30 Jahre InnoTrans: Berlin wird wieder zur Hauptstadt der Mobilität
Berlin steht in dieser Woche ganz im Zeichen der Zukunft des Verkehrs. Wenn sich auf dem Messegelände unter dem Funkturm Züge, Lokomotiven, Busse, digitale Systeme und neue Antriebstechnologien versammeln, geht es längst um mehr als eine klassische Industriemesse. Die InnoTrans feiert ihr 30-jähriges Bestehen und eröffnet am Dienstag ihre 15. Ausgabe. Vom 22. bis 25. September treffen in Berlin Unternehmen, Verkehrsverbände, Betreiber, Ingenieure, Politik und internationale Fachmedien aufeinander. Mehr als 3.100 Aussteller präsentieren 180 Weltpremieren.
Bei der Eröffnung im Palais wurde deutlich, wie weit sich die Branche seit der ersten InnoTrans im Jahr 1996 verändert hat. Damals kamen 172 Aussteller nach Berlin. Heute belegt die Messe alle 42 Hallen des Berliner Messegeländes sowie das Gleis- und Freigelände. 2024 kamen bereits 169.214 Fachbesucher aus 128 Ländern.
Dirk Hoffmann von der Messe Berlin begrüßte die internationalen Vertreter der Bahn- und Mobilitätswirtschaft und stellte das Jubiläum in einen größeren Zusammenhang. Die InnoTrans sei längst ein internationaler Treffpunkt, an dem sich nicht nur Unternehmen präsentieren, sondern Märkte, Technologien und politische Rahmenbedingungen begegnen. Vertreter von UNIFE, VDB, ZVEI, VDV und DVF sowie Verbände aus zahlreichen europäischen und außereuropäischen Ländern machten die internationale Dimension der Messe sichtbar.
Dabei ist die Bahnbranche selbst im Wandel. Enno Wiebe von UNIFE verwies auf das anhaltende Wachstum des globalen Bahnmarktes. Nach der aktuellen Marktstudie des europäischen Bahnindustrieverbandes wächst der weltweite Markt weiter, zugleich verschärft sich der Wettbewerb um internationale Zugänge. Für europäische Hersteller wird damit die Frage wichtiger, unter welchen Bedingungen sie in Märkten außerhalb Europas tatsächlich konkurrieren können. Wiebe verband die positive Entwicklung des Weltmarktes deshalb mit einem Appell an Forschung, Innovation und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Aus Deutschland kam eine ähnliche Botschaft. Sarah Stark vom Verband der Bahnindustrie betonte die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors und die Rolle deutscher Technologie auf den internationalen Märkten. Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz verändern dabei nicht nur einzelne Produkte. Sie greifen zunehmend in die gesamte Infrastruktur ein, von der Leit- und Sicherungstechnik über Wartung und Fahrplanung bis zum Betrieb von Zügen.
Martin Schmitz vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen richtete den Blick stärker auf die Betreiber. Für den öffentlichen Verkehr gehe es nicht allein darum, neue Technik einzusetzen. Entscheidend sei, ob dadurch mehr Kapazität, bessere Zuverlässigkeit und ein effizienterer Betrieb entstehen. ETCS, digitale Betriebsverfahren, Elektrifizierung und automatisierte Systeme gehören deshalb zu den Themen, die auf der InnoTrans nicht mehr als ferne Zukunft diskutiert werden, sondern als konkrete Bestandteile des künftigen Verkehrssystems.
Wie konkret dieser Wandel inzwischen ist, zeigt ein Blick auf das Gleisgelände. Dort werden in diesem Jahr 113 Fahrzeuge aus 17 Ländern präsentiert. Zu sehen sind Hochgeschwindigkeitszüge ebenso wie Fahrzeuge mit Batterie-, Wasserstoff- oder Hybridantrieb. Auch aus China und Südkorea kommen Fahrzeuge nach Berlin. Allein das Gleis- und Freigelände umfasst rund 20.000 Quadratmeter.
Noch deutlicher wird der technologische Wandel bei den 180 Weltpremieren. Künstliche Intelligenz, Robotik und Automatisierung gehören zu den großen Themen der diesjährigen Messe. Roboter übernehmen Inspektionsaufgaben, digitale Systeme sollen Energie sparen und KI wird für Anwendungen in Betrieb, Wartung und Infrastruktur eingesetzt. Die Technik verlässt damit zunehmend die Ebene von Pilotprojekten und findet ihren Weg in den täglichen Bahnbetrieb.
Auch die Verkehrswende selbst verändert die Perspektive der Branche. Alternative Antriebe, moderne Sicherungssysteme und automatisierte Fahrzeuge stehen neben neuen Konzepten für Nachtzüge. Gerade der Nachtverkehr erlebt derzeit eine neue Aufmerksamkeit, weil er eine Verbindung von internationaler Mobilität und klimafreundlicherem Reisen verspricht. Die InnoTrans zeigt dabei nicht nur fertige Produkte, sondern auch die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für ihren späteren Einsatz.
Auffällig ist zugleich, wie stark die Messe versucht, neue Zielgruppen einzubeziehen. Mit dem Railway Influencer Festival wird die Bahnbranche erstmals noch stärker mit der digitalen Öffentlichkeit verbunden. Die Talent Stage und weitere Karriereangebote richten sich an Nachwuchskräfte und sollen angesichts des Fachkräftemangels neue Wege in die Industrie eröffnen.
30 Jahre nach der ersten Ausgabe ist die InnoTrans damit selbst zu einem Stück Berliner Messegeschichte geworden. Aus einer vergleichsweise kleinen Fachveranstaltung ist eine internationale Plattform für eine Branche entstanden, die für die künftige Mobilität eine zentrale Rolle spielen will. Die entscheidende Frage lautet inzwischen weniger, ob Digitalisierung, künstliche Intelligenz oder alternative Antriebe die Bahn verändern werden. Sie lautet, wie schnell sich diese Technologien in den Netzen, Fahrzeugen und Betriebsabläufen tatsächlich durchsetzen lassen. Berlin liefert dafür in dieser Woche den Schauplatz. Auf dem Messegelände steht die Zukunft der Mobilität bereits auf den Schienen.
