Am Abend des 13. Februar 2026 trifft sich die deutsche Drehbuchszene in Berlin zur Verleihung des Deutschen Drehbuchpreises – der renommierten Auszeichnung, die seit Jahrzehnten als zentrale nationale Würdigung für herausragende literarische Leistungen im Film gilt. Überreicht wird der Preis vom Staatsminister für Kultur und Medien, Dr. Wolfram Weimer, in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz, einem Ort, der während der Berlinale regelmäßig Begegnungsraum für Filmschaffende und Förderer ist.

Der Deutsche Drehbuchpreis unterscheidet sich in seinem Selbstverständnis und seiner Funktion bewusst von anderen Auszeichnungen der Branche: Er ist spezifisch auf das Schreiben ausgerichtet und honoriert das kreative Potenzial von Stoffen, die jenseits fertiger Produktionen stehen. Bereits die Nominierung ist mit einem Geldbetrag von 5 000 Euro dotiert; der eigentliche Preis in Gold ist mit 10 000 Euro ausgestattet, darüber hinaus können zusätzliche Fördermittel von bis zu 20 000 Euro für Projektentwicklung, künstlerische Weiterarbeit oder die Erstellung eines neuen Drehbuchs zur Verfügung gestellt werden.

Die diesjährige Auswahl, getroffen von einer unabhängigen Fachjury, spiegelt thematische Bandbreite und formale Vielfalt junger deutscher Drehbuchkunst wider. „Auf einmal drüben“ von Lena Liberta nähert sich dem historischen Moment des Mauerfalls von 1989 aus der Sicht eines zehnjährigen Mädchens und lotet die Ambivalenz von Euphorie und Verunsicherung im Prozess der Wiedervereinigung aus. Die kindliche Perspektive macht aus einem kollektiven Epochenereignis eine intime Erfahrung individueller Orientierungssuche.

Mit einem gänzlich anderen Tonfall setzt „Der zweite Stern von rechts“ von Markus Dietrich und David Ungureit Akzente im Kinder- und Familienfilmgenre: Ein zwölfjähriger Protagonist, der möglicherweise ein Außerirdischer ist, ringt mit Identität, Zugehörigkeit und den alltäglichen Herausforderungen von Freundschaft, Mobbing und erster Liebe. Die Verknüpfung von fantastischen Elementen und realen sozialen Themen zielt darauf ab, Erzähltraditionen des Genrekinos mit gegenwärtigen Fragen der Selbst- und Fremdwahrnehmung zu verbinden.

Ein weiterer Gegenentwurf findet sich in „Kaschiert“ von Claudia Schaefer, einem Stoff, der sich der Gewalt- und Geschlechterverhältnisse im Detail widmet. Die Protagonistin, verfolgt von einem Stalker und von Institutionen im Stich gelassen, nimmt eine männliche Identität an, um sich zu schützen. Diese narrative Entscheidung eröffnet ein Spiel mit Macht, Sichtbarkeit und sozialer Zuschreibung und verortet das Genre des Horrorfilms in einem analytischen Rahmen von gesellschaftlicher Relevanz.

Gewinnerin der Goldenen Lola ist die Autorin Lena Liberta. Sie wurde für ihr Drehbuch „Auf einmal drüben“ ausgezeichnet, das vom deutsch-deutschen Schicksalsmoment im November 1989 erzählt. Die Jury würdigte das Skript als Geschichte, die „von uns allen“ erzähle: von den großen historischen Umbrüchen und von den Menschen, „die gar nicht ahnen auf welchen Mauern ihr Leben erbaut ist“.
Staatsminister Wolfram Weimer: „Ein klug konzipiertes Drehbuch ist das Herzstück jeder erfolgreichen Filmproduktion. Erst entlang dieses Bauplans können Regisseure, Schauspieler und alle weiteren Gewerke einem Film Leben einhauchen. Entsprechend hoch ist die Wertschätzung der Bundesregierung für das Schreiben von Geschichten für die Kinoleinwand. Mit dem Deutschen Drehbuchpreis unterstreicht der Bund seit Jahrzehnten die fundamentale Bedeutung des Drehbuchschreibens für die Qualität des deutschen Kinofilms. Deshalb hat die Bundesregierung mit der Filmförderreform die Rahmenbedingungen insbesondere auch für die Drehbuchentwicklung wesentlich verbessert.“

In einem kulturellen Klima, in dem Förderpolitik und die strukturelle Unterstützung von Film- und Drehbuchschaffenden derzeit intensiv diskutiert werden – nicht zuletzt im Kontext eines Rekordkulturhaushalts und neu ausgerichteter Förderung durch das Bundesministerium für Kultur und Medien – fungiert der Deutsche Drehbuchpreis zugleich als sichtbarer Gradmesser für die Vitalität des literarischen Filmschaffens. Bundesweit setzen staatliche Institutionen auf quantitative und qualitative Stärkung von Kreativsektoren; die Drehbuchförderung spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie die Grundlage filmischen Schaffens bildet.

Die Verleihung des Preises ist ein Moment der Anerkennung, aber auch der Standortbestimmung: Welche Geschichten werden erzählt, welche Stimmen finden Gehör, und wie positioniert sich die deutschsprachige Filmschriftstellerkunst im Spannungsfeld zwischen kommerzieller Produktion und ästhetischer Innovation? Die Antworten auf diese Fragen werden am Abend des 13. Februar im Rahmen der Preisvergabe in Berlin sichtbar.

Von admin