Berliner Business Angels Award 2025 – Entscheidungen, Wirkung, Chance für die Hauptstadt
Am 30. Oktober 2025 zeichnete der Business Angels Club Berlin‑Brandenburg e. V. (BACB) im Rahmen seiner Herbst-Gala in der Villa der Weberbank Aktiengesellschaft zwei zentrale Akteur:innen des Berliner Start-up-Ökosystems aus. Gewürdigt wurden Dr. Leonore Strasser und Dr. Oliver Kranz als „Berliner Business Angels des Jahres 2025“. Ergänzt wurde die Auszeichnung durch einen Sonderpreis für Daniel Naber, vornehmlich für herausragendes Engagement innerhalb des Vereins.
Auszeichnung mit Signalwirkung
Die Wahl von Strasser und Kranz reiht sich in eine wachsende Anerkennung der Rolle von Business Angels im Frühphasen-Finanzierungsnetzwerk ein. Im Voting, bei dem Angels-Mitglieder und Start-ups ihre Stimmen abgaben, setzte sich das Duo gegen vier weitere Finalist:innen durch. Laut BACB steht im Vordergrund nicht allein das investierte Kapital, sondern insbesondere der strategische Mehrwert – gebündelte Expertise, Netzwerk sowie operatives Mentoring („zweiter Flügel“) in zurückliegenden Unternehmensphasen.
Strasser, Fachärztin für Labormedizin und aktiv im Bereich MedTech-Investments, formulierte das Motiv ihrer Beteiligung so: Es gehe „nicht nur um Technologie, sondern um Menschen“, insbesondere Gründer:innen, die „echte medizinische Probleme lösen wollen – bevor die Daten perfekt sind“. Kranz, mit eigener Gründer- und Exit-Erfahrung, bezeichnete das Netzwerk als „Schwarmintelligenz“, die das Fundament des Angel-Engagements bilde.
Politische Gäste betonten Standortrelevanz
Mitreden konnten auch politische Vertreter: Finanzsenator und Bürgermeister Stefan Evers unterstrich die Bedeutung von Rahmenbedingungen und sagte: „Wir als Land Berlin müssen Dinge möglich machen – so wie Business Angels für die Start-ups Dinge möglich machen. … wenn wir das gemeinsam gut machen, dann zählen wir als Stadt zu den Gewinnern.“ Der frühere Regierende Bürgermeister Michael Müller ergänzte, Gründer:innen bräuchten oft nicht primär Förderung, sondern ein Umfeld, in dem Wachstum gedeiht: „Engagement, Mut und Tatendrang – so wie es die Start-ups und Business Angels hier zeigen.“
Solche Äußerungen verdeutlichen die Sichtweise: Angels sind nicht nur Kapitalgeber, sondern haben Standort- und Netzwerkfunktion. Berlin positioniere sich damit nicht nur als Gründerstadt, sondern als investorenfreundlicher Ökosystem-Standort im Wettbewerb mit inländischen und europäischen Metropolen.
Netzwerk und Wirkung im Fokus
Seit Jahren verfolgt der BACB eine Aktivitätsstrategie, die über reine Beteiligung hinausgeht. So betreut der Club laut eigener Darstellung Start-ups der Früh- und Seed-Phase mit Kapital, Know-how und Kontakten – rund 150 Gründungsteams jährlich, über 50 Angels im Einsatz. Dass nun mit einem Award-Format aktiv Sichtbarkeit geschaffen wird unterstreicht den Anspruch, die Rolle von Angel-Investitionen stärker zu professionalisieren und zu institutionalisieren.
Auf der Gala betonte der stellvertretende Direktor Privatkunden der Weberbank, Matheo Sohns, dass „ortsbildende Netzwerke“ wichtig seien: Eine Bank könne Räume schaffen, in denen Ideen, Kapital und Unternehmergeist zusammenfänden – damit Gründer:innen und Angels sich auf unternehmerisches Handeln konzentrieren könnten.
Bedeutungs- und Handlungsschwerpunkte
Für Fach- und Führungskräfte im Bereich Innovationen, Finanzierungen und Unternehmensentwicklung lassen sich vier zentrale Themenbereiche ableiten:
- Frühphasen-Finanzierung gewinnt an Profil
Der Award zeigt: Angels werden verstärkt als strategischer Hebel erkannt – nicht nur wegen Kapital, sondern wegen operativem Input und Netzwerk. - Standort Berlin im Wettbewerb
Politische Würdigung und institutionelle Unterstützung signalisieren: Berlin will weiterhin relevante Start-up-Metropole bleiben – mit Investoren- und Gründerinfrastruktur. - Netzwerk- und Wissensökonomie
Der Verweis auf Schwarmintelligenz und operative Begleitung zeigt, dass Beteiligungsformate zunehmend hybride Rollen einnehmen: Mentor, Connector, Investor. - Professionalität von Angels-Netzwerken
Der BACB-Ansatz mit formalisiertem Award, Pitch-Events, Speed-Dating und Netzwerkplattformen zeigt: Angel-Investing wird zunehmend systematisch organisiert.
Ausblick
Für die kommenden Jahre ist zu erwarten, dass Awards wie dieser nicht einmalige Symbolakte bleiben, sondern Bestandteil einer stärkeren Professionalisierung: standardisierte Prozesse, höhere Transparenz, Wirkungsmessung und Verbindung zu überregionalen VC-Strömen. Für Berlin als Standort heißt dies: Erfolgsfaktor wird sein, wie gut Schnittstellen zwischen Angels, Corporate Partnern, staatlicher Förderung und internationalem Kapital geschaffen werden.
Für Gründer:innen heißt der Trend: Wenn Angels nicht mehr nur Kapital, sondern aktives Netzwerk mitbringen, dann verschiebt sich die Erwartung an Gründerteams – weg vom reinen Pitch, hin zur strategischen Einbindung in ein Ökosystem. Für Investoren wiederum zeigt sich, dass der Standortvorteil nicht allein im Kapital liegt, sondern im „zweiten Flügel“: Expertise, Kontakte, operative Unterstützung.
Der Berliner Business Angels Award 2025 mag ein einzelnes Event sein. Doch er markiert zugleich einen Abschnitt in der Weiterentwicklung des Angel-Markts in Deutschland: von informellen Einzelengagements hin zu strukturierten, sichtbaren Investoren-Systemen mit Standort-relevanter Wirkung.
