Sommerfest der Berliner Maler und Lackierer: Handwerk zwischen Tradition und Nachwuchs
Beim Sommerfest der Maler- und Lackiererinnung Berlin kamen Vertreter des Berliner Handwerks, befreundeter Innungen sowie zahlreiche Gäste aus der Industrie zusammen. Im Mittelpunkt des Abends standen weniger formelle Beschlüsse als der persönliche Austausch: über die Zukunft des Gewerks, die Ausbildung des Nachwuchses, technische Entwicklungen und die Frage, wie sich ein traditionsreiches Handwerk für die kommenden Jahre aufstellen kann.
Die Maler- und Lackiererinnung Berlin, Farbe Gestaltung Bautenschutz, vertritt die Interessen des Berliner Malerhandwerks bereits seit 1846. Neben Malern und Lackierern gehören auch die Fachgruppen Werbetechnik und Fahrzeuglackierer zu ihrer Struktur. Die Innung versteht sich dabei nicht nur als Interessenvertretung, sondern auch als Ansprechpartnerin für Ausbildung, technische und rechtliche Fragen sowie für die berufliche Weiterbildung.
Obermeister Wolfgang Lüttgens begrüßte die Gäste und betonte in seiner Ansprache die Bedeutung des persönlichen Austauschs zwischen Handwerksbetrieben und Industrie. Gerade außerhalb des Tagesgeschäfts, so der Tenor des Abends, entstehe Raum für Gespräche, die im Arbeitsalltag häufig zu kurz kommen. Lüttgens verwies zugleich auf die anstehende Frage des Generationenwechsels. Mit Blick auf seine eigene berufliche Zukunft und die Altersstruktur im Handwerk sprach er sich dafür aus, jüngeren Kräften mehr Verantwortung zu übertragen und ihnen die Möglichkeit zu geben, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln.
Auch die Anwesenheit von Vertretern der Industrie wurde ausdrücklich gewürdigt. Für ein Gewerbe, das stark von Materialien, Beschichtungssystemen, Werkzeugen und technischen Verfahren abhängt, ist die Verbindung zwischen ausführenden Betrieben und Herstellern von erheblicher Bedeutung. Das gilt insbesondere in einer Zeit, in der sich Anforderungen an Energieeffizienz, Oberflächen, Fassadenschutz und Verarbeitungstechniken verändern.
Der stellvertretende Obermeister Peter Kohls griff in seiner Ansprache ebenfalls die Bedeutung der Zusammenarbeit auf. Ein wiederkehrendes Thema war dabei die Ausbildung. Die Innung begleitet den beruflichen Weg vom Einstieg bis zur Abschlussprüfung und bietet darüber hinaus überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, Prüfungsvorbereitung und weitere Bildungsangebote an. Gerade für ein Handwerk, dessen Qualität wesentlich von praktischer Erfahrung und fachlicher Präzision abhängt, bleibt die Ausbildung damit eine zentrale Zukunftsfrage.
Beim Sommerfest wurde zugleich deutlich, dass Nachwuchsförderung nicht allein eine Frage von Ausbildungsplätzen ist. Entscheidend ist auch, ob junge Handwerker nach der Ausbildung Perspektiven im Beruf erkennen. Die Innung versucht deshalb, den Austausch zwischen Auszubildenden, Meistern und Betrieben zu stärken. Auf ihrer Website verweist sie unter anderem auf Ausbildungsangebote, ÜLU-Termine, Prüfungen, Förderunterricht und Treffen für Jungmeister.
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends lag auf der Anerkennung langjähriger Arbeit. Mitarbeiter und Wegbegleiter wurden für ihre teilweise jahrzehntelange Tätigkeit gewürdigt. Solche Ehrungen haben im Handwerk eine besondere Bedeutung: Erfahrung lässt sich nur begrenzt durch technische Neuerungen ersetzen. Gerade bei anspruchsvollen Arbeiten an Fassaden, historischen Gebäuden oder im Bautenschutz entscheidet häufig die Verbindung aus Materialkenntnis, handwerklicher Erfahrung und sorgfältiger Ausführung über die Qualität eines Ergebnisses.
Dass dabei auch der Denkmalschutz zur Sprache kam, passt zum Aufgabenfeld des Berliner Maler- und Lackiererhandwerks. Historische Gebäude verlangen häufig einen anderen Umgang mit Farben, Untergründen und Beschichtungen als moderne Neubauten. Die richtige Farbgebung ist dabei nicht allein eine gestalterische Frage, sondern kann Teil eines denkmalpflegerischen Gesamtkonzepts sein.
Der Abend hatte damit eine durchaus grundsätzliche Dimension. Das Maler- und Lackiererhandwerk steht zwischen handwerklicher Tradition und einer Branche, die sich technisch verändert. Digitalisierung, neue Materialien, veränderte energetische Anforderungen und der Fachkräftebedarf stellen die Betriebe vor neue Aufgaben. Gleichzeitig bleibt der Kern des Berufs erstaunlich konstant: Oberflächen müssen beurteilt, Untergründe vorbereitet, Materialien fachgerecht verarbeitet und gestalterische wie technische Anforderungen miteinander verbunden werden.
Die Berliner Innung setzt dabei auf eine Mischung aus Interessenvertretung, Weiterbildung und fachlicher Beratung. Zur Struktur gehören unter anderem Ausschüsse für Bildung, Öffentlichkeitsarbeit, Sozial- und Tarifpolitik, Technik, Werkstoffe und Umwelt sowie Wirtschaft. Auch die technische Beratungsstelle ist seit vielen Jahren Bestandteil des Serviceangebots für die Innungsbetriebe.
Das Sommerfest zeigte deshalb vor allem eines: Handwerkliche Gemeinschaft ist mehr als ein gesellschaftlicher Anlass. Sie schafft Räume für Erfahrungsaustausch, für die Suche nach Lösungen und für Gespräche zwischen Generationen. Zwischen Meistern, Nachwuchskräften, Industriepartnern und befreundeten Innungen ging es an diesem Abend nicht nur um Farbe und Lack, sondern um die Frage, wie ein traditionsreiches Berliner Gewerbe seine Zukunft organisiert. Der informelle Charakter des Festes war dabei kein Gegensatz zur fachlichen Arbeit, sondern ihre Ergänzung.
