Am Abend des 14. März 2026, dem 24. Tag des Ramadan, versammelten sich zahlreiche Gäste aus Politik, Diplomatie und Zivilgesellschaft im Berliner Hotel Meliá zu einem Iftar-Empfang von Saadet Europa. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine Rede des Vorsitzenden der türkischen Saadet-Partei, Mahmut Arıkan, der den religiösen Anlass nutzte, um über globale Krisen, gesellschaftliche Verantwortung und die Rolle der türkischen Diaspora in Europa zu sprechen. Arıkan begann seine Ansprache mit einem religiösen Wunsch: Der Ramadan und das bevorstehende Fest des Fastenbrechens sollten für die Menschheit zu einer Quelle von Frieden, Güte und Erlösung werden. Zugleich dankte er den Organisatoren des Abends, insbesondere dem Präsidenten von Saadet Europa, Samet Sami Temel, sowie dessen Team für die Vorbereitung der Veranstaltung.

Arıkan stellte seine Rede in einen größeren historischen und politischen Kontext. Die Welt, so seine Diagnose, befinde sich an einem kritischen Wendepunkt. Kriege nähmen zu, soziale Ungleichheiten vertieften sich und die moralische Verantwortung der internationalen Gemeinschaft werde auf eine harte Probe gestellt. Diese Entwicklung sei nicht allein eine wirtschaftliche oder geopolitische Frage, sondern betreffe den Zustand des globalen Gewissens. Der Vorsitzende der Saadet-Partei hat in jüngsten Reden wiederholt darauf hingewiesen, dass sich neben ökonomischen Krisen auch eine Krise der moralischen Maßstäbe abzeichne. In vielen Gesellschaften seien Mitgefühl, Gerechtigkeit und Solidarität unter Druck geraten.

Berlin erschien in Arıkans Rede nicht nur als Veranstaltungsort, sondern als historisches Symbol. Die deutsche Hauptstadt, heute mit fast vier Millionen Einwohnern eine der bedeutendsten politischen Metropolen Europas, verkörpere zugleich die Brüche und Hoffnungen des Kontinents. Der Zweite Weltkrieg habe die Stadt zerstört, der Kalte Krieg sie geteilt. Mit dem Bau der Berliner Mauer sei Berlin zu einem Grenzort der ideologischen Konfrontation geworden. Doch der Fall der Mauer im Jahr 1989 habe der Welt gezeigt, dass politische und gesellschaftliche Trennlinien nicht dauerhaft sind. Das Brandenburger Tor, einst ein Symbol der Teilung, stehe heute für die Möglichkeit von Versöhnung und Wiedervereinigung. Für Arıkan liegt darin eine politische Lehre: Mauern mögen errichtet werden, doch die Menschheit finde früher oder später Wege, sie wieder zu öffnen.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede galt den Millionen Menschen türkischer Herkunft, die in Europa leben. Ihre Geschichte sei längst nicht mehr nur eine Migrationsgeschichte. Vielmehr seien sie zu einem festen Bestandteil der europäischen Gesellschaften geworden, als Arbeitnehmer, Unternehmer, Wissenschaftler und engagierte Mitglieder der Zivilgesellschaft. Europa, so Arıkan, sei auch ein Raum der Arbeit und des gesellschaftlichen Engagements dieser Gemeinschaft. Daraus ergebe sich zugleich eine politische Verantwortung gegenüber den Belangen der Auslandsbürger. In diesem Zusammenhang sprach er mehrere Forderungen an, die in türkischen Diasporadiskussionen seit Jahren präsent sind: eine stärkere institutionelle Vertretung von Türken im Ausland, eine bessere politische Repräsentation der im Ausland abgegebenen Stimmen im türkischen Parlament sowie administrative Reformen, die das Leben zwischen zwei Ländern erleichtern sollen. Dazu zählen unter anderem Erleichterungen bei Fragen der Staatsbürgerschaft, beim Militärdienst oder bei sozial- und rentenrechtlichen Angelegenheiten.

Gleichzeitig weitete Arıkan den Blick erneut auf globale Fragen. Die technischen und wissenschaftlichen Fortschritte der Gegenwart hätten die Produktionskapazitäten der Welt in bisher ungeahnte Höhen geführt. Wissen wachse exponentiell, Transport und Kommunikation seien einfacher denn je. Dennoch stelle sich eine grundlegende Frage: Bedeutet technologischer Fortschritt automatisch gesellschaftlichen Fortschritt? Arıkan beantwortete diese Frage skeptisch. Während die Welt reicher geworden sei, litten weiterhin Millionen Menschen unter Hunger, fehlendem Zugang zu sauberem Wasser oder mangelnden Wohnmöglichkeiten. Kinderarbeit sei in vielen Regionen weiterhin Realität. Für den Politiker liegt darin ein strukturelles Problem der globalen Ordnung. Die Erde verfüge über ausreichende Ressourcen, doch deren Verteilung sei zutiefst ungerecht. Diese Ungleichheit sei nicht allein ökonomischer Natur, sondern vor allem eine moralische Herausforderung für die internationale Gemeinschaft.

Der Iftar-Empfang in Berlin verband damit religiöse Symbolik mit politischen Botschaften. In der Tradition des Ramadan, der in vielen muslimischen Gesellschaften als Zeit der Selbstreflexion und Solidarität gilt, stellte Arıkan Fragen nach Verantwortung, Gerechtigkeit und globaler Kooperation. Die Wahl Berlins als Veranstaltungsort verlieh diesen Überlegungen zusätzliche Bedeutung. Kaum eine andere europäische Stadt verkörpert so stark die Erfahrung politischer Teilung und die Hoffnung auf Überwindung historischer Grenzen. In diesem Sinne wurde der Abend im Meliá-Hotel zu einem politischen und gesellschaftlichen Dialograum, in dem religiöse Tradition, Diasporapolitik und internationale Fragen miteinander verknüpft wurden.

Von admin