Mit der Eröffnung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) am Flughafen BER rückt die Hauptstadtregion für fünf Tage in den Mittelpunkt einer Branche, die wie kaum eine andere für technologischen Fortschritt, industrielle Wertschöpfung und sicherheitspolitische Debatten steht. Mehr als 750 Aussteller aus 37 Ländern präsentieren auf dem Messegelände in Schönefeld ihre Entwicklungen in den Bereichen Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung. Erwartet werden rund 100.000 Besucherinnen und Besucher sowie Delegationen aus aller Welt. Damit bestätigt die ILA ihren Anspruch als wichtigste Luft- und Raumfahrtmesse Deutschlands und als eines der bedeutendsten Branchentreffen Europas.
Zum Auftakt nahm Bundeskanzler Friedrich Merz gemeinsam mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner am traditionellen Eröffnungsrundgang teil. Dabei wurde deutlich, welche wirtschaftliche und strategische Bedeutung die Luft- und Raumfahrt inzwischen für die Region Berlin-Brandenburg besitzt. Die Hauptstadtregion hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Standort für Luftfahrttechnik, Raumfahrtanwendungen, Sicherheitsindustrie und Forschung entwickelt. Internationale Konzerne, mittelständische Zulieferer, Start-ups und wissenschaftliche Einrichtungen bilden ein enges Netzwerk, das weit über die Region hinausstrahlt.
Woidke nutzte den Auftakt der Messe, um auf die Bedeutung der Branche für Brandenburg hinzuweisen. Die Luftfahrtindustrie stehe für industrielle Wertschöpfung, globale Vernetzung, Innovation und qualifizierte Arbeitsplätze. Zugleich verwies er auf eine Herausforderung, die aus seiner Sicht bislang ungelöst bleibt: Trotz der Leistungsfähigkeit des Flughafens BER verfüge die Hauptstadtregion weiterhin über vergleichsweise wenige Langstreckenverbindungen. Während Frankfurt und München zahlreiche interkontinentale Ziele anböten, bleibe das Angebot im Osten Deutschlands deutlich begrenzter. Damit griff der Ministerpräsident eine Debatte auf, die in Brandenburg und Berlin seit Jahren geführt wird.
Auch Brandenburgs Innenminister Jan Redmann sieht die ILA in einem größeren politischen Zusammenhang. Angesichts wachsender sicherheitspolitischer Spannungen in Europa gewinne die Messe als Plattform für Innovationen im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich an Bedeutung. Tatsächlich gehört der Defence-Sektor zu den sichtbarsten Schwerpunkten der diesjährigen Ausstellung. Moderne Drohnensysteme, Technologien zur Drohnenabwehr sowie neue Konzepte für militärische Luftfahrzeuge stehen im Mittelpunkt zahlreicher Präsentationen. Die Bundeswehr zeigt unter anderem die Aufklärungsdrohne German Heron TP, die erstmals nicht nur am Boden, sondern auch im Flugprogramm zu sehen sein wird.
Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement betonte die wirtschaftlichen Chancen, die sich aus dieser Entwicklung ergeben. Die Grenzen zwischen industrieller Innovation, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und sicherheitspolitischen Anforderungen würden zunehmend verschwimmen. Gerade die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie eröffne neue Geschäftsfelder und Beschäftigungsmöglichkeiten. Für Brandenburg könnten daraus zusätzliche Wachstumsimpulse entstehen, insbesondere durch die Verbindung von industrieller Produktion, Forschung und Entwicklung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Raumfahrt. Im sogenannten Space Pavilion präsentieren Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Organisationen aktuelle Projekte und Technologien für den Weltraum. Dabei spielt Brandenburg eine zunehmend sichtbare Rolle. Einrichtungen wie die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg und zahlreiche Unternehmen aus der Region arbeiten an Lösungen für Satellitentechnik, Raumfahrtsysteme und nachhaltige Antriebskonzepte. Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie gilt dabei als entscheidender Standortvorteil.
Besondere Aufmerksamkeit erhält in diesem Zusammenhang das Forschungszentrum chesco in Cottbus. Das Center for Hybrid Electric Systems Cottbus entwickelt gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt neue elektrische und hybridelektrische Antriebssysteme für die Luftfahrt. Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle bezeichnet das Projekt als Innovationslabor für die Lausitz und als Beispiel dafür, wie Forschung konkrete Antworten auf die Herausforderungen einer klimafreundlicheren Mobilität liefern kann. Die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien zählt zu den zentralen Zukunftsfragen der internationalen Luftfahrt.
Die ILA 2026 zeigt damit nicht nur neue Flugzeuge, Triebwerke und Raumfahrtsysteme. Sie verdeutlicht auch, wie eng wirtschaftliche Interessen, technologische Innovationen, Klimafragen und Sicherheitsüberlegungen miteinander verbunden sind. Für Brandenburg bietet die Messe die Gelegenheit, sich als Hochtechnologiestandort zu präsentieren und seine Rolle innerhalb der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie zu unterstreichen. Ob bei nachhaltigen Flugantrieben in Cottbus, bei Verteidigungstechnologien in Schönefeld oder bei Raumfahrtprojekten aus der Hauptstadtregion: Die Botschaft der diesjährigen ILA lautet, dass die Zukunft der Luft- und Raumfahrt längst nicht mehr nur in den klassischen Zentren entsteht. Ein wachsender Teil davon wird in Berlin und Brandenburg entwickelt.
