Verleihung Deutscher Kulturpolitikpreis 2026, 24.09.2026, Berlin
Iris Berben erhält den Deutschen Kulturpolitikpreis: Große Bühne für eine große Haltung
Berlin hatte an diesem Abend eine besondere Hauptdarstellerin: Iris Berben. In der Staatsbibliothek zu Berlin wurde die Schauspielerin mit dem Deutschen Kulturpolitikpreis 2026 ausgezeichnet. Zwischen Kultur, Politik und Gesellschaft ging es dabei um weit mehr als eine Trophäe. Es ging um Haltung, Erinnerung und die Frage, wie viel Verantwortung eine prominente Persönlichkeit übernimmt, wenn sie ihre Stimme öffentlich erhebt.
Der festliche Abend begann mit der Begrüßung durch Prof. Dr. Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Prof. Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrates. Danach gehörte die Bühne Igor Levit. Der Pianist hielt nicht nur die Laudatio auf Iris Berben, sondern setzte mit seinen musikalischen Beiträgen auch die künstlerischen Akzente des Abends.
Im Mittelpunkt aber stand Iris Berben. Seit Jahrzehnten gehört sie zu den bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands. Ihre Karriere umfasst Kino und Fernsehen, große Rollen ebenso wie internationale Produktionen. Doch für den Deutschen Kulturrat war an diesem Abend vor allem eine andere Seite ihrer öffentlichen Arbeit entscheidend: Berbens Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus, ihr Einsatz für jüdisches Leben und Erinnerungskultur sowie ihre wiederholte Einmischung in gesellschaftliche Debatten.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte Berben bereits vor der Verleihung gewürdigt. Er verwies auf ihr entschlossenes Eintreten gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit und auf ihren Einsatz für Demokratie und Toleranz. Besonders treffend sei ein Satz, den Berben selbst geprägt habe: „Reagiere darauf, wie über Menschen geredet wird. Korrigiere.“ Darin steckt ein Prinzip, das ihren öffentlichen Auftritt seit Jahren prägt: nicht wegzusehen, wenn Sprache zur Abwertung wird, und Widerspruch nicht als Zumutung, sondern als Verantwortung zu verstehen.
Auch Igor Levit stellte in seiner Laudatio dieses gesellschaftliche Engagement in den Mittelpunkt. Der Pianist, der selbst immer wieder öffentlich zu politischen und gesellschaftlichen Fragen Stellung nimmt, würdigte Berbens Beharrlichkeit und ihren Einsatz gegen Menschenfeindlichkeit. Anschließend wurde es musikalisch. Levit spielte für die Gäste der Preisverleihung und gab dem Abend damit einen konzentrierten, beinahe intimen Moment.
Als Iris Berben schließlich den Deutschen Kulturpolitikpreis von Christian Höppner entgegennahm, zeigte sie sich bewegt. In ihren Dankesworten sprach sie über die Rolle von Kunst und Kultur in einer offenen Gesellschaft. Kunst dürfe nicht dazu benutzt werden, Menschen auszugrenzen. Vielmehr müsse es Orte geben, an denen Widerspruch möglich ist, unterschiedliche Perspektiven ausgehalten werden und Diskussionen stattfinden können.
Anschließend wurde es literarisch. Berben zitierte aus Sebastian Haffners „Geschichte eines Deutschen“, einem autobiografischen Bericht über die Jahre des Nationalsozialismus. Der Griff zu Haffner passte zum Thema des Abends: Erinnerung nicht als museale Angelegenheit zu betrachten, sondern als etwas, das immer auch mit der Gegenwart zu tun hat.
Der Deutsche Kulturpolitikpreis wird seit 2021 vom Deutschen Kulturrat vergeben. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um Kulturpolitik verdient gemacht haben. Bei Iris Berben fiel die Wahl auf eine Schauspielerin, die ihre Bekanntheit seit langer Zeit auch als gesellschaftliches Kapital versteht. Sie besucht Schulen, beteiligt sich an Diskussionen, hält Lesungen und spricht öffentlich über Antisemitismus, Erinnerung und Demokratie.
Nach der offiziellen Zeremonie wurde der Abend beim Empfang fortgesetzt. Gäste aus Kultur, Politik und Zivilgesellschaft kamen in der Staatsbibliothek zusammen. Die Gespräche wurden bei Getränken und Begegnungen weitergeführt, während die Preisverleihung langsam vom offiziellen Festakt in einen Berliner Kulturabend überging.
Iris Berben war an diesem Abend nicht einfach die prominente Preisträgerin. Sie stand für eine Vorstellung von öffentlicher Verantwortung, die gerade bei Schauspielern immer wieder kontrovers diskutiert wird. Wann endet die Rolle, wann beginnt die gesellschaftliche Verantwortung? Berben hat darauf längst ihre eigene Antwort gegeben. Sie bleibt Schauspielerin, nutzt aber ihre Bekanntheit, um sich einzumischen. Genau dafür erhielt sie in Berlin den Deutschen Kulturpolitikpreis 2026.
Credit: Deutscher Kulturrat | Benjamin Zibner
