IFA 2026: Wenn Hausgeräte anfangen mitzudenken
Was ein gutes Hausgerät im Alltag leistet, ist häufig gerade das, was man nicht sieht. Sensoren, Steuerungselektronik, Materialien und Mechanik arbeiten im Hintergrund, während für den Nutzer möglichst wenig davon übrig bleiben soll. Auf der IFA 2026 in Berlin wird deutlich, wie stark sich dieser Anspruch inzwischen verändert hat. Hausgeräte werden nicht nur leistungsfähiger, sondern zunehmend vernetzt, lernfähig und auf individuelle Gewohnheiten ausgerichtet. Bosch und Siemens, die zur BSH Hausgeräte Gruppe gehören, zeigen dabei zwei unterschiedliche Ausprägungen derselben Entwicklung: Technik soll komplexer werden, ohne den Alltag komplizierter zu machen.
Bei Bosch steht diese Idee unter anderem in der „Factory of Quality“ im Mittelpunkt. Die Marke präsentiert dort neue Geräte für Küche, Reinigung und Wäschepflege, ergänzt um Lösungen für Smart Home, Heizung und Klimatisierung. Der Anspruch ist bemerkenswert traditionell: Qualität soll sich nicht allein über technische Daten erklären, sondern über die Frage, ob ein Gerät im Alltag tatsächlich Arbeit abnimmt. Zugleich hält künstliche Intelligenz Einzug in immer mehr Bereiche. Bosch verweist etwa auf vernetzte Systeme, bei denen Geräte, Sensoren und digitale Dienste zusammenarbeiten. Die Kontrolle soll dabei beim Menschen bleiben. Das ist eine wichtige Unterscheidung in einer Branche, in der Automatisierung zunehmend zum Verkaufsargument wird.
Wie diese Entwicklung im Kleinen aussieht, lässt sich an der Küche beobachten. Bosch erweitert sein Air-Fryer-Programm um mehrere Modelle. Die Serie 2 richtet sich mit einem Fassungsvermögen von vier Litern an kleinere Küchen, während der Double Stack zwei übereinander angeordnete Schubladen und insgesamt zwölf Liter Volumen bietet. Daneben stehen Modelle mit zwei getrennten Schubladen oder einer zehn Liter großen Schublade, die sich in zwei Kochzonen aufteilen lässt. Die technische Entwicklung folgt damit weniger einem einzelnen Trend als einer Veränderung der Haushaltsorganisation: Unterschiedliche Speisen sollen möglichst gleichzeitig und mit unterschiedlichen Einstellungen zubereitet werden können.
Auch beim Kaffee verschiebt sich die Grenze zwischen klassischem Haushaltsgerät und digitalem Assistenten. Mit der HomeCafé Serie 4 bringt Bosch eine halbautomatische Siebträgermaschine mit integriertem Mahlwerk, verschiedenen Mahlgraden und Dosiermöglichkeiten. Siemens geht beim neuen EQ600 iAroma noch einen Schritt weiter. Der Kaffeevollautomat integriert generative KI und soll über Alexa+ natürliche Sprachinteraktionen ermöglichen. Nutzer können ihre Wünsche damit nicht mehr ausschließlich über festgelegte Befehle formulieren. Das Gerät soll Gewohnheiten erkennen und sich an persönliche Vorlieben anpassen. Siemens kündigt zudem an, Alexa+ über Updates auch für bestehende Geräte verfügbar zu machen und die Technologie auf weitere Produktkategorien auszudehnen.
Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Backofen. Der neue Siemens iQ700 kann nach Unternehmensangaben mehr als hundert Gerichte automatisch erkennen und daraus passende Einstellungen ableiten. Neu ist die Möglichkeit, eigene Lieblingsrezepte zu speichern. Damit wird aus einer ursprünglich fest programmierten Automatisierung ein System, das zumindest in begrenztem Umfang persönliche Routinen berücksichtigt. Die Idee dahinter ist weniger spektakulär, als es die Rede von künstlicher Intelligenz vermuten lässt: Der Nutzer soll nicht jedes Mal Temperatur, Heizart und Garzeit bestimmen müssen. Die Maschine übernimmt einen Teil der Entscheidung, während die Auswahl des Gerichts und die grundsätzliche Kontrolle beim Menschen bleiben.
Ein ähnliches Prinzip findet sich bei der Wäschepflege. Siemens präsentiert erstmals einen iQ700 Waschtrockner mit Wärmepumpentechnologie. Das Gerät verbindet eine Waschmaschine mit elf Kilogramm Fassungsvermögen und einen Trockner mit sechs Kilogramm in einem Standardformat. Nach Herstellerangaben erreicht das Modell beim kombinierten Wasch-Trocken-Zyklus die Energieeffizienzklasse A und liegt beim reinen Waschen 20 Prozent unter dem Grenzwert für die Klasse A. Funktionen wie automatische Dosierung und eine optimierte Reinigung sollen die Zahl der manuellen Eingriffe reduzieren. Die neue Siemens iconicEdition setzt daneben stärker auf Gestaltung: Waschmaschinen und Trockner erhalten eine hochglänzend schwarze, glasähnliche Oberfläche und eine reduzierte Bedienoberfläche.
Bei Bosch wird die Wärmepumpentechnik ebenfalls zu einem zentralen Thema. Der neue Waschtrockner der Serie 8 soll gegenüber herkömmlichen Geräten mit Kondensationstrocknung bis zu 20 Liter Wasser und 55 Prozent Energie einsparen. Hinzu kommen eine Wärmepumpentechnik und ein selbstreinigender Kondensator. Die Entwicklung zeigt, dass Energieeffizienz bei Hausgeräten inzwischen nicht mehr allein über eine bessere Dämmung oder sparsamere Motoren erreicht wird. Entscheidend ist zunehmend das Zusammenspiel mehrerer Komponenten und eine präzise Steuerung des gesamten Prozesses.
Dasselbe gilt für die Kühlung. Siemens zeigt einen neuen freistehenden eintürigen Kühlschrank mit 402 Litern Nutzinhalt bei unveränderten Außenmaßen. Das entspricht nach Unternehmensangaben 15 Prozent mehr Innenvolumen als beim Vorgängermodell. Das Frischesystem hyperFresh 0°C soll Obst und Gemüse bis zu 14 Tage länger frisch halten. Bosch verfolgt mit einem neuen freistehenden Gefrierschrank einen ähnlichen Ansatz bei der Raumnutzung. Das Flex-Door-Konzept macht die Tür selbst zu einem variabel nutzbaren Stauraum. Solche Entwicklungen wirken auf den ersten Blick unspektakulär. Gerade darin liegt ihre Bedeutung: Innovation im Haushalt besteht nicht zwangsläufig aus einer auffälligen neuen Funktion, sondern häufig aus einigen zusätzlichen Litern, einer besseren Temperaturführung oder einer Mechanik, die eine bislang umständliche Nutzung vereinfacht.
Die Digitalisierung reicht inzwischen zudem über die klassischen Hausgeräte hinaus. Bosch verbindet Wärmepumpen mit Smart-Home-Thermostaten, sodass die Wärmeerzeugung stärker am tatsächlichen Bedarf einzelner Räume ausgerichtet werden kann. Nach Angaben des Unternehmens sind weltweit bereits mehr als zwei Millionen vernetzbare Produkte der Bosch Home Comfort Group im Einsatz. Zugleich werden KI-Anwendungen für Fachhandwerker entwickelt, etwa zur Unterstützung bei Planung, Installation, Wartung und Systemintegration.
Damit verändert sich auch das Verständnis vom Hausgerät. Kühlschrank, Backofen, Waschmaschine oder Wärmepumpe werden zunehmend zu Bestandteilen eines technischen Systems, in dem Daten, Sensoren und Software miteinander verbunden sind. Die IFA zeigt deshalb weniger eine einzelne große Revolution als eine schrittweise Verschiebung. Die Geräte übernehmen immer mehr Routineaufgaben, lernen bestimmte Vorlieben kennen und können untereinander beziehungsweise mit anderen Komponenten kommunizieren. Gleichzeitig bleibt eine entscheidende Frage offen: Wie viel Automatisierung ist im Haushalt tatsächlich hilfreich, und wann wird sie selbst zur zusätzlichen Komplexität?
Bosch und Siemens versuchen darauf unterschiedliche Antworten zu geben. Bei Bosch steht die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems im Vordergrund, bei Siemens die Verbindung von Design, Individualisierung und intelligenter Technologie. Beide Marken zeigen jedoch, dass die Zukunft des Haushalts nicht allein aus leistungsfähigeren Geräten bestehen wird. Sie liegt in der Verbindung von Hardware, Software und menschlichen Gewohnheiten. Die IFA 2026 macht sichtbar, dass diese Entwicklung längst begonnen hat.
