Vom Blub zur neuen Nachbarschaft: 860 Wohnungen in Neukölln eröffnet
Aus dem ehemaligen Freizeitbad Blub ist ein neues Wohnquartier geworden. Auf dem rund 30.000 Quadratmeter großen Gelände in Berlin-Neukölln hat Greystar das Quartier Momento Berlin eröffnet. Insgesamt entstanden 860 Wohnungen, darunter 758 frei finanzierte Mietwohnungen von Greystar und 102 Wohnungen der landeseigenen Berlinovo. Hinzu kommen eine Kita mit mehr als 100 Plätzen, Grünflächen, Sportangebote und rund 1.450 Quadratmeter gemeinschaftlich nutzbare Flächen. Zur Eröffnung am 30. September kam auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner. Das Projekt gehört zu den größeren Neubauvorhaben auf einer früheren Brachfläche in Neukölln.
Besonders sichtbar wurde bei der Eröffnung, wie stark sich der Standort innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit verändert hat. Noch vor wenigen Jahren lag das Gelände des ehemaligen Blub weitgehend brach. Beim Richtfest vor rund 16 Monaten war hier noch eine Baustelle. Nun stehen dort Wohnhäuser, Freiflächen und Gemeinschaftsangebote. Für Wegner ist diese Entwicklung ein Beispiel für das Tempo, das Berlin beim Wohnungsbau künftig erreichen müsse.
„Vom Spaßbad, dann viel zu lange eine Brachfläche, wo nichts passiert ist, hin zu einem neuen Wohnquartier“, beschrieb der Regierende Bürgermeister die Entwicklung des Standorts. 16,5 Monate zwischen Richtfest und Fertigstellung seien aus seiner Sicht eine beachtliche Zeit. Zugleich müsse Berlin bei Genehmigungen und Bauprozessen noch schneller werden. Je länger ein Projekt dauere, desto höher seien in der Regel auch die Kosten, so Wegners Argumentation.
Der Regierende Bürgermeister stellte das Projekt zugleich in den größeren Zusammenhang der Berliner Wohnungspolitik. Die Stadt wachse weiter und steuere nach seiner Darstellung auf vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zu. Deshalb reiche es nicht aus, den vorhandenen Wohnungsbestand lediglich zu verwalten. Berlin müsse zusätzliche Wohnungen schaffen und dafür unterschiedliche Akteure zusammenbringen: landeseigene Wohnungsunternehmen, Genossenschaften und private Investoren.
Gerade diese Zusammenarbeit hob Wegner in Neukölln hervor. Momento Berlin sei ein Beispiel dafür, dass private Entwicklung und landeseigener Wohnungsbau innerhalb eines Quartiers miteinander verbunden werden könnten. Ohne private Investoren werde Berlin die Aufgabe, ausreichend Wohnraum zu schaffen, nach seiner Einschätzung nicht bewältigen. Gleichzeitig brauche es starke kommunale Wohnungsunternehmen als einen Grundpfeiler der Wohnraumversorgung.
Wegner verwies dabei auch auf die städtischen Instrumente, mit denen Berlin den Wohnungsbau beschleunigen will. Dazu zählen nach seinen Worten die neue Bauordnung und das sogenannte Schneller-Bauen-Gesetz. Sein Ziel formulierte er als ein schnelleres „Berlin-Tempo“. Gleichzeitig warb er dafür, vorhandene Brachflächen konsequenter für neue Quartiere zu nutzen.
Eine besondere Rolle innerhalb des Projekts spielt Berlinovo. Geschäftsführer Alf Aleithe verwies auf die 102 Wohnungen, die das landeseigene Unternehmen in dem Quartier übernommen hat. Sie richten sich an Haushalte, die auf geförderten Wohnraum angewiesen sind. Aleithe sprach von einem „höchst attraktiven Angebot“ für eine andere Bedarfsgruppe und betonte, dass die Mischung innerhalb des Quartiers für Berlinovo von besonderer Bedeutung sei.
Berlinovo verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, bezahlbaren Wohnraum und die soziale Durchmischung der Berliner Bestände zu sichern. Die Gesellschaft gehört zu den sieben landeseigenen Wohnungsunternehmen der Stadt. Gemeinsam mit dem Berliner Senat haben diese Unternehmen 2026 eine neue Roadmap vereinbart, die den Bestand und Neubau langfristig weiter ausbauen soll.
Aleithe kündigte bei der Eröffnung zugleich weitere Aktivitäten an. Berlinovo habe sich für die kommenden Jahre eine Zielgröße von 5.000 zusätzlichen Wohnungen gesetzt. Ein Teil davon befinde sich bereits in der Entwicklung beziehungsweise Realisierung. Momento Berlin könne deshalb auch als Beispiel für weitere Kooperationen zwischen kommunalen Unternehmen und privaten Projektpartnern dienen.
Dabei ging es ihm nicht nur um die Zahl der Wohnungen. Aleithe verwies ausdrücklich auf die Bauweise des Quartiers und die Zusammenarbeit mit Bauwens und Goldbeck. Die Diskussion über niedrigere Baukosten und effizientere Standards müsse aus seiner Sicht weitergeführt werden. Berlin brauche angesichts der hohen Grundstücks- und Baukosten neue Wege, um Wohnraum auch für breitere Bevölkerungsschichten schaffen zu können.
Für Greystar stellte Michael Stapf, Managing Director Development Germany & Austria, die Eröffnung ebenfalls als einen besonderen Termin dar. Entscheidend sei nicht allein, dass die Gebäude fertiggestellt seien. Nun müsse sich zeigen, wie die Menschen das Quartier tatsächlich annähmen. „Wenn die Mieterinnen und Mieter sagen: Das ist mein Zuhause, dann haben wir, glaube ich, einen guten Fall geschafft“, sagte Stapf sinngemäß.
Das Konzept von Momento setzt deshalb stark auf gemeinschaftlich nutzbare Flächen. Im Erdgeschoss eines der Gebäude befinden sich Arbeitsplätze, die Bewohnerinnen und Bewohner zusätzlich zu ihren Wohnungen nutzen können. Hinzu kommen ein Fitnessbereich, ein Padel-Court, ein Basketballplatz und weitere Sportmöglichkeiten. Eine Gemeinschaftsküche und Räume für gemeinsame Aktivitäten sollen Begegnungen ermöglichen.
Ein Team vor Ort übernimmt dabei nicht nur organisatorische Aufgaben. Es soll auch die Community im Quartier aufbauen. Gerade für Menschen, die aus anderen Städten oder dem Ausland nach Berlin kommen, könne das eine wichtige Funktion haben, erläuterte Stapf. Die Bewohner sollen sich kennenlernen und aus den unterschiedlichen Angeboten eine eigene Nachbarschaft entwickeln.
Greystar bringt dabei Erfahrungen aus verschiedenen internationalen Märkten ein. Das Unternehmen ist unter anderem in Nordamerika, Europa, Asien und Australien aktiv. Stapf betonte jedoch, dass Wohnkonzepte nicht einfach von einem Land auf ein anderes übertragen werden könnten. „Wohnen ist immer lokal“, lautete seine zentrale Aussage. Deshalb müsse ein Konzept nicht nur an ein Land, sondern auch an eine Stadt und teilweise an den jeweiligen Stadtteil angepasst werden.
Momento Berlin soll genau diese Verbindung schaffen. Die Wohnungen reichen von Studios bis zu Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen und werden möbliert und unmöbliert angeboten. Neben den privaten Wohnungen stehen zahlreiche Gemeinschaftsflächen zur Verfügung. Damit folgt das Projekt einem internationalen Trend des sogenannten Build-to-Rent-Modells, bei dem Mietwohnungen langfristig professionell entwickelt, betrieben und verwaltet werden. Greystar baut sein Engagement in Deutschland und insbesondere in Berlin derzeit weiter aus. Erst im September kündigte das Unternehmen gemeinsam mit Ten Brinke 428 weitere Mietwohnungen in Berlin-Marzahn an.
Auch bei der technischen Ausstattung wurde versucht, den späteren Betrieb mitzudenken. Photovoltaikanlagen auf den Dächern erzeugen Strom. Wärme aus dem Abwasser soll für Heizung und Kühlung genutzt werden. Begrünte Dächer dienen als Retentionsflächen für Regenwasser. Zwischen den Gebäuden entstehen Grün- und Aufenthaltsbereiche sowie Spiel- und Sportflächen.
Die Bauweise ist ebenfalls auf eine vergleichsweise schnelle Realisierung ausgerichtet. Vorgefertigte Bauelemente wurden teilweise bereits mit Fenstern, Leitungen und Verkabelung ausgestattet und anschließend auf der Baustelle montiert. Die Wiederholung bestimmter Bauelemente ermöglichte eine rationellere Produktion, während unterschiedliche Grundrisse und individuell gestaltete Gemeinschaftsflächen erhalten blieben.
Die Eröffnung war zugleich ein Blick auf die künftige Nachbarschaft. Junge Musikerinnen und Musiker der Musikschule Neukölln begleiteten die Veranstaltung. Bewohnerinnen und Bewohner konnten das Quartier bei Führungen kennenlernen. Noch sind einzelne Arbeiten an den Außenflächen nicht vollständig abgeschlossen, doch die Konturen des neuen Stadtteils sind bereits deutlich erkennbar.
Damit steht Momento Berlin exemplarisch für eine Entwicklung, die Berlin angesichts des anhaltenden Wohnungsbedarfs weiter beschäftigen wird: Wie lassen sich große Mengen neuer Wohnungen schneller bauen, wie können Baukosten begrenzt werden und wie lässt sich dabei eine soziale Mischung innerhalb neuer Quartiere erreichen? In Neukölln wurde dafür ein Modell geschaffen, das private Mietwohnungen mit gefördertem Wohnraum, Kita, Grünflächen und gemeinschaftlicher Infrastruktur verbindet.
Aus dem ehemaligen Blub ist damit mehr geworden als eine Ansammlung neuer Wohnhäuser. Auf dem früheren Freizeitbadgelände ist eine neue Nachbarschaft entstanden. Ob sie auch tatsächlich zu einem lebendigen Quartier wird, entscheidet sich allerdings erst im Alltag. Genau darauf verwies auch Greystar bei der Eröffnung: Die Gebäude sind fertig, das eigentliche Leben beginnt erst jetzt.
