kultur und Gastfreundschaft hervorzuheben. Der Berliner General Manager der Fluggesellschaft, Zekeriya Kuruçam, sprach von einer „beeindruckenden Erfolgsgeschichte“ der Airline.
Die Fluggesellschaft, 1933 mit lediglich fünf Flugzeugen gegründet, verfüge heute über eine Flotte von 537 Maschinen und fliege mehr als 350 Destinationen in über 135 Ländern an. Im Jahr 2025 habe Turkish Airlines nach eigenen Angaben 92 Millionen Passagiere befördert.
Kuruçam zog dabei eine direkte Verbindung zwischen türkischer Esskultur und dem Selbstverständnis der Fluggesellschaft. Gastfreundschaft bedeute in der türkischen Kultur weit mehr, als lediglich Speisen anzubieten. Sie sei Ausdruck von Respekt und Fürsorge.
Zudem verwies er auf die enge Anbindung zwischen Deutschland und Türkiye. Wöchentlich führe Turkish Airlines rund 300 Flüge zwischen beiden Ländern durch. Mit den Programmen „TourIstanbul“ und „Stopover“ wolle die Airline Transitpassagieren zudem die Möglichkeit geben, Istanbul intensiver kennenzulernen.
Zehn-Gänge-Menü als kulinarische Reise durch Anatolien
Im Mittelpunkt des Abends stand ein eigens konzipiertes Fünf-Gänge-Menü, das zentrale Elemente der türkischen Küche präsentierte.
Bereits die Vorspeisen eröffneten einen Blick auf die soziale Funktion der türkischen Küche. Die Lebeniye Çorbası, eine Joghurtsuppe mit Fleischbällchen, Reis, Kichererbsen und Chili-Butter, gehört zu jenen Gerichten, die in vielen Regionen Anatoliens bis heute als gemeinschaftsstiftende Speise gelten. Die Verbindung von fermentiertem Joghurt, Hülsenfrüchten und Getreide verweist auf jahrhundertealte Ernährungstraditionen einer bäuerlich geprägten Gesellschaft. Daneben stand mit der Mercimek Çorbası eine der bekanntesten Suppen der Türkei auf der Karte. Die samtige rote Linsensuppe ist bis heute ein alltägliches Gericht zwischen Familienküche und Straßenlokal. Ihre Popularität erklärt sich nicht zuletzt aus ihrer Schlichtheit: Linsen, Zwiebeln und Gewürze bilden seit Jahrhunderten eine Grundkonstante anatolischer Ernährungskultur.
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Keşkek, das auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes geführt wird und im Zentrum der diesjährigen Themenwoche stand. � Das Gericht aus langsam geschmortem Weizen und Fleisch besitzt in der Türkei eine symbolische Bedeutung, die weit über seinen Geschmack hinausgeht. Traditionell wird Keşkek bei Hochzeiten, religiösen Festen oder Dorffeiern in großen Kupferkesseln gemeinschaftlich zubereitet. Die stundenlange Verarbeitung gilt als Ausdruck kollektiver Arbeit und sozialer Verbundenheit. Als vegetarische Alternative wurde Fellah Köftesi gereicht, kleine Bulgurklößchen in Tomaten-Paprika-Sauce mit Joghurt. Das Gericht stammt ursprünglich aus der südlichen Mittelmeerregion Anatoliens und verweist auf die starke Rolle pflanzlicher Küche innerhalb der türkischen Esskultur, die international häufig auf Fleischgerichte reduziert wird.
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Auch die Getränke des Abends waren bewusst gewählt. Ayran, das traditionelle Joghurtgetränk, steht in der Türkei bis heute für alltägliche Tischkultur und gilt vielerorts als selbstverständlicher Bestandteil gemeinsamer Mahlzeiten. Şalgam hingegen, ein fermentierter Rübensaft mit würziger Schärfe, verweist auf die Konservierungs- und Fermentationstechniken der südostanatolischen Küche. Beide Getränke stehen exemplarisch für eine kulinarische Tradition, in der Haltbarmachung, Klima und Landwirtschaft eng miteinander verbunden sind.
Mit den Vişneli Sarma rückte anschließend eines der differenziertesten Gerichte des Menüs in den Mittelpunkt. Die mit Sauerkirschen gefüllten Weinblätter verbinden süße und saure Aromen und spiegeln jene osmanisch geprägte Küche wider, in der Früchte, Gewürze und herzhafte Komponenten selbstverständlich zusammenfinden. Gerade die osmanische Hofküche beeinflusste über Jahrhunderte die Esskulturen des östlichen Mittelmeerraums und prägte zahlreiche Gerichte, die heute in verschiedenen Ländern als Teil eigener nationaler Küchen verstanden werden.
Der Hauptgang führte diese historische Erzählung fort. Kuzu Tandır mit Mandel-Butter-Reis, eine langsam geschmorte Lammschulter, verweist auf die nomadischen Wurzeln Zentralanatoliens. Das langsame Garen über viele Stunden war ursprünglich eine praktische Notwendigkeit wandernder Viehhalter und entwickelte sich später zu einer zentralen Technik anatolischer Fleischküche. Die vegetarische Variante, Sebzeli Güveç auf Bulgur Pilavı, griff wiederum die Tradition der Tontopfgerichte auf, die besonders in Zentral- und Südostanatolien verbreitet ist. Das Schmoren im Tongefäß konserviert Aromen und steht exemplarisch für eine Küche, die aus regional verfügbaren Zutaten komplexe Geschmackstiefen entwickelt.
Zum Abschluss servierte die Küche eine Dessertauswahl aus Helva, Maraş-Eis und Baklava. Kaum ein anderer Bestandteil türkischer Esskultur verdeutlicht die historische Verbindung von Handwerk, Ritual und sozialem Leben so deutlich wie diese Süßspeisen. Baklava gilt bis heute als Symbol osmanischer Patisseriekunst und erfordert eine präzise Verarbeitung hauchdünner Teigschichten. Helva wiederum besitzt in vielen Regionen eine fast zeremonielle Bedeutung und wird traditionell bei familiären Zusammenkünften, religiösen Anlässen oder Gedenkfeiern gereicht. Maraş-Eis schließlich steht mit seiner elastischen Konsistenz für regionale Spezialitäten, die aus lokalen Produktionsweisen hervorgegangen sind.
Die Gäste erhielten dabei nicht nur kulinarische Eindrücke, sondern auch Hintergrundinformationen zur Geschichte und kulturellen Bedeutung der einzelnen Speisen. So wurde der Abend zugleich zu einer Präsentation türkischer Kultur und Gastfreundschaft mitten im Herzen Berlins.