Beim Deutschen Brauertag in Berlin hat der Deutsche Brauer-Bund (DBB) Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zum „Botschafter des Bieres 2026“ ernannt. Mit der Auszeichnung würdigt der Verband Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in besonderer Weise für Handwerk, Mittelstand und die Brauwirtschaft einsetzen. Rund 400 Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden nahmen an dem Branchentreffen teil. Die Laudatio hielt die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, die den Ehrentitel im vergangenen Jahr erhalten hatte. Die Auszeichnung wird seit 2002 vergeben; zu den bisherigen Trägern zählen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel, Cem Özdemir und Winfried Kretschmann.

Bundeslandwirtschaftsminister Rainer nutzte die Ehrung, um die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der deutschen Brauwirtschaft hervorzuheben. Bier beginne nicht erst in der Brauerei, sondern auf den Feldern, auf denen Gerste und Hopfen angebaut würden. Landwirtschaft, Brauereien und Mälzereien bildeten gemeinsam eine Wertschöpfungskette, die viele ländliche Regionen präge und zahlreiche Arbeitsplätze sichere. Besonders die familiengeführten mittelständischen Betriebe stünden für regionale Identität, handwerkliche Qualität und langfristige Verantwortung.

Einen Schwerpunkt seiner Rede legte der Minister auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Deutsches Bier genieße weltweit einen hervorragenden Ruf, sagte Rainer. Nicht nur heimische Rohstoffe, sondern auch nach deutschem Reinheitsgebot gebraute Biere seien auf internationalen Märkten gefragt. Vor dem Hintergrund seiner jüngsten Reisen nach Japan und China verwies er auf die hohe Wertschätzung deutscher Braukunst im Ausland. Mit der Exportstrategie „Made in Germany“ wolle sein Ministerium Unternehmen beim Zugang zu neuen Märkten unterstützen, Handelshemmnisse abbauen und die Exportchancen der Ernährungswirtschaft verbessern. Damit solle Wertschöpfung im Inland gesichert und die wirtschaftliche Basis der mittelständischen Betriebe gestärkt werden.

Zugleich verband Rainer seine Botschaft mit klaren wirtschaftspolitischen Forderungen. Die Brauwirtschaft benötige verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und größere unternehmerische Freiräume. Gerade kleine und mittlere Brauereien stünden angesichts steigender Kosten und eines anspruchsvollen Marktumfelds unter erheblichem Druck. Die Politik müsse deshalb dafür sorgen, dass traditionelle Handwerksbetriebe auch künftig wettbewerbsfähig bleiben.

Der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, Christian Weber, bezeichnete Rainer als glaubwürdigen Fürsprecher des Lebensmittelhandwerks und des Mittelstands. Seine berufliche Herkunft als Metzgermeister sowie seine langjährige politische Arbeit für mittelständische Unternehmen hätten ihn zu einem überzeugenden Repräsentanten einer Branche gemacht, die für Qualität, Verantwortung und regionale Verwurzelung stehe.

Über die Personalie hinaus machte der Deutsche Brauertag deutlich, dass die Brauwirtschaft ihre Zukunft zunehmend in der Verbindung von Tradition und Innovation sieht. Neben der Ehrung des neuen Bierbotschafters wurden herausragende Brauereien, prämierte Biere, erfolgreiche Nachwuchskräfte, innovative Hopfenpflanzer sowie Deutschlands beste Hobbybrauer ausgezeichnet. Gleichzeitig gewinnt alkoholfreies Bier als Wachstumssegment weiter an Bedeutung. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes bleibt das Reinheitsgebot von 1516 ein zentrales Qualitätsmerkmal der deutschen Braukultur, während das handwerkliche Brauen seit 2020 zum immateriellen Kulturerbe zählt. In einem insgesamt rückläufigen Biermarkt setzt die Branche zunehmend auf hochwertige Spezialitäten, regionale Herkunft und den Ausbau internationaler Absatzmärkte.

Von admin