HAINWERK in Friedrichshain: Richtfest für Berlins neues Holzhybrid-Büro
Richtfest an der Warschauer Straße: Rund 250 Gäste feiern den Rohbau des HAINWERK. Das Büroensemble setzt auf Holz, große Freiflächen und eine ungewöhnliche technische Konstruktion. Mit JetBrains steht bereits ein langfristiger Nutzer fest.
Berlin-Friedrichshain hat ein neues Stück Architektur bekommen. An der Ecke Warschauer Straße und Revaler Straße ist der Rohbau des HAINWERK fertiggestellt. Henderson Park und HAMBURG TEAM feierten am Mittwoch mit rund 250 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Bauwirtschaft das Richtfest. Fertiggestellt werden soll das Gebäude im Frühjahr 2028.
Schon jetzt lässt sich erkennen, was die Entwickler mit dem Projekt erreichen wollen: Das HAINWERK ist kein klassischer Büroblock. Holzsichtdecken, weit auskragende Balkone und begrünte Dachterrassen sollen das Gebäude stärker mit dem Stadtraum und dem Außenraum verbinden. Entwickelt wird das Projekt als Teil eines gemischt genutzten Ensembles, das die historische Berliner Blockrandbebauung an der Schnittstelle von Friedrichshain und Mediaspree aufnimmt und mit neuen Büro-, Wohn- und Versorgungsflächen verbindet.
Für HAMBURG TEAM-Geschäftsführer Klaus Heldwein war das Richtfest vor allem ein Anlass, den Blick auf die vielen Beteiligten zu richten. Eine Immobilienentwicklung dieser Größenordnung, sagte Heldwein, lebe davon, dass Menschen bereit seien, „die extra Meile“ zu gehen. Erst wenn viele Beteiligte gemeinsam über das Gewöhnliche hinausgingen, könne ein Projekt eine besondere Ausstrahlung entwickeln.
Architekt Armand Grüntuch von Grüntuch Ernst Architekten beschrieb den Richtfest-Moment aus einer anderen Perspektive. Für Architekten sei es ein besonderer Augenblick, wenn aus Zeichnungen und Entwürfen erstmals ein tatsächlich erlebbares Gebäude werde. Beim HAINWERK sei von Beginn an vieles anders gedacht worden als bei einem klassischen Büroprojekt. Dazu gehörten insbesondere die Holzkonstruktion, die zahlreichen Außenflächen und die intensive Begrünung.
Das Projekt war deshalb nach den Worten Grüntuchs durchaus eine mutige Entscheidung. Zum Zeitpunkt des Entwicklungsstarts war die Nachfrage nach großen Büroflächen schwieriger einzuschätzen, gleichzeitig setzte das HAINWERK auf eine Bauweise und Ausstattung, die über den Standard hinausgehen. Dass sich das Konzept dennoch bereits vor der Fertigstellung am Markt bewährt hat, zeigt die Vermietung: Die rund 19.350 Quadratmeter Bürofläche sind für 15 Jahre vollständig an das Softwareunternehmen JetBrains vermietet. Das Unternehmen wird seinen Berliner Standort von der Cuvrystraße an die Revaler Straße verlegen. Die rund 2.400 Quadratmeter große Supermarktfläche ist an REWE vorvermietet.
Zum Ensemble gehören außerdem rund 930 Quadratmeter Einzelhandelsfläche sowie das benachbarte Wohngebäude FRIEDRICH mit 125 Wohnungen.
Wie anspruchsvoll die Umsetzung des HAINWERK ist, wurde beim Richtfest auch anhand der Zahlen deutlich. Für die Betonarbeiten ab Erdgeschoss wurden nach Angaben der beteiligten Arbeitsgemeinschaft rund 4.450 Kubikmeter Beton verbaut, etwa 30 Prozent davon Recyclingbeton. Hinzu kommen mehr als 10.000 Quadratmeter geschalte Wandflächen und rund 520 Tonnen Bewehrungsstahl.
Noch prägender für das Gebäude ist jedoch der Holzbau. Über sechs Geschosse hinweg entstehen rund 15.000 Quadratmeter Holzdecken. Insgesamt werden rund 4.000 Kubikmeter Holz für Decken und Stützen eingesetzt. Der Umgang mit dem Material stellt auf einer innerstädtischen Baustelle besondere Anforderungen. Regen, Feuchtigkeit und mechanische Beschädigungen müssen während der Montage kontrolliert werden. Gleichzeitig sind Lagerflächen knapp, Anlieferungen müssen präzise koordiniert werden und verschiedene Gewerke arbeiten auf engem Raum parallel.
Auch die Fassade erreicht beachtliche Dimensionen. Geplant sind unter anderem rund 560 laufende Meter Stahl für Balkone und Gesimse, etwa 6.200 Quadratmeter Fenster- und Türelemente, rund 670 Quadratmeter Pfosten-Riegel-Fassade, etwa 3.800 Quadratmeter Blechfassade sowie rund 760 Quadratmeter glasfaserverstärkte Betonfassade. Gerade bei den Betonfertigteilen zeigt sich der architektonische Anspruch: Die Farbgebung wird unmittelbar auf den Elementen umgesetzt, damit am Ende nicht einzelne Bauteile nebeneinanderstehen, sondern ein geschlossenes Fassadenbild entsteht.
Die Nachhaltigkeitsziele sind entsprechend ambitioniert. Das HAINWERK ist nach dem Effizienzhaus-40-Standard gemäß Bundesförderung für effiziente Gebäude geplant und auf einen klimaneutralen Betrieb ausgelegt. Geothermie, Wärmepumpen und Photovoltaik sollen zur Energieversorgung beitragen. Das Gebäude ist zudem mit DGNB Platin vorzertifiziert. Zertifizierungen nach LEED Platin und WiredScore Platinum werden angestrebt. Beim ICONIC AWARD 2026 wurde das Projekt bereits als „Best of Best“ in der Kategorie „CONCEPT – Visionary and Uncompleted Architecture“ ausgezeichnet.
Hinter dem Projekt steht ein internationales und zugleich stark regional verankertes Partnernetzwerk. Henderson Park verantwortet als Investor die Entwicklung gemeinsam mit HAMBURG TEAM. Den architektonischen Entwurf lieferte Grüntuch Ernst Architekten. Mit den Hochbauarbeiten wurde die ARGE Lupp Medicke beauftragt. Schrobsdorff Bau übernimmt den Rohbau des Untergeschosses sowie den Hochbau des angrenzenden Wohnensembles FRIEDRICH.
Beim Richtfest wurde deutlich, dass das HAINWERK nicht nur als einzelnes Bürogebäude gedacht wird. Es soll Teil einer sich stark verändernden Friedrichshainer Stadtlandschaft werden. Die Verbindung aus Arbeiten, Wohnen, Einzelhandel und öffentlichen beziehungsweise gemeinschaftlich nutzbaren Außenräumen folgt dabei einem Prinzip, das in Berlin zunehmend an Bedeutung gewinnt: Bürostandorte sollen nicht mehr allein während der Arbeitszeit funktionieren, sondern stärker in das urbane Leben eingebunden sein.
Die entscheidende Bewährungsprobe steht allerdings noch bevor. Erst wenn die ersten Mitarbeiter von JetBrains einziehen und die Wohnungen, Geschäfte und Außenflächen genutzt werden, wird sich zeigen, wie gut die Idee im Alltag funktioniert. Für die Entwickler ist die nahezu vollständige Vermietung bereits ein wichtiges Signal. Für die Stadt bleibt die Frage, wie sich ein solches neues Quartiersbaustein in das dicht besiedelte und dynamische Umfeld rund um Warschauer Straße und Mediaspree einfügt.
Das Richtfest markiert damit weniger einen Endpunkt als eine Zwischenetappe. Der Rohbau steht. Bis zum Frühjahr 2028 muss aus dem konstruktiv anspruchsvollen Holzhybridbau ein fertiger Arbeits- und Lebensort werden.
