Echoes of Empire – Erinnerung, Recht und künstlerische Deutung eines schwierigen Erbes

Im Spannungsfeld zwischen Erinnerungspolitik, Geschichtsbewusstsein und kultureller Verantwortung fand am 6. und 7. November in Berlin das internationale Symposium „Echoes of Empire“ statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kultur kamen zusammen, um die Nachwirkungen imperialer und totalitärer Vergangenheiten in Europa neu zu verhandeln – und um Formen eines gemeinsamen Erinnerns zu entwerfen, die jenseits nationaler Narrative wirken können.

Bereits die Begrüßung durch Seine Exzellenz Jan Tombielki, Botschafter der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland, setzte den Ton: Es gehe, so Tombielki, um das „Verstehen des Anderen in der Geschichte“ – ein Prozess, der Demut und intellektuelle Offenheit verlange.

Der Eröffnungsvortrag des Politikwissenschaftlers Dr. Artis Patiriks, Vorsitzender des Northern European Policy Center, zeichnete die Linien nach, die von kolonialen Grenzziehungen und Kriegen des 20. Jahrhunderts bis zu den heutigen Konflikten reichen. Erinnerung, so Patiriks, sei „kein Archiv, sondern ein Resonanzraum für politische Verantwortung“.


Erinnerung als Rechts- und Gesellschaftsfrage

Der zweite Konferenztag begann mit einem Impulsvortrag der Politikwissenschaftlerin Dr. Ana Milosevic (KU Leuven). Unter dem Titel „Denkmäler neu denken: Übergangsjustiz im öffentlichen Raum“ plädierte sie für eine juristisch und ästhetisch reflektierte Umgestaltung von Monumenten, die mehr verschweigen als erzählen.

Im Anschluss diskutierte das Panel „Rechtliche Rahmenbedingungen für die Arbeit mit komplexem Kulturerbe“, moderiert von Dr. Jörg Momé, Direktor des Museums Berlin-Karlshorst, über die praktischen und ethischen Spannungsfelder zwischen Denkmalschutz, kommunaler Verantwortung und öffentlicher Geschichtskultur. Unter den Referierenden: Petra Conrad (Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz), Oliver Igel (Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick), Dominik Tomenendal (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge), Bernt Roder (Museum Pankow).

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt lag auf der Politik und Erinnerungskultur. Dr. Kateryna Rietz-Rakul, Leiterin des Ukrainischen Instituts in Deutschland, führte durch ein Panel, das von Katrin Göring-Eckardt, MdB, Oleksii Makeiev, dem Botschafter der Ukraine, und erneut Dr. Artis Patiriks bestritten wurde. Sie diskutierten die Frage, inwiefern die politische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eine Voraussetzung für Stabilität in Europa sein kann – insbesondere in Zeiten erneuter Aggression gegen die Ukraine.


Geschichte, Narrative, Gegenwart

In weiteren Panels wurde die historische Tiefenschärfe des Symposiums deutlich: Prof. Dr. Andrii Portnov (Prisma Ukraina) und Dr. Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, beleuchteten in ihren Impulsvorträgen, wie fragile Narrative in der postsowjetischen Erinnerungspolitik wirken und wie sie durch Bildung und Forschung kritisch geöffnet werden können.

Das von Dr. Stefanie Eisenhuth (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) moderierte Panel „Historische Perspektiven zur Erinnerungspraxis“ brachte die Stimmen von Prof. Dr. Lada Grinchenko, Dr. Jörg Momé und Dr. Ewa Ochman zusammen. Gemeinsam zeichneten sie ein Bild der europäischen Erinnerung als dynamisches Feld, in dem sich Archiv und Alltag, Trauma und Stolz verschränken.

Am Nachmittag richtete sich der Blick auf die Instrumentalisierung von Erinnerung. Unter Leitung von Hanna Radziejowska, Beauftragte für den polnisch-deutschen Dialog am Pilecki-Institut, analysierten Dr. Solvijus Kulevičius, Tonia Kutscher, Dr. Ana Milosevic und Dr. Anna Kaminsky, wie Geschichtspolitik und Propaganda einander bedingen – und wie zivilgesellschaftliche Bildung dagegenhalten kann.


Kreative Praktiken des Erinnerns

Das abschließende Panel widmete sich der Kunst als Raum des Widerspruchs. Unter Moderation von Bettina Klein präsentierten Kateryna Filiuk, Linda Kaljundi, Illya Shupliak und Bartosz Szydłowski Beispiele aus kuratorischer und performativer Praxis, in denen Erinnerung nicht konserviert, sondern lebendig befragt wird.

Der abschließende Empfang bot Gelegenheit zu Begegnungen zwischen den Generationen und Disziplinen – ein informeller, aber produktiver Ausklang eines Symposiums, das dem Anspruch gerecht wurde, „Echoes of Empire“ nicht nur zu analysieren, sondern sie hörbar zu machen: als leise, widersprüchliche und stets gegenwärtige Töne im europäischen Gedächtnis.

Von admin