BERLIN, GERMANY - JULY 3: A model walks the runway at the Marina Hoermanseder Show during Berlin Fashion Week Spring/Summer 2027 at Haus der Visionaere on July 3, 2026 in Berlin, Germany. (Photo by Isa Foltin/Getty Images via Hoermanseder)

Zwischen Zukunftsvision und Handwerk: Marina Hoermanseder entwirft Mode für eine neue Galaxie

Mit ihrer Frühjahr/Sommerkollektion 2027 schlägt die österreichische Designerin Marina Hoermanseder ein neues Kapitel auf. Unter dem Titel „Outer Space“ präsentiert sie im Rahmen der Berlin Fashion Week eine Kollektion, die den Blick bewusst in die Zukunft richtet und zugleich auf die gestalterischen Wurzeln ihres Labels verweist. Die Schau gehört zum offiziellen Programm der Berliner Modewoche, auf der Anfang Juli rund 50 Präsentationen und Laufstegshows die Trends für die Saison Frühjahr/Sommer 2027 zeigen.
Hoermanseder greift die Vorstellung des Weltraums nicht als dekoratives Motiv auf, sondern als erzählerischen Raum für Veränderung. Im Mittelpunkt stehen Frauenfiguren, die sich von bekannten Grenzen lösen und in unbekannte Sphären aufbrechen. Diese Idee übersetzt die Designerin in skulpturale Silhouetten, glänzende Oberflächen und Materialien, die gleichermaßen Schutz und Transformation symbolisieren. Chromlack, eisblaues Leder und metallische Akzente erinnern an futuristische Schutzkleidung, ohne den handwerklichen Ursprung der Entwürfe zu verdrängen.
Bemerkenswert ist die Rückkehr der charakteristischen Twisted-Buckle-Technik. Gedrehte Schnallen ersetzen klassische Nähte und schaffen Konstruktionen, die ebenso technisch wie kunsthandwerklich wirken. Ergänzt werden sie durch mehrlagige Lederarbeiten, die den Kleidungsstücken räumliche Tiefe verleihen. Damit knüpft Hoermanseder an jene unverwechselbare Formensprache an, mit der sie sich seit ihren ersten Kollektionen international einen Namen gemacht hat. Naturbelassenes Leder, eines ihrer prägenden Materialien, erhält in der neuen Kollektion eine ebenso zentrale Rolle wie die markanten Schnallen, Nieten und metallischen Beschläge.
Inhaltlich beschäftigt sich die Kollektion erneut mit dem menschlichen Körper. Orthopädisch inspirierte Elemente, die seit Jahren zu Hoermanseders gestalterischem Repertoire gehören, erscheinen nun in abstrahierter Form. Die sogenannte „Hyper Physicality Vase“ überzeichnet anatomische Ideale und versteht sich als gestalterischer Kommentar zu überhöhten Männlichkeitsbildern. Statt funktionaler Orthopädie entsteht eine skulpturale Mode, die den Körper nicht korrigieren, sondern seine gesellschaftliche Wahrnehmung hinterfragen will.
Auch die Farbwelt folgt dieser Erzählung. Erdige Naturtöne stehen neben leuchtendem Orange, während blaue und grüne Swarovski Kristalle Assoziationen an kosmische Tiefen hervorrufen. Strukturen, die an die Oberfläche des Mondes erinnern, verleihen einzelnen Looks eine reliefartige Textur. Besonders auffällig ist der finale Entwurf der Kollektion, die „Alien Vase“. Mit ihren orthopädisch anmutenden Kopf und Armelementen verweist sie auf Hoermanseders Zeit im Atelier von Alexander McQueen und zitiert dessen legendäre Kollektion Plato’s Atlantis, die bis heute als Meilenstein des futuristischen Modedesigns gilt.
Neu ist zudem die Erweiterung der charakteristischen Strap-Elemente auf Menswear. Mit Strap Pants und Strap Shorts überträgt Hoermanseder ihre bekannte Designsprache erstmals konsequent auf Herrenmode und erweitert damit den gestalterischen Horizont ihres Labels.
Die Kollektion zeigt, dass futuristische Mode nicht zwangsläufig von Technologie allein lebt. Vielmehr verbindet Hoermanseder traditionelle Lederverarbeitung, präzises Handwerk und konzeptionelles Design zu einer eigenständigen Vision. „Outer Space“ versteht den Weltraum weniger als Ort der Science-Fiction denn als Metapher für Kreativität und Aufbruch. Gerade in einer Zeit, in der sich Mode zunehmend zwischen digitaler Innovation und handwerklicher Authentizität bewegt, setzt die Designerin damit ein Zeichen für die Verbindung von technischer Präzision, künstlerischer Fantasie und kultureller Reflexion.

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