Roborock auf der IFA 2026: Wenn der Haushaltsroboter den Garten erobert
Die Grenzen zwischen Haushaltsgerät, Software und autonomer Maschine verschwimmen zunehmend. Auf der IFA 2026 in Berlin zeigt Roborock, wie weit diese Entwicklung inzwischen reicht. Das Unternehmen, das bislang vor allem für Saug- und Wischroboter bekannt ist, präsentiert in Halle 9 eine Produktpalette, die vom Wohnzimmer über den Garten bis hin zum Pool reicht. Im Mittelpunkt stehen neue Saugroboter der Saros-Reihe, Nass-Trockensauger, ein Mähroboter und mit dem Saros Rover ein Konzept, das die bisher vertraute Vorstellung eines Haushaltsroboters grundsätzlich infrage stellt.
Roborock verfolgt damit eine Strategie, die über die Verbesserung einzelner Reinigungsfunktionen hinausgeht. Die Geräte sollen zunehmend selbstständig erkennen, wo sie sich befinden, welche Hindernisse vor ihnen liegen und welche Art der Reinigung erforderlich ist. Der Anspruch lautet nicht mehr nur, einen Staubsauger zu automatisieren, sondern möglichst viele alltägliche Arbeiten ohne permanente Unterstützung des Menschen erledigen zu lassen. Kai Zantke, Kommunikationsleiter von Roborock Deutschland, beschreibt diese Entwicklung mit einem einfachen Grundsatz: „Wir wollen das Leben verbessern.“ Zugleich seien grundsätzlich „alle Felder, wo das möglich ist, offen“. Diese Aussage stammt aus einem Gespräch mit Zantke zur Produktstrategie des Unternehmens und macht deutlich, wie weit Roborock seine eigene Kategorie inzwischen interpretiert.
Besonders sichtbar wird diese Expansion im Garten. Mit dem RockNeo Q2 LiDAR bringt Roborock einen kabellosen Mähroboter auf die IFA, der ohne Begrenzungskabel und ohne RTK-Station auskommen soll. Stattdessen nutzt das Gerät ein LiDAR-basiertes Navigationssystem, um seine Umgebung zu erfassen und eine Karte des Gartens anzulegen. Damit folgt die Rasenpflege dem gleichen Grundprinzip, das sich bei Saugrobotern bereits etabliert hat: Die Maschine soll ihre Umgebung selbstständig verstehen und daraus eine möglichst effiziente Route ableiten. Nach Angaben des Unternehmens kann der RockNeo Q2 LiDAR Steigungen von bis zu 45 Prozent bewältigen und Passagen mit einer Breite von lediglich 60 Zentimetern durchfahren. Ein Drei-Klingen-System soll zudem einen Schnitt bis auf drei Zentimeter an Kanten ermöglichen.
Interessant ist dabei weniger die einzelne technische Kennzahl als die Entwicklung des Geschäftsmodells. Roborock versucht, die ausgereifte Robotik für Innenräume auf weitere Bereiche des privaten Lebens zu übertragen. Die App wird dabei zur zentralen Schnittstelle. Nutzer können Mähzonen und Routinen definieren und den Betrieb überwachen. Die Ladestation verfügt über ein integriertes WLAN-Verstärkermodul. Hinzu kommen Diebstahlschutz und ein Gehäuseschutz nach IPX6. Ob diese Funktionen im praktischen Gartenbetrieb tatsächlich die versprochene Autonomie erreichen, wird allerdings erst der Alltag zeigen. Gerade bei Mährobotern sind unübersichtliche Grundstücke, wechselnde Wetterbedingungen, enge Passagen und natürliche Hindernisse anspruchsvoller als eine standardisierte Wohnfläche.
Im Haus setzt Roborock derweil auf eine weitere Stufe der Automatisierung. Der Saros 20 Flow Complete verbindet einen leistungsfähigen Saugmotor mit einem Walzen-Wischsystem, das sich während des Reinigungsvorgangs mit Frischwasser versorgen und selbst reinigen soll. Angegeben werden 36.000 Pa Saugleistung, 240 Umdrehungen pro Minute und 16 Frischwasserdüsen. Die Dockingstation übernimmt anschließend die Moppwäsche mit heißem Wasser. Die technischen Details zeigen einen Trend, der für die nächste Generation von Saugrobotern entscheidender sein dürfte als reine Saugleistung: Nicht nur das Reinigen selbst, sondern auch die bislang notwendige Wartung soll automatisiert werden.
Beim Saros 20 Neo liegt der Schwerpunkt dagegen auf Beweglichkeit. Das Gerät soll mit einer Bauhöhe von 7,95 Zentimetern auch unter niedrige Möbel gelangen und dank AdaptiLift Chassis 3.0 zweistufige Schwellen von bis zu 8,8 Zentimetern überwinden. Damit versucht Roborock ein Problem zu lösen, das bei autonomen Haushaltsgeräten häufig unterschätzt wird: Ein Roboter kann nur dann wirklich autonom arbeiten, wenn die baulichen Grenzen der Wohnung nicht ständig menschliche Hilfe erforderlich machen.
Noch ambitionierter ist der Saros Rover. Das Gerät feiert auf der IFA sein europäisches Debüt und besitzt eine Rad-Bein-Konstruktion. Nach Angaben von Roborock können die Beine unabhängig voneinander angehoben und abgesenkt werden. Dadurch soll der Roboter auch Hindernisse und Treppen bewältigen können. Die Idee ist bemerkenswert, weil sie die bisherige Logik der Saugroboter verändert. Bislang werden Wohnungen für den Roboter zugänglich gemacht, indem Schwellen reduziert oder mehrere Geräte eingesetzt werden. Beim Saros Rover soll dagegen die Maschine selbst mobiler werden. Roborock spricht deshalb von einem System, das auch zwischen Etagen wechseln kann. Ob daraus tatsächlich ein alltagstaugliches Produkt entsteht, ist eine andere Frage. Treppen gehören zu den komplexesten Umgebungen für autonome Maschinen, weil sie nicht nur Navigation, sondern auch Stabilität und eine zuverlässige Erkennung von Absturzkanten verlangen.
Die Strategie beschränkt sich nicht auf autonome Roboter. Mit dem F25 Ultra Steam Gen 2 und dem F25 Pro Turbo Combo zeigt Roborock zwei Nass-Trockensauger, bei denen ebenfalls möglichst viele Arbeitsschritte automatisiert werden. Der F25 Ultra Steam Gen 2 arbeitet mit Dampfreinigung und soll innerhalb von 30 Sekunden bis zu 180 Grad heißen Dampf bereitstellen. Der F25 Pro Turbo Combo wiederum kombiniert Nass-Trockensauger und kabellosen Handstaubsauger in einem System. Solche Geräte zielen weniger auf spektakuläre Robotik als auf die Zusammenführung mehrerer bislang getrennter Haushaltsaufgaben.
Hinter der technischen Breite steht auch ein Wandel im Selbstverständnis des Unternehmens. Roborock positioniert sich längst nicht mehr ausschließlich als Hersteller von Saugrobotern. Auf der IFA umfasst das Sortiment Robotik für Boden und Garten ebenso wie Nass-Trockensauger und weitere vernetzte Lösungen. Der offizielle IFA-Auftritt führt Roborock entsprechend unter den Themenfeldern Smart Home, Home Cleaning, Gardening & Outdoor Care und Robotic Solutions.
Zantke betont dabei die Bedeutung des Austauschs mit den Nutzern. „Feedback, Feedback, Feedback“, lautet seine prägnante Beschreibung der Zusammenarbeit mit der Community. Nutzererfahrungen seien für Roborock ein Gradmesser für Marktbedürfnisse, Trends und Kritik. Auch die App betrachtet das Unternehmen nicht als fertiges Produkt, sondern als fortlaufend zu entwickelnde Schnittstelle. Matter soll dabei die Integration in unterschiedliche Smart-Home-Umgebungen erleichtern.
Diese Nutzerorientierung ist für Roborock strategisch wichtig, denn mit zunehmender Autonomie steigen auch die Erwartungen. Ein Saugroboter, der einen Raum nicht vollständig reinigt, ist ärgerlich. Ein Mähroboter, der sich im Garten festfährt, oder ein autonomes System, das eine Treppe falsch einschätzt, stellt dagegen grundlegendere Fragen an Sicherheit und Zuverlässigkeit. Je mehr Aufgaben die Maschinen übernehmen, desto weniger wird sich ihre Qualität allein anhand von Saugkraft oder Akkulaufzeit beurteilen lassen. Entscheidend werden Navigation, Fehlererkennung, Software, Wartung und die Fähigkeit sein, mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen.
Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung des Roborock-Auftritts auf der IFA 2026. Das Unternehmen zeigt nicht einfach eine neue Generation von Haushaltsgeräten. Es präsentiert eine Vorstellung davon, wie aus einzelnen automatisierten Geräten ein zunehmend vernetztes System werden könnte. Der Saugroboter reinigt den Boden, der Mähroboter übernimmt den Rasen, der Nass-Trockensauger verbindet mehrere Reinigungsschritte und der Saros Rover versucht, die räumlichen Grenzen eines Haushaltsroboters zu überwinden. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, wie viel ein Roboter leisten kann. Sie lautet, wie viel Verantwortung Nutzer einer Maschine im Alltag tatsächlich übertragen wollen.
Roborock hat seinen IFA-Auftritt am 3. September mit einer Pressekonferenz und Keynote eröffnet. Vom 4. bis zum 8. September sind die Produkte am Stand H9-111 in Halle 9 zu sehen.
