Österreich kommt nach Berlin: FeelAustria Week verbindet Musik, Kulinarik und Kultur
Vom 14. bis 20. September steht Berlin eine Woche lang im Zeichen Österreichs. Mit der FeelAustria Week bringt Austria Tourism mehr als 30 Veranstaltungen aus Musik, Kulinarik, Kunst, Sport und Film in die Hauptstadt. Mittelpunkt ist der FluxBau an der Spree, doch das Programm reicht weit darüber hinaus und führt unter anderem in Kinos, Restaurants, Buchhandlungen und das Museum Europäischer Kulturen in Dahlem.
Bemerkenswert ist dabei weniger der Ansatz , Österreich in Berlin möglichst vollständig abzubilden, als die Wahl der Formen. Die Veranstalter setzen auf jene Bereiche, in denen sich kulturelle Zugehörigkeit im Alltag besonders leicht vermitteln lässt: Essen, Musik, Bewegung, Literatur und gemeinsames Feiern. Die klassische touristische Darstellung Österreichs mit Bergen, Seen und Wintersport tritt dabei in den Hintergrund. Stattdessen soll ein zeitgenössisches Bild des Landes entstehen, das stärker von urbaner Kultur und einer jungen Künstlergeneration geprägt ist.
Der Auftakt am Montag, 14. September, gehörte der Comedy. Bei „Beats & Spritzer“ traten Julia Brandner und Freddy Ekué auf, anschließend übernahm DJ Vittoria PS. Der Abend auf der FluxBau-Terrasse verband österreichischen Humor mit Clubkultur und einem für Österreich typischen Getränkeritual. Es folgten unter anderem ein Quiz über Österreich, das FluxFM-Bergfest mit laela und Nikotin sowie verschiedene Sport- und Community-Formate.
Besonders stark ist das musikalische Programm. Am Donnerstag, 17. September, stehen Dani Lia und Nika auf der Bühne des FluxBaus. Dani Lia bewegt sich zwischen Indie-Pop und Alternative, Nika verbindet Hip-Hop, R&B und Neo-Soul. Einen Abend später folgen NENDA und Tamara Flores. Während NENDA Hip-Hop, Rap und Pop miteinander verbindet, bringt Flores Latin-Pop und moderne Beats zusammen. Am Samstag beendet CIVAN die Konzertreihe mit einer Mischung aus Pop, Folk und urbanen Einflüssen.
Damit rückt die FeelAustria Week bewusst eine Generation österreichischer Künstlerinnen und Künstler in den Mittelpunkt, die mit dem traditionellen kulturellen Österreichbild nur noch bedingt zu tun hat. Die Künstler kommen aus unterschiedlichen musikalischen Milieus und verbinden internationale Einflüsse mit persönlichen Geschichten. Österreich erscheint hier weniger als kulturell abgeschlossenes Herkunftsland denn als Teil eines europäischen, vielfach vernetzten Musikraums.
Auch die Kulinarik folgt diesem Prinzip. Bei „Brettl & Beisl“ wird die österreichische Jause in vier Gängen interpretiert. Eine Genussfahrt auf der Spree wiederum verbindet sechs österreichische Bundesländer mit einer kommentierten Verkostung. Am 20. September treten schließlich beim Kaiserschmarrn-Contest im Studio32 drei Berliner Spitzenköche gegeneinander an. Die Gerichte werden vom Publikum verkostet und bewertet.
Im FluxBau selbst ergänzt ein Alpentruck das Programm an mehreren Tagen mit österreichischem Streetfood. Auf der Karte stehen unter anderem Backhendl- und Schnitzel-Burger sowie Südtiroler Spinatknödel. Damit wird österreichische Küche nicht als nostalgische Wirtshauskulisse präsentiert, sondern in eine Berliner Streetfood-Logik übersetzt.
Einen anderen Zugang bieten die Veranstaltungen der Partnerregionen Vorarlberg und Kufsteinerland. Ein Siebdruck-Workshop stellt Vorarlberger Gestaltung und Handwerk vor. Das Kufsteinerland organisiert eine geführte Kräuter-Radtour von Kreuzberg bis nach Dahlem und anschließend einen Kräuterworkshop im Museum Europäischer Kulturen. Dort geht es um alpine Heilkräuter und traditionelles Wissen, das aus seinem ursprünglichen geografischen Zusammenhang herausgelöst und in einen Berliner Museumskontext gestellt wird.
Zur kulturellen Erweiterung gehört außerdem „WortAustria“. Lesungen österreichischer Autorinnen und Autoren finden unter anderem in der Buchhandlung Knesebeck Elf, in der Brotfabrik und beim FluxBau statt. Parallel bringt „CineAustria“ aktuelle österreichische Filmproduktionen und Kurzfilme in Berliner Kinos. Gezeigt werden unter anderem Arbeiten von Sabine Hiebler, Marie Kreutzer und Markus Heltschl sowie ein Kurzfilmprogramm von Tricky Women Tricky Realities.
Den Abschluss bildet am Sonntag der Albert&Tina Coffee Rave im FluxBau. Von Mittag bis zum Nachmittag treffen dort Kaffee, elektronische Musik, Community und ein Kunstworkshop aufeinander. Das Format greift ein Wiener Konzept auf, bei dem Clubkultur und Museumsbesuch miteinander verbunden werden. Die Berliner Ausgabe der FeelAustria Week setzt damit noch einmal einen anderen Akzent: Österreichische Kultur soll nicht nur betrachtet, sondern als Teil eines sozialen und urbanen Erlebnisses verstanden werden.
Die FeelAustria Week ist damit auch ein Beispiel dafür, wie touristische Kommunikation sich verändert. Österreich präsentiert sich in Berlin nicht ausschließlich als Reiseziel, sondern als kultureller Akteur. Das passt zu einer breiteren Strategie von Austria Tourism, die Österreich als Ganzjahresdestination positioniert und Kultur, Kulinarik, Natur und unterschiedliche Formen des Reisens miteinander verbindet.
Für Berlin bedeutet die Woche vor allem eine ungewöhnliche Verdichtung österreichischer Kulturangebote an unterschiedlichen Orten. Der FluxBau bildet zwar das Zentrum, doch erst die Verteilung auf Restaurants, Kinos, Buchhandlungen, Museen und den öffentlichen Stadtraum macht aus der Veranstaltung mehr als eine einzelne Festivalbühne. Österreich wird für eine Woche nicht nur in Berlin gezeigt, sondern in den Berliner Alltag übersetzt.
