Berlin läuft: Der BMW BERLIN-MARATHON 2026 verspricht Rekordjagd und offene Rennen
Berlin steht an diesem Wochenende wieder im Zeichen des Laufsports. Mehr als 84.000 Menschen aus 162 Nationen werden bei den verschiedenen Wettbewerben des BMW BERLIN-MARATHON erwartet, allein für den Marathon am Sonntag haben sich mehr als 56.000 Läuferinnen und Läufer angemeldet. Damit erreicht die Veranstaltung eine neue Größenordnung. Sportlich richtet sich der Blick vor allem auf die Frauen: Tigst Assefa will auf jener Strecke, auf der sie 2023 Weltrekord lief, erneut die globale Bestmarke angreifen. Bei den Männern ist das Rennen dagegen so offen wie selten zuvor.
Assefa kommt mit einer besonderen Beziehung nach Berlin. 2023 lief die Äthiopierin hier 2:11:53 Stunden und verbesserte damit den damaligen Weltrekord deutlich. Inzwischen liegt die Weltbestmarke bei 2:09:56. Die 29-Jährige hat sich deshalb ein anspruchsvolles Ziel gesetzt: Sie möchte die Marke von 2:10 Stunden unterbieten und den Weltrekord zurück nach Berlin holen. Ihren eigenen Berliner Streckenrekord hält sie weiterhin. Ob sie tatsächlich ein Tempo anschlagen kann, das für eine Zeit unter 2:10 reicht, wird zu den zentralen Fragen des Rennens gehören.
Die Konkurrenz ist allerdings stark. Titelverteidigerin Rosemary Wanjiru geht mit einer Bestzeit von 2:16:14 an den Start und zielt eher auf eine Zeit unter 2:15 Stunden. Auch die Äthiopierinnen Bedatu Hirpa, Dera Dida und Zeineba Yimer bringen Bestzeiten im Bereich von 2:18 Stunden mit. Noch größer ist die Dichte dahinter: Sieben Läuferinnen der Startliste sind bereits unter 2:20 Stunden geblieben, 13 unter 2:22. Für Berlin ist das eine außergewöhnliche Konzentration von Spitzenathletinnen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem Esther Pfeiffer. Die Düsseldorferin will nicht nur eine persönliche Bestzeit laufen, sondern den deutschen Rekord angreifen. Die Bestmarke von Irina Mikitenko aus dem Jahr 2008 steht bei 2:19:19 Stunden. Pfeiffer hat bislang erst einen Marathon absolviert, sich zuletzt aber über kürzere Distanzen erheblich gesteigert. Ihr Vorhaben macht den Berliner Marathon auch aus deutscher Sicht zu einem Rennen mit hoher Spannung.
Bei den Männern fehlt der prominenteste Name. Weltrekordler und Titelverteidiger Sabastian Sawe musste seinen Start wegen einer Verletzung absagen. Sawe, der im Frühjahr mit 1:59:30 Stunden als erster Läufer einen offiziellen Marathon unter zwei Stunden absolvierte, wird dennoch in Berlin erwartet. Seine Absage verändert die Ausgangslage erheblich. Das Rennen um den Sieg ist offen, zugleich bleibt Berlin ein Ort für außergewöhnlich schnelle Zeiten.
Der Streckenrekord von Eliud Kipchoge aus dem Jahr 2022 liegt bei 2:01:09 Stunden. Nach Einschätzung von Race-Direktor Mark Milde könnte diese Marke trotz des Fehlens von Sawe zumindest ins Visier geraten. Gabriel Geay führt das Feld mit einer persönlichen Bestzeit von 2:03:00 an. Der Tansanier gehört damit zur internationalen Marathonspitze. Hinzu kommen starke Äthiopier wie Guye Adola, Getaneh Molla und Shura Kitata. Adola kennt Berlin besonders gut: Er gewann das Rennen 2021 und erzielte dort bereits 2017 eine Weltklassezeit von 2:03:46.
Auch Japan spielt in diesem Rennen eine wichtige Rolle. Gleich elf japanische Läufer stehen auf der Startliste, viele mit Bestzeiten zwischen 2:06 und 2:08 Stunden. Für sie bietet Berlin die Möglichkeit, den nationalen Rekord von 2:04:55 anzugreifen. Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick unter anderem auf Sebastian Hendel, Haftom Welday und Aaron Bienenfeld. Bienenfeld lief bei seinem Marathon-Debüt in Hamburg 2:08:47 und hat damit bereits bei seinem ersten Versuch Maßstäbe gesetzt. Hendel und Welday wollen ebenfalls in den Bereich ihrer persönlichen Bestzeiten zurückkehren beziehungsweise diese verbessern.
Während der Marathon am Sonntag den Mittelpunkt bildet, hat das Berliner Rennwochenende längst begonnen. Am Samstag standen unter anderem der GENERALI 5K, Nachwuchswettbewerbe und die Inlineskater auf dem Programm. Besonders im Blick: Bart Swings. Der Belgier wollte in Berlin seinen zehnten Sieg feiern und zugleich seinen eigenen Streckenrekord von 56:49 Minuten angreifen. Rund 2.000 Skater gingen über die 42,195 Kilometer an den Start. Swings bezeichnet das Berliner Rennen als eines der bedeutendsten Wettbewerbe des Jahres und kündigte an, bei entsprechender Rennsituation früh auf Ausreißversuche zu setzen.
Auch die Wettbewerbe der Rennrollstuhlfahrer und Handbiker gehören längst zum sportlichen Kern des Wochenendes. Der Schweizer Marcel Hug konnte den Marathon in Berlin bereits zehnmal gewinnen und strebt seinen nächsten Erfolg an. Bei den Frauen treffen mit Manuela Schär und Catherine Debrunner zwei Athletinnen aufeinander, die das Rennen in den vergangenen Jahren geprägt haben. Bei den Handbikern gehören unter anderem Heinz Frei und Michael Jörgensen zum internationalen Spitzenfeld.
Der Marathon selbst beginnt am Sonntag früher als im vergangenen Jahr. Die ersten Läuferinnen und Läufer starten um 8.45 Uhr. Damit reagiert der Veranstalter auf die ungewöhnlich hohen Temperaturen, die den Wettbewerb 2025 geprägt hatten. Für dieses Jahr werden zum Start rund 13 Grad erwartet, im Verlauf des Tages können die Temperaturen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bis auf etwa 22 Grad steigen. Zusätzliche Cooling Stations entlang der Strecke sollen den Läuferinnen und Läufern Möglichkeiten zur Abkühlung bieten.
Der Berliner Marathon ist dabei längst mehr als ein Eliterennen. Die Dimensionen der Veranstaltung machen ihn zu einem städtischen Großereignis. Die Strecke führt durch zahlreiche Bezirke und vorbei an einigen der bekanntesten Orte der Hauptstadt, bevor die Läuferinnen und Läufer durch das Brandenburger Tor ins Ziel kommen. Entlang der Strecke werden wieder zahlreiche Zuschauer erwartet. Für viele Teilnehmer dürfte der eigene Zieleinlauf wichtiger sein als jede Zeit auf der Uhr.
Eine weitere Entwicklung zeigt sich im wachsenden Anteil der Frauen. 36,2 Prozent der Startenden beim Marathon sind in diesem Jahr Frauen, bei den 26- bis 30-Jährigen liegt der Anteil bereits bei 40,2 Prozent. Beim Panel „FUTURE OF WOMEN* WHO RUN“ wurde deshalb über Sichtbarkeit, Sicherheit und Chancengleichheit im Laufsport diskutiert. Dabei ging es nicht nur um den Spitzensport, sondern auch um Trainingsbedingungen, medizinische Forschung und die Frage, wie Frauen und Mädchen dauerhaft bessere Möglichkeiten im Laufsport erhalten können.
So verbindet der BMW BERLIN-MARATHON auch 2026 zwei sehr unterschiedliche Seiten des Laufsports. Auf der einen Seite stehen Weltklasseathletinnen und Weltklasseathleten, die um Sekunden und Rekorde kämpfen. Auf der anderen Seite stehen zehntausende Menschen, für die 42,195 Kilometer vor allem eine persönliche Herausforderung sind. Genau diese Mischung macht das Berliner Wochenende aus. Am Sonntag wird sich zeigen, ob Assefa die Weltrekordjagd tatsächlich bis zum Brandenburger Tor tragen kann, ob bei den Männern der Streckenrekord von Kipchoge fällt und wer am Ende die offenen Rennen für sich entscheidet. Sicher ist nur: Berlin wird für einige Stunden wieder zu einer der großen Bühnen des internationalen Laufsports.
