Mit der Inbetriebnahme der neuen S-Bahn-Linie S15 hat Berlin am Montag ein lange erwartetes Infrastrukturprojekt in Betrieb genommen. Seit Jahren wurde über die zweite Nord-Süd-Verbindung der Berliner S-Bahn diskutiert, nun fährt erstmals eine reguläre Linie zwischen Gesundbrunnen, Wedding und dem Hauptbahnhof. Die neue Verbindung ist zwar nur wenige Kilometer lang, ihre Bedeutung für das Berliner Nahverkehrsnetz reicht jedoch weit über die derzeitige Strecke hinaus. Sie gilt als erster sichtbarer Abschnitt des Gesamtprojekts S21, das künftig eine zusätzliche Nord-Süd-Achse durch die Hauptstadt schaffen soll.

Kurz vor Mittag startete die erste Fahrt vom neuen unterirdischen S-Bahnsteig am Hauptbahnhof. Künftig verkehren die Züge im Zehn-Minuten-Takt. Die Fahrzeit zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof beträgt lediglich fünf Minuten. Für Pendlerinnen und Pendler aus den nördlichen Stadtteilen verkürzt sich damit der Weg zum wichtigsten Fernverkehrsknoten Berlins deutlich. Die Deutsche Bahn rechnet mit mehr als 40.000 Fahrgästen täglich. Beobachter gehen davon aus, dass die Nachfrage sogar höher ausfallen könnte, da die Verbindung zahlreiche Umwege über Friedrichstraße oder andere Umsteigepunkte überflüssig macht.

Bei der Eröffnung sprachen Vertreter von Bund, Land Berlin, Verkehrsverbund und Bahn von einem Meilenstein für die Hauptstadtregion. Tatsächlich schließt die neue Linie eine Lücke, die seit der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs im Jahr 2006 bestand. Obwohl der Bahnhof als zentrale Drehscheibe des deutschen Schienenverkehrs konzipiert wurde, fehlte bislang eine direkte Anbindung an das nördliche S-Bahn-Netz. Mit der S15 wird der Hauptbahnhof nun erstmals Teil einer eigenständigen Nord-Süd-Verbindung.

Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin: „Mit dem Start der S15 holen wir den Norden Berlins näher ans Zentrum. Die DB erwartet über 40.000 Fahrgäste täglich. Die neue S15 ist das Ergebnis einer guten Zusammenarbeit zwischen DB, dem Land Berlin und dem Bund. Wir treiben jetzt die weiteren Bauabschnitte voran.“

Stefan Schnorr, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr: „Mit der neuen S15 rückt Berlin ein Stück näher zusammen: Vom Hauptbahnhof geht es in nur fünf Minuten zum nördlichen S-Bahn-Ring. Das ist ein spürbarer Gewinn für Pendlerinnen und Pendler, für Reisende und für die gesamte Hauptstadtregion. Die Inbetriebnahme des ersten Abschnitts ist ein wichtiger Meilenstein – jetzt gilt es, die nächsten Bauabschnitte konsequent voranzubringen.“

Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt von Berlin: „Was wir heute eröffnen, ist weit mehr als rund vier Kilometer neue Strecke zwischen Gesundbrunnen und dem Hauptbahnhof – es ist ein weiterer Meilenstein für die Mobilität unserer Stadt. Mit diesem Projekt entsteht das neue Nord-Süd-Rückgrat der Berliner S-Bahn und endlich wird der Hauptbahnhof als zentraler Knoten vollständig ins Netz integriert. Berlin wächst hier zusammen.

Mein Dank gilt der Deutschen Bahn für die verlässliche Partnerschaft – gerade auch in herausfordernden Phasen. Dem Bund danke ich für die gemeinsame Finanzierung dieses Zukunftsprojekts. Und vor allem danke ich allen, die geplant, gebaut, geprüft und dieses Vorhaben mit Ausdauer möglich gemacht haben.“

Christoph Heuing, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg: „Wir freuen uns sehr, dass die S15 jetzt an den Start geht. Für die Fahrgäste bedeutet das eine spürbare Verbesserung: Zwischen Nordring und Hauptbahnhof gibt es nun eine umsteigefreie Verbindung. Zugleich zeigt sich, wie wichtig es ist, dass es jetzt zügig weitergeht mit dem Ausbau der zweiten Nord-Süd-Verbindung. Denn ihren vollen verkehrlichen Nutzen wird die Strecke erst mit den kommenden Ausbaustufen entfalten.“

Heiko Büttner, Chef der S-Bahn Berlin GmbH
: „Heute ist ein guter Tag für unsere Fahrgäste: Mit der neuen S15 gelangen sie im 10-Minutentakt von der Ringbahn zum Hauptbahnhof. Damit sparen sich täglich Zehntausende Fahrgäste lange Wege und Zeit im Alltag. Dafür danke ich allen Projektpartnern sowie unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“

Die Geschichte des Projekts ist allerdings auch eine Geschichte zahlreicher Verzögerungen. Ursprünglich sollte der erste Abschnitt bereits 2017 in Betrieb gehen. Schwierige Baugrundverhältnisse, die komplexe Trassenführung im dicht bebauten Stadtzentrum, Materialengpässe während der Pandemie und infolge des Ukraine-Krieges sowie langwierige Genehmigungs- und Prüfverfahren führten immer wieder zu Verschiebungen. Dass die Strecke nun eröffnet werden konnte, wurde von den Verantwortlichen daher auch als Erfolg eines langen planerischen und technischen Kraftakts gewertet.

Gleichzeitig machte die Deutsche Bahn deutlich, dass die jetzt eröffnete Verbindung lediglich ein Zwischenstand ist. Bereits für den zweiten Bauabschnitt wird noch in diesem Jahr der Planfeststellungsbeschluss erwartet. Die Strecke soll den Hauptbahnhof über einen Tunnel unter dem Regierungsviertel mit dem Potsdamer Platz verbinden. In einem weiteren Schritt ist die Verlängerung bis Yorckstraße und Großgörschenstraße vorgesehen. Am Gleisdreieck soll zudem ein neuer S-Bahnhof entstehen, der künftig zu einem der wichtigsten Umsteigepunkte zwischen S- und U-Bahn werden könnte. Nach Angaben der Projektverantwortlichen würden dadurch bis zu 300.000 Menschen entlang der neuen Achse von besseren Verbindungen profitieren.

Bund und Land sehen in dem Vorhaben ein Schlüsselprojekt für die Verkehrswende in der Hauptstadt. Allein für den ersten Abschnitt flossen nach Angaben des Bundes mehr als 200 Millionen Euro Fördermittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Auch die weiteren Bauphasen sollen überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Die politische Unterstützung gilt als gesichert. Gleichwohl wird die vollständige Fertigstellung der neuen Nord-Süd-Strecke noch viele Jahre in Anspruch nehmen. Realistisch erscheint eine Umsetzung erst in den 2030er- und teilweise sogar 2040er-Jahren.

Für die Fahrgäste beginnt die Zukunft des Projekts jedoch bereits heute. Die neue S15 ist die kürzeste Linie im Berliner S-Bahn-Netz, zugleich aber ein Symbol für die langfristige Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in der Hauptstadt. Nach Jahren des Wartens fährt nun erstmals eine direkte S-Bahn vom Nordring zum Hauptbahnhof. Für viele Berlinerinnen und Berliner bedeutet das vor allem eines: kürzere Wege, weniger Umstiege und einen weiteren Schritt hin zu einem leistungsfähigeren Nahverkehrssystem.

Von admin