Es war einer dieser Abende, an denen alles zusammenpasst – Ort, Menschen, Aromen. Im schummrigen Licht der Cookies Cream Bar in Berlin-Mitte roch es nach geröstetem Holz, Vanille und karamellisierter Butter. Sam Doyle, Barchef des Hauses, stand hinter dem Tresen, als hätte er nie woanders hingehört. Neben ihm: Jan Forsberg, Maker’s Mark-Diplomat, der mit viel Leidenschaft und profunde Wissen durch die Verkostung führte. Es war die Berliner Premiere des „Cookies Cream x Maker’s Mark Private Select“ – ein Bourbon, der eigens für dieses Restaurant geschaffen wurde.

Ich hatte schon viele Pairings erlebt, aber selten eines, das so präzise gedacht war. Doyle erzählte, wie er im vergangenen Winter nach Kentucky gereist war, zur Star Hill Farm, wo Maker’s Mark seit den 1950er-Jahren seinen Bourbon herstellt. Dort durfte er ein eigenes Fass kreieren – zehn Holzdauben aus unterschiedlichen Eichenvarianten, jede mit anderer Röstaromatik, jede mit Einfluss auf Geschmack und Textur. Diese Dauben – im Fachjargon „staves“ genannt – bestimmen die Handschrift des Bourbons. Das Private-Select-Programm ist kein Marketing-Gag, sondern gelebte Handwerkskunst.

Das Ergebnis schmeckt tatsächlich so, wie Doyle es beschreibt: warm, würzig, leicht buttrig. Vanille im Auftakt, dann eine Spur Muskat, ein Hauch von karamellisiertem Zucker, schließlich ein kräftiger, beinahe rauchiger Abgang. Er wirkt rund und tief, nicht süß, sondern strukturiert. Forsberg, der seit Jahren mit Maker’s Mark arbeitet, sprach von einem „Bourbon mit Berliner Charakter“.

Zum Glas gab es kleine Gerichte aus der Küche: geröstete Pastinaken mit Haselnusscrème, ein Stück Sellerie in beurre noisette, dazu ein Dessert mit karamellisierter Butter und einer Prise Salz. Kein Gericht dominierte den Drink – alles war fein austariert. Das Pairing wirkte nicht inszeniert, sondern selbstverständlich. Man spürte, dass Küche und Bar hier nicht nebeneinander, sondern miteinander denken.

Im Gespräch nach der Verkostung erzählte Doyle, dass er lange nach einer Spirituose gesucht habe, die die Sprache des Restaurants spricht. „Wir wollten keinen weiteren Signature-Cocktail, sondern ein Produkt, das unsere Haltung übersetzt – präzise, kompromisslos, mit Charakter.“ Diese Haltung zieht sich durch das ganze Haus. Das Cookies Cream war schon immer ein Labor für neue gastronomische Formen, jetzt erweitert es dieses Konzept um ein eigenes Destillat.

Interessant ist, wie selbstverständlich sich der Bourbon in das vegetarische Menü einfügt. Traditionell gilt Whiskey als Begleiter kräftiger Fleischgerichte, doch hier trifft er auf Wurzelgemüse, Nüsse und karamellisierte Butter – und wirkt darin fast eleganter. Das zeigt, wie weit Foodpairing inzwischen gedacht werden kann. Die warme Tiefe des Bourbons spiegelt die Röstaromen der Küche, die feine Süße kontrastiert bittere Noten, die Holzstruktur greift Fett und Umami auf.

Am Ende des Abends blieb der Eindruck eines ungewöhnlich stimmigen Konzepts. Ein handverlesener Bourbon, ein Menü, das seine Sprache versteht, und ein Team, das nicht in Kategorien von Bar und Küche denkt, sondern in Aromen, Texturen, Temperaturverläufen. In einer Stadt, in der Kooperationen oft laut angekündigt und schnell vergessen sind, ist diese leise, handwerkliche Zusammenarbeit bemerkenswert.

Der „Cookies Cream x Maker’s Mark Private Select“ ist keine bloße Sonderabfüllung, sondern ein Stück gelebter Gastronomiekultur – und ein Beweis dafür, dass Berlin längst auf Augenhöhe mit den internationalen Fine-Dining-Metropolen agiert. Wer den Bourbon probiert, schmeckt mehr als Alkohol: Er schmeckt eine Idee, die in Kentucky begann und in der Friedrichstraße ihr Zuhause gefunden hat.

Von admin