In der Botschaft der Republik Türkiye in Berlin trafen sich beim Sommerfest des Deutschen Reiseverbands (DRV) Vertreter aus Politik, Diplomatie und Tourismuswirtschaft zu einem Austausch über die Zukunft des Reisens. Die Veranstaltung war weit mehr als ein gesellschaftlicher Empfang. In einer Zeit geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheiten und wachsender Debatten über Nachhaltigkeit wurde deutlich, welche politische und gesellschaftliche Bedeutung dem internationalen Tourismus inzwischen zugeschrieben wird.

Der türkische Botschafter in Deutschland, Gökhan Turan, stellte in seiner Rede die Entwicklung der Türkei zu einer der weltweit bedeutendsten Tourismusdestinationen heraus. Nach Angaben der türkischen Regierung verzeichnete das Land im Jahr 2025 rund 64 Millionen internationale Besucher und Tourismuseinnahmen von mehr als 65 Milliarden US-Dollar. Damit gehört die Türkei inzwischen zu den meistbesuchten Reiseländern der Welt. Besonders gefragt seien bei deutschen Gästen weiterhin die Regionen an der Türkischen Riviera, die Ägäisküste sowie die Metropole Istanbul. Gleichzeitig bemühe sich das Land um eine stärkere Diversifizierung seines touristischen Angebots mit kulturellen, archäologischen und sporttouristischen Angeboten.

Turan betonte dabei die wachsende Bedeutung des Kulturtourismus. Neue Ausstellungen, archäologische Forschungsprojekte und landesweite Kulturfestivals sollen dazu beitragen, den Tourismus über die klassische Sommersaison hinaus auszubauen. Die Türkei positioniert sich zunehmend als Ganzjahresdestination und investiert verstärkt in die Inszenierung ihres kulturellen Erbes. Gleichzeitig verwies der Botschafter auf die internationale Sichtbarkeit des Landes durch Großveranstaltungen und politische Gipfeltreffen.

Für die deutsche Reisewirtschaft unterstrich DRV-Präsident Albin Loidl die herausragende Bedeutung der Türkei als Urlaubsziel der Deutschen. Mehr als sechs Millionen deutsche Reisende hätten im vergangenen Jahr ihren Urlaub dort verbracht. Ausschlaggebend seien neben einer gut ausgebauten touristischen Infrastruktur vor allem die Gastfreundschaft sowie das weiterhin attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis. Zugleich räumte Loidl ein, dass Preissteigerungen und geopolitische Entwicklungen die Buchungsdynamik zeitweise gebremst hätten. Dennoch zeigte er sich überzeugt, dass die Türkei ihre starke Position auf dem deutschen Reisemarkt behaupten werde. Bereits wenige Tage zuvor hatte Loidl beim deutsch-türkischen Wirtschaftsdialog in Ankara die strategische Bedeutung der touristischen Partnerschaft zwischen beiden Ländern hervorgehoben. gegenseitiges Verständnis und stärke den Austausch zwischen Kulturen. Gerade in einer Welt, die zunehmend von Konflikten, nationalen Interessen und geopolitischen Spannungen geprägt sei, komme dem Tourismus eine besondere verbindende Funktion zu.

Ploß verteidigte zugleich die Bedeutung des Auslandsreisens gegen Forderungen nach einer generellen Einschränkung des Flugverkehrs. Die Bundesregierung wolle den Luftverkehr klimafreundlicher gestalten, ohne Mobilität grundsätzlich einzuschränken. Entsprechend sei die Stärkung des Luftfahrtstandorts Deutschland ein wichtiger Bestandteil der nationalen Tourismusstrategie. Reisen dürfe nicht als verzichtbarer Luxus betrachtet werden, sondern sei ein wesentlicher Bestandteil internationaler Vernetzung und wirtschaftlicher Entwicklung.

Das Sommerfest machte damit sichtbar, wie eng Tourismus, Außenpolitik und Wirtschaft inzwischen miteinander verflochten sind. Die deutsch-türkischen Beziehungen profitieren seit Jahrzehnten von intensiven Reisebewegungen in beide Richtungen. Millionen Menschen mit familiären, kulturellen oder wirtschaftlichen Verbindungen zwischen beiden Ländern tragen dazu bei, dass Tourismus weit über die reine Freizeitgestaltung hinausreicht. Er wird zunehmend als Instrument der Verständigung, der wirtschaftlichen Kooperation und der internationalen Vernetzung verstanden.

Vor diesem Hintergrund erhielt der Veranstaltungsort eine besondere Symbolik. Die türkische Botschaft in Berlin wurde für einen Abend zum Treffpunkt einer Branche, die von Offenheit, Mobilität und grenzüberschreitenden Beziehungen lebt. Die Botschaft der Redner war dabei eindeutig: Gerade in Zeiten globaler Unsicherheit bleibt Reisen ein wichtiger Brückenbauer zwischen Gesellschaften und Staaten.

Von admin