Das Lollapalooza Berlin hat seinen elften Jahrgang mit einem Besucherandrang eröffnet, der die Rolle des Festivals im Berliner Veranstaltungskalender erneut unterstreicht. Nach Angaben der Veranstalter kamen am Samstag rund 50.000 Menschen in den Olympiapark und das Olympiastadion, wo sich internationale Popstars, Rap, elektronische Musik und ein umfangreiches Rahmenprogramm zu einem breit angelegten Kulturereignis verbanden. Das Festival, das 2015 seine Europa-Premiere in Berlin feierte und seit 2018 auf dem Olympiagelände beheimatet ist, setzt damit seinen Anspruch fort, weit mehr als eine klassische Konzertveranstaltung zu sein.

Musikalisch zeigte sich der erste Festivaltag bewusst vielseitig. Lily Allen präsentierte Songs ihres aktuellen Albums, während Zara Larsson mit ihren internationalen Pop-Hits das Publikum zum Tanzen brachte und einen Fan für eine gemeinsame Performance auf die Bühne holte. Tom Odell setzte mit seiner von Klavier und Band getragenen Live-Show einen ruhigen Kontrapunkt zu den großen Popproduktionen. Young Miko brachte lateinamerikanischen Rap auf die Hauptbühne, die japanische Formation Atarashii Gakko! überzeugte mit choreografischer Präzision und direkter Publikumsnähe. Parallel entwickelte sich die Perry’s Stage mit Künstlern wie Artbat, Korolova und Victor Ruiz zu einem Zentrum elektronischer Musik, das bis in die Nacht hinein dicht gefüllt blieb.

Zu den emotional stärksten Momenten des Tages gehörte der Auftritt der deutschen Sängerin Ayliva. Tausende Besucher sangen ihre bekanntesten Titel nahezu vollständig mit und machten deutlich, welchen Stellenwert deutschsprachiger Pop inzwischen auch auf international ausgerichteten Festivals besitzt. Den Schlusspunkt setzte Pitbull bei seinem einzigen deutschen Festivalauftritt des Jahres. Seine Show entwickelte sich zu einer Mischung aus Konzert und kollektiver Inszenierung. Zahlreiche Besucher erschienen mit Glatzenkappen, Sonnenbrillen und Anzügen im Stil des Künstlers. Diese inzwischen international verbreitete Fantradition hatte wenige Tage zuvor bereits bei einem Konzert in London für einen Guinness-Weltrekord gesorgt und prägte nun auch das Berliner Festivalbild.

Pitbull setzte mit seinem Auftritt nicht nur den musikalischen Schlusspunkt des Abends, sondern auch inhaltliche Akzente. Zwischen seinen Welthits wandte sich der Künstler mehrfach direkt an das Publikum und sprach über Werte, die ihm besonders wichtig sind. Liebe und Zeit seien die größten Güter, über die Menschen verfügten, betonte er, denn beides lasse sich weder kaufen noch ersetzen. Zugleich warb er für Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt. Die einzige universelle Rasse, so Pitbull, sei die Menschheit. Seine Botschaft gegen Ausgrenzung und für ein gemeinsames Miteinander wurde von den Besucherinnen und Besuchern mit großem Applaus aufgenommen.

Auffällig blieb jedoch nicht allein das musikalische Programm. Das Lollapalooza verfolgt seit Jahren ein Konzept, das Musik mit gesellschaftlichen Themen verbindet. Bereiche wie Fashionpalooza, der Grüne Kiez oder Kidzapalooza richteten sich an unterschiedliche Zielgruppen und ergänzten das Konzertprogramm um Angebote zu Nachhaltigkeit, Mode, Familienfreundlichkeit und kultureller Teilhabe. Damit unterscheidet sich das Festival von klassischen Musikveranstaltungen und folgt einem internationalen Trend, Festivals als temporäre Erlebnisräume mit unterschiedlichen kulturellen und sozialen Funktionen zu verstehen. Zugleich verweist die nach internationalen Standards zertifizierte Nachhaltigkeitsstrategie auf den Versuch, Großveranstaltungen ökologisch verantwortlicher zu organisieren.

Für Berlin besitzt das Festival inzwischen auch wirtschaftliche und touristische Bedeutung. Zehntausende Gäste reisen aus dem In und Ausland an, Hotels, Gastronomie und öffentlicher Nahverkehr profitieren von dem Veranstaltungswochenende. Gleichzeitig stellt eine Veranstaltung dieser Größenordnung hohe Anforderungen an Sicherheitskonzepte, Verkehrsplanung und Besucherlenkung, die nach den Erfahrungen vergangener Großveranstaltungen zu den zentralen Aufgaben moderner Festivalorganisation gehören.

Mit dem Auftakt hat das Lollapalooza Berlin seine Position als eines der bedeutendsten Musikfestivals Deutschlands bestätigt. Der erste Tag zeigte, dass internationale Stars, deutsche Künstler und ein vielfältiges Begleitprogramm ein Publikum ansprechen, das weit über klassische Festivalbesucher hinausreicht. Am Sonntag wird das Programm unter anderem mit Lewis Capaldi, Lorde, Teddy Swims und Zartmann fortgesetzt und dürfte den Olympiapark erneut zu einem der größten musikalischen Treffpunkte Europas machen.

Von admin