Berlin läuft sich warm: Der Marathon beginnt schon vor dem Marathon
Berlin hat am Samstag bereits gezeigt, was dieses Wochenende ausmacht: Bevor am Sonntag die 42,195 Kilometer des BMW BERLIN-MARATHON anstehen, wird die Stadt selbst zur Laufstrecke. Mehr als 13.000 Menschen gingen beim GENERALI 5K an den Start, dazu kamen Tausende Kinder und Jugendliche sowie rund 2.000 Inlineskater. Der eigentliche Marathon war damit noch nicht gelaufen, seine Atmosphäre aber längst überall zu spüren.
Der fünf Kilometer lange GENERALI 5K führte über den letzten Abschnitt der Marathonstrecke und war ausverkauft. Mehr als 2.000 Berlinerinnen und Berliner nutzten die Gelegenheit, ihre Stadt einen Tag vor dem großen Rennen laufend zu erleben. Für den Veranstalter SCC EVENTS ist das Format zugleich ein Versuch, die Schwelle zum Marathonwochenende niedriger zu setzen: Nicht jeder muss 42,195 Kilometer laufen, um Teil dieses Ereignisses zu sein. Auch der ehemalige norwegische Biathlet Ole Einar Bjørndalen war dabei. Schnellster Mann war der Franzose Julien Le Nedic in 15:24 Minuten, bei den Frauen gewann die Amerikanerin Alexandria Scearce in 16:37 Minuten.
Dass der Berliner Marathon längst mehr ist als ein Rennen für die internationale Spitzenklasse, zeigte sich besonders im Nachwuchsprogramm. Beim mini-MARATHON über 4,2195 Kilometer gingen rund 10.000 junge Läuferinnen und Läufer an den Start. Hinzu kamen die Bambini-Läufe sowie das Kids Skating. SCC EVENTS verbindet damit den großen Stadtlauf mit Angeboten für Kinder und Jugendliche. Der Gedanke dahinter ist sportlich durchaus relevant: Der frühe Kontakt zu Bewegung, Wettbewerb und gemeinschaftlichem Sport kann helfen, den Laufsport dauerhaft in den Alltag junger Menschen zu integrieren. Entsprechende Schul- und Nachwuchsangebote sind inzwischen ein fester Bestandteil des Berliner Veranstaltungskalenders.
Am Mittag wechselte das Bild auf der Straße des 17. Juni. Um 12.20 Uhr startete der BMW BERLIN-MARATHON Inlineskating. Rund 2.000 Skater machten sich auf die 42,195 Kilometer lange Strecke, auf der die schnellsten Athleten Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometern pro Stunde erreichen können. Die Strecke führte über Ernst-Reuter-Platz und Otto-Suhr-Allee bis zum Schloss Charlottenburg und anschließend zurück in Richtung Zentrum. Nach mehreren Runden ging es über den Landwehrkanal, vorbei am Potsdamer Platz und am Gendarmenmarkt, bevor Unter den Linden zum Ziel am Brandenburger Tor führte. Damit verbindet der Wettbewerb auf ungewöhnliche Weise Hochleistungssport mit einer der dichtesten urbanen Kulissen Europas.
Im Mittelpunkt stand dabei einmal mehr Bart Swings. Der Belgier gewann das Rennen in 57:30 Minuten und feierte damit seinen zehnten Sieg beim Berliner Inlineskating-Marathon. Hinter ihm kamen der Franzose Nolan Beddiaf und der Deutsche Felix Rijhnen jeweils nach 59:41 Minuten ins Ziel. Beddiaf wurde aufgrund der Wertung Zweiter, Rijhnen Dritter. Bei den Frauen fiel die Entscheidung im Zielsprint. Die Kolumbianerin Keily Delgado gewann in 1:12:55 Stunden vor der Niederländerin Lianne van Ioon und der Französin Alison Bernardi, die zeitgleich mit ihr das Ziel erreichten.
Der Samstag zeigt damit bereits die ganze Spannweite des Berliner Marathonwochenendes. Vom Kind, das erstmals bei einem Bambini-Lauf antritt, über Freizeitsportler auf den letzten fünf Kilometern bis zu internationalen Profis auf Rollen reicht das Teilnehmerfeld. Der BMW BERLIN-MARATHON ist längst ein mehrtägiges Sportereignis geworden, dessen Zentrum zwar das Rennen am Sonntag bleibt, dessen Wirkung aber weit darüber hinausgeht. Für das Wochenende werden insgesamt mehr als 84.000 Teilnehmende aus 162 Nationen erwartet, allein beim klassischen Marathon sollen mehr als 56.000 Läuferinnen und Läufer an den Start gehen.
Am Sonntag richtet sich der Blick nun auf die 42,195 Kilometer des BMW BERLIN-MARATHON. Die Strecke durch Berlin ist dabei nicht nur Schauplatz eines internationalen Spitzenrennens, sondern auch eine der großen öffentlichen Bühnen der Stadt. Zehntausende Läufer, Zuschauer, Helfer und Anwohner werden für mehrere Stunden Teil eines Ereignisses, das Berlin jedes Jahr für einen Tag in eine Laufstadt verwandelt. Die eigentliche Frage des Wochenendes lautet deshalb längst nicht mehr nur, wer am Ende als Erster das Brandenburger Tor erreicht. Entscheidend ist auch, wie viele Menschen sich von diesem Rennen selbst zum Laufen bewegen lassen.
