BUNT. im IFA-Sommergarten: Wenn die Messe plötzlich tanzt
Am 3. September 2026 wirkte der IFA-Sommergarten für einige Stunden weniger wie ein Teil einer internationalen Technologiemesse und mehr wie ein großer Berliner Konzertplatz. Gegen 19 Uhr füllte sich das Gelände, die Gespräche wurden lauter, und vor der Bühne wartete ein Publikum, das an diesem Abend weniger wegen neuer Geräte oder künstlicher Intelligenz gekommen war. BUNT. stand auf dem Programm. Ich hatte den Eindruck, dass sich genau darin der Reiz dieses Abends zeigte: Zwischen Messehallen und Funkturm entstand für einige Stunden eine eigene kleine Welt.
BUNT. alias Levi Wijk brachte eine Musik mit, die sich nicht eindeutig in die Schublade elektronische Tanzmusik einordnen lässt. Seine Stücke verbinden elektronische Beats mit Pop, Folk-Elementen und eingängigen Melodien. Was auf Streamingplattformen leicht und beinahe selbstverständlich klingt, bekommt live eine andere Qualität. Der Bass ist körperlich spürbar, die Melodien werden größer, und das Publikum reagiert unmittelbar. Immer wieder richtete sich Wijk dem Publikum zu, suchte den direkten Kontakt und vermittelte weniger den Eindruck eines distanzierten DJs als den eines Musikers, der seinen Auftritt gemeinsam mit den Menschen vor der Bühne gestalten wollte.
Gerade diese Nähe war an diesem Abend auffällig. BUNT. hat sich in den vergangenen Jahren über Streamingplattformen ein internationales Publikum aufgebaut. Millionenfach gehörte Produktionen haben aus dem einstigen Duo ein erfolgreiches Soloprojekt gemacht. Auf der Bühne wird daraus allerdings keine reine Abfolge digital produzierter Tracks. Die Musik funktioniert vor allem über ihre Dynamik. Ruhigere Passagen wechseln mit Momenten, in denen der elektronische Rhythmus deutlich nach vorne tritt. Das Publikum nimmt diese Wechsel auf, tanzt, singt und lässt sich zunehmend vom Konzertgeschehen mitziehen.
Für die IFA war der Auftritt zugleich ein interessanter Kontrapunkt zum Messebetrieb. Tagsüber ging es auf dem Gelände um Fernseher, Smartphones, Haushaltsgeräte, Robotik und die wachsende Bedeutung künstlicher Intelligenz. Am Abend stand plötzlich die Musik im Mittelpunkt. Ganz fremd ist diese Verbindung allerdings nicht. Elektronische Musik ist selbst eng mit technologischer Entwicklung verbunden. Synthesizer, digitale Produktion, Sampling und später Streaming haben verändert, wie Musik entsteht, verbreitet und gehört wird. BUNT. verkörpert diese Entwicklung auf eine sehr zugängliche Weise.
Besonders passend war deshalb der Ort. Der IFA-Sommergarten liegt mitten auf dem Messegelände und bietet mit seiner Open-Air-Atmosphäre einen deutlichen Gegensatz zu den geschlossenen Messehallen. Während sich dort die Besucher durch Ausstellungen und Produktwelten bewegen, entsteht draußen eine wesentlich unmittelbarere Atmosphäre. An diesem Abend standen keine technischen Datenblätter und Produktneuheiten im Mittelpunkt, sondern Rhythmus, Licht und das gemeinsame Erlebnis eines Konzerts.
Für mich war genau dieser Wechsel der interessanteste Teil des Abends. Die IFA, die sonst vor allem für Technologie und Innovation steht, zeigte sich für einige Stunden von einer kulturellen Seite. BUNT. passte mit seinem elektronischen Sound erstaunlich gut in dieses Umfeld. Sein Berliner Auftritt war zugleich der Abschluss der „In the Round Open Air 2026“-Tour. So endete der Konzertabend nicht irgendwo in einer Berliner Konzerthalle, sondern unter freiem Himmel auf dem Messegelände. Als die Musik verklang und sich das Publikum langsam aus dem Sommergarten bewegte, blieb vor allem der Eindruck eines ungewöhnlichen Zusammenspiels: Technologie im Hintergrund, elektronische Musik im Vordergrund und dazwischen ein Berliner Spätsommerabend, der mit einer klassischen Messeveranstaltung nur noch wenig gemeinsam hatte.
