MyWay 2026: Wo Deutschlands Mittelstand über seine Zukunft diskutiert
Im Berliner Westhafen trafen sich am 23. und 24. September Unternehmerinnen und Unternehmer, politische Entscheidungsträger und Vertreter aus Technologie, Wissenschaft und Wirtschaft zum Strategiegipfel MyWay. Die von The Pioneer veranstaltete Konferenz fand zum vierten Mal statt und richtete sich insbesondere an Familienunternehmen und den Mittelstand. Austragungsort war das Westhafen Event & Convention Center, eine ehemalige Industrieanlage am Berliner Westhafen.
Im Mittelpunkt stand eine Frage, die derzeit viele Unternehmen beschäftigt: Wie lässt sich in einer wirtschaftlich und geopolitisch unsicheren Lage langfristig handlungsfähig bleiben? Das Programm verband deshalb klassische Themen der Unternehmensführung mit Fragen, die in den vergangenen Jahren deutlich an Gewicht gewonnen haben. Künstliche Intelligenz, geopolitische Veränderungen, Kapital, Internationalisierung, Nachfolge und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland gehörten zu den zentralen Themen der beiden Veranstaltungstage. Das Programm umfasste mehrere Bühnen sowie Masterclasses und vertiefende Gesprächsformate.
Dabei ging es auffällig häufig um die praktische Seite der Digitalisierung. Auf einer Session wurde etwa die Frage diskutiert, wie Unternehmen KI-Agenten tatsächlich in ihre Arbeitsabläufe integrieren können. Andere Formate beschäftigten sich mit dem Einsatz von KI im Mittelstand, mit Standardisierung und der Reduzierung von Komplexität. Der Ansatz unterscheidet sich damit von vielen allgemeinen Digitalisierungsdebatten: Nicht die Technologie als Selbstzweck stand im Vordergrund, sondern ihre mögliche Wirkung auf Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle. Auch SAP brachte sich mit einem Programm zur Frage ein, wie europäische technologische Stärke und industrielle Kompetenz zusammengebracht werden können.
Politik war ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der MyWay. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sprach mit Gabor Steingart über die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands und die Frage, wie ein Aufschwung gelingen kann. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst diskutierte über die wirtschaftliche und politische Lage. Hinzu kam ein World Briefing mit dem ehemaligen Bundesaußenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel, bei dem die Verschiebungen der internationalen Ordnung und deren Folgen für Unternehmen im Mittelpunkt standen.
Bemerkenswert war zudem das sogenannte MyWay Parlament. Dabei wurde das Konferenzformat bewusst umgedreht: Unternehmerinnen und Unternehmer sollten nicht nur zuhören, sondern selbst wirtschaftspolitische Fragen diskutieren und Vorschläge formulieren. Mit Katharina Beck, Florian Dorn, Leif-Erik Holm und Armand Zorn nahmen Abgeordnete aus vier Bundestagsfraktionen daran teil. Das Format sollte den direkten Austausch zwischen Unternehmenspraxis und Politik ermöglichen.
Neben Wirtschaft und Politik spielte auch die Frage eine Rolle, wie Unternehmen mit den Folgen geopolitischer Veränderungen umgehen. Verschiebungen bei Lieferketten, Handelsbeziehungen und internationalen Märkten sind für exportorientierte Unternehmen keine abstrakten außenpolitischen Themen mehr. Sie wirken unmittelbar auf Beschaffung, Investitionen und Absatzmärkte. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Weltpolitik und Unternehmensstrategie setzte die MyWay an.
Auch Themen jenseits klassischer Wirtschaftskonferenzen fanden Platz. Eine Live-Painting-Performance verband Musik und bildende Kunst, während Formate zu Führung, Resilienz und persönlicher Entscheidungsfähigkeit den Blick auf die Menschen hinter den Unternehmen richteten. Die offizielle Programmübersicht umfasste mehr als 120 Speaker und sieben unterschiedliche Bühnen.
Die MyWay versteht sich damit weniger als klassische Fachmesse denn als Mischung aus Wirtschaftskonferenz, politischem Forum und Netzwerkveranstaltung. Der Anspruch ist ambitioniert: Familienunternehmen sollen nicht lediglich über die Krisen der Gegenwart sprechen, sondern über Investitionen, neue Technologien und Märkte, mit denen sie ihre langfristige Position sichern können. Dass die Veranstalter dafür den Begriff „Zuversicht“ ins Zentrum stellten, ist dabei weniger eine ökonomische Prognose als eine Haltung zur Unternehmensführung. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben schwierig, doch gerade langfristig orientierte Unternehmen müssen Entscheidungen treffen, obwohl sich die Bedingungen nicht vollständig vorhersehen lassen.
Für Berlin ist die Veranstaltung auch deshalb interessant, weil sie die Hauptstadt für zwei Tage als Treffpunkt eines Teils der deutschen Unternehmenslandschaft nutzte. Im WECC am Westhafen kamen Mittelständler, Familienunternehmer, Politiker und Technologiefachleute zusammen. Die nächste MyWay ist bereits für den 16. und 17. September 2027 angekündigt.
