Beim traditionellen Iftar der Türkischen Gemeinde zu Berlin in der Markthalle IX stand neben dem gemeinsamen Fastenbrechen vor allem die politische und gesellschaftliche Ansprache im Mittelpunkt. In einer Reihe von Redebeiträgen wurde die Veranstaltung als Ort des Dialogs, aber auch als Spiegel aktueller integrations- und gesellschaftspolitischer Fragen genutzt.

Der Präsident der Türkischen Gemeinde, Selçuk Demirel, eröffnete den Abend mit einem Appell an Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis. Er betonte die Bedeutung des Ramadan als Zeit der Besinnung und Solidarität, die über religiöse Grenzen hinauswirke. In einer zunehmend polarisierten gesellschaftlichen Atmosphäre sei es entscheidend, Räume zu schaffen, in denen Begegnung möglich bleibe. Demirel verwies dabei auch auf die Rolle migrantischer Organisationen als Brückenbauer zwischen Communities und Mehrheitsgesellschaft.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, griff diesen Gedanken auf und stellte den Iftar in einen größeren stadtpolitischen Kontext. Berlin lebe von seiner Vielfalt, sagte Wegner, und diese Vielfalt müsse aktiv gestaltet werden. Religiöse Feste wie der Iftar seien Ausdruck einer gelebten Realität in der Stadt und zugleich ein Signal für Offenheit. Er unterstrich die Verantwortung der Politik, Teilhabe zu sichern und Diskriminierung entschieden entgegenzutreten.

Mit Blick auf die anstehenden politischen Auseinandersetzungen äußerten sich auch führende Vertreterinnen und Vertreter der Berliner Landespolitik. Steffen Krach betonte für die SPD die Bedeutung sozialer Teilhabe und gleichberechtigter Chancen. Integration dürfe nicht allein als kulturelle Frage verstanden werden, sondern müsse auch soziale Gerechtigkeit einschließen. Werner Graf hob die Rolle der Zivilgesellschaft hervor und plädierte für eine konsequente Antidiskriminierungspolitik. Eine offene Stadt brauche Strukturen, die Vielfalt nicht nur akzeptieren, sondern aktiv fördern. Elif Eralp wiederum stellte die Perspektive von Menschen mit Migrationsgeschichte in den Vordergrund und forderte stärkere politische Repräsentation sowie den Abbau struktureller Benachteiligung.

Den Abschluss der Reden bildete der Generalsekretär der Türkischen Gemeinde zu Berlin, Suat Özkan. Er griff die zuvor formulierten politischen Positionen auf, verband sie jedoch mit einem deutlichen Appell an die Eigenverantwortung der Gesellschaft. Integration, so Özkan, sei kein einseitiger Prozess, sondern beruhe auf gegenseitiger Anerkennung und aktiver Mitwirkung. Der Iftar sei dafür ein konkretes Beispiel: ein Ort, an dem Unterschiede sichtbar würden, ohne trennend zu wirken.

Die Redebeiträge verdeutlichten, dass der Abend weit mehr war als ein religiöses Ritual. Er fungierte als Plattform, auf der zentrale Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts verhandelt wurden. In der Verbindung von religiöser Praxis und politischem Diskurs zeigte sich einmal mehr, wie eng beide Sphären in einer Stadt wie Berlin miteinander verwoben sind.

Von admin