Leichtathletik Berlin 27.09.2026 BMW Berlin Marathon 2026 Foto: camera4
Berlin erlebt ein Marathonrennen der Extraklasse
Der Berliner Marathon-Sonntag gehörte den großen Geschichten des internationalen Laufsports. Zehntausende Läuferinnen und Läufer zogen durch die Hauptstadt, Hunderttausende Zuschauer säumten die Strecke und an der Spitze entwickelte sich ein Rennen, das bis wenige Kilometer vor dem Ziel nach Weltrekord aussah. Tigst Assefa lief beim BMW BERLIN-MARATHON 2026 in 2:11:04 Stunden zum dritten Mal zum Sieg und stellte dabei erneut einen Streckenrekord auf. Den Weltrekord von 2:09:56 Stunden verpasste die Äthiopierin allerdings. Bis Kilometer 40 war sie auf Kurs, dann geriet ihr Lauf wegen Problemen am rechten Bein aus dem Rhythmus.
Berlin erlebte damit einen Marathon, der sportlich wie kaum ein anderer von der Dynamik der letzten Kilometer geprägt war. Assefa hatte die zehn Kilometer nach 30:48 Minuten passiert, den Halbmarathon nach 1:04:57 Stunden und Kilometer 30 nach 1:32:19. Fünf Kilometer vor dem Ziel deutete alles auf eine Zeit unter 2:10 Stunden hin. Doch kurz vor dem Brandenburger Tor begann die bis dahin souveräne Läuferin sichtbar zu humpeln. Der Weltrekord war damit außer Reichweite. Ihr Vorsprung war dennoch groß genug, um den Sieg ungefährdet nach Hause zu bringen.
Für Assefa war es der dritte Erfolg in Berlin nach 2022 und 2023. Bereits 2023 hatte sie an gleicher Stelle mit 2:11:53 Stunden einen Weltrekord aufgestellt. Nun verbesserte sie ihren eigenen Berliner Streckenrekord erneut. Eine Besonderheit, die es beim BMW BERLIN-MARATHON in dieser Form zuvor noch nicht gegeben hatte. Nach dem Zieleinlauf wurde Assefa vorsichtshalber medizinisch untersucht und konnte deshalb weder an der Siegerehrung noch an der anschließenden Pressekonferenz teilnehmen.
Das Frauenrennen hatte bis dahin beinahe etwas Unwirkliches. Assefa passierte die fünf Kilometer nach 15:30 Minuten, die zehn Kilometer nach 30:48 und den Halbmarathon nach 1:04:57 Stunden. Auch bei Kilometer 30, den sie nach 1:32:19 Stunden erreichte, lag sie deutlich unter der erforderlichen Durchschnittsgeschwindigkeit für den Weltrekord. Fünf Kilometer vor dem Ziel deutete vieles sogar auf eine Zeit um 2:09:36 hin. Doch rund zwei Kilometer vor dem Ziel veränderte sich das Bild. Assefa lief unrund, begann zu humpeln und verlor auf dem letzten Abschnitt rund eineinhalb Minuten.
Für die 29-Jährige war es dennoch ein außergewöhnlicher Erfolg. Nach ihren Siegen 2022 und 2023 gewann sie den Berliner Marathon zum dritten Mal. 2023 hatte Assefa in Berlin mit 2:11:53 Stunden einen damaligen Weltrekord aufgestellt. Dass sie nun trotz der Probleme im Schlussabschnitt erneut einen Streckenrekord lief, macht ihren Auftritt zu einem der bemerkenswertesten Rennen in der Geschichte der Veranstaltung. Zur Siegerehrung und zur anschließenden Pressekonferenz konnte sie allerdings nicht mehr erscheinen. Sie wurde vorsichtshalber zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht.
Hinter ihr sorgten Bedatu Hirpa und Dera Dida für einen äthiopischen Doppelerfolg. Hirpa wurde in 2:16:53 Stunden Zweite, Dida folgte nur zwei Sekunden später. Für die Berliner Zuschauer war es damit ein weiteres Beispiel für die enorme Dichte, mit der die besten Marathonläuferinnen der Welt inzwischen antreten.
Auch bei den deutschen Läuferinnen schrieb Berlin seine eigene Geschichte. Anna Langerwisch vom Marathon Team Berlin lief in 2:27:31 Stunden auf Rang 16 und wurde überraschend schnellste Deutsche. Für die 25-Jährige war es die erste Zeit unter 2:30 Stunden. Ausgerechnet beim größten Marathon vor heimischer Kulisse gelang ihr damit der bislang wichtigste Leistungssprung ihrer Karriere.
Weniger glücklich verlief der Tag für Esther Pfeiffer. Die Düsseldorferin war angetreten, um den deutschen Rekord von Irina Mikitenko aus dem Jahr 2008 anzugreifen. Die damalige Siegerin war in Berlin 2:19:19 Stunden gelaufen. Pfeiffer schlug das entsprechende Tempo an, musste den Marathon aber bereits nach rund 14 Kilometern wegen körperlicher Probleme abbrechen.
Auch das Männer-Rennen wurde zu einer äthiopischen Angelegenheit. Guye Adola setzte sich in 2:02:50 Stunden durch und feierte damit nach 2021 seinen zweiten Sieg in Berlin. Gemechu Diriba wurde in 2:03:19 Stunden Zweiter, Gabriel Geay aus Tansania kam nach 2:03:59 ins Ziel. Adola verbesserte dabei seine neun Jahre alte persönliche Bestzeit von 2:03:46 Stunden, die er ebenfalls in Berlin aufgestellt hatte.
Schnellster Deutscher war Haftom Welday. Der 36-Jährige erreichte das Brandenburger Tor nach 2:08:25 Stunden und belegte Platz 16. Nach zwei vorzeitigen Aufgaben in Berlin in den vergangenen Jahren war das für ihn zugleich ein persönlicher Erfolg. Aaron Bienenfeld lief 2:09:18 Stunden, Sebastian Hendel kam nach 2:09:50 ins Ziel.
Doch der BMW BERLIN-MARATHON ist längst mehr als ein Rennen der Elite. Die gesamte Stadt wird an diesem Tag zur Laufstrecke. Straßen, Plätze und Kieze verwandeln sich in Zuschauerzonen, während Läuferinnen und Läufer aus aller Welt durch Berlin ziehen. Auch prominente Teilnehmer waren dabei: Der frühere Triathlon-Weltmeister Jan Frodeno war mit 2:23:33 Stunden der schnellste unter ihnen. TV-Moderator Kai Pflaume kam nach 3:32:33 Stunden ins Ziel, Luisa Neubauer nach 4:03:18 und der frühere Radprofi Rick Zabel nach 4:05:38 Stunden.
So blieb am Ende ein Berliner Marathon mit mehreren Geschichten zugleich: ein äthiopischer Doppelsieg bei den Männern, ein Streckenrekord bei den Frauen, eine überraschende deutsche Spitzenläuferin und ein Weltrekordversuch, der erst kurz vor dem Brandenburger Tor zerbrach. Für Berlin war es einmal mehr ein Sonntag, an dem der Marathon nicht nur auf der Straße stattfand, sondern die ganze Stadt erfasste.
