Beim Richtfest am Berkenbrücker Steig 18–19 stand weniger das Gebäude selbst im Mittelpunkt als die politischen und unternehmerischen Perspektiven, die mit ihm verbunden sind. Martin Schaefer, Bürgermeister von Lichtenberg Stadtteil Alt-Hohenschönhausen, ordnete das Bauvorhaben in seiner Ansprache in die übergeordnete Entwicklung des Bezirks ein. Lichtenberg, so Schaefer, gehöre seit Jahren zu den Berliner Bezirken mit der höchsten Bautätigkeit. Der anhaltende Zuzug und der Druck auf den Wohnungsmarkt machten es notwendig, neue Quartiere zügig, aber zugleich verantwortungsvoll zu entwickeln. Dabei betonte er die Rolle des Bezirks als vermittelnde Instanz zwischen Investoren, Verwaltung und Anwohnerschaft. Neubau sei kein Selbstzweck, sondern müsse sich an Fragen der sozialen Durchmischung, der Infrastruktur und der städtebaulichen Qualität messen lassen.
Deutlich wirtschaftlicher argumentierte Dr. Clemens Paschke, Geschäftsführer der wvm Berlin. Er erinnert an das Zitat Alt-Hohenschönhausen ist ein architektonisches Experimentierfeld: von Neogotik bis Platte!. Er hob hervor, dass Projekte wie am Berkenbrücker Steig nur dann realisierbar seien, wenn Planungssicherheit, Genehmigungsverfahren und Bauausführung ineinandergreifen. Der Wohnungsneubau in Berlin sei längst zu einem Balanceakt geworden zwischen steigenden Baukosten, regulatorischen Anforderungen und dem politischen Anspruch auf bezahlbaren Wohnraum. Paschke verwies darauf, dass der Standort Lichtenberg aufgrund seiner guten Verkehrsanbindung und der Nähe zu gewachsenen Quartieren zunehmend an Bedeutung gewinne. Investitionen hier seien Ausdruck eines langfristigen Engagements und kein kurzfristiges Marktspiel.
David Fischer, ebenfalls Geschäftsführer der wvm Berlin, rückte stärker die Perspektive der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner in den Vordergrund. Er sprach von der Verantwortung privater Projektentwickler, nicht nur Wohnfläche zu schaffen, sondern lebenswerte Räume. Architektur, Grundrisse und Freiflächen müssten so geplant sein, dass sie unterschiedlichen Lebensentwürfen gerecht werden. Gerade in einem Gebiet, das sich zwischen Hohenschönhausen, Weißensee und Lichtenberg dynamisch verändert, entscheide die Qualität einzelner Projekte darüber, ob neue Quartiere Akzeptanz finden oder als Fremdkörper wahrgenommen werden.
Aus Sicht der Bauwirtschaft sprach Sebastian Bethge, Niederlassungsleiter der GOLDBECK Nordost GmbH. Seine Rede machte deutlich, wie sehr der Erfolg solcher Projekte von der praktischen Umsetzung abhängt. Termin- und Kostentreue seien unter den aktuellen Rahmenbedingungen keine Selbstverständlichkeit mehr. Lieferengpässe, Fachkräftemangel und steigende Materialpreise verlangten flexible Baukonzepte und eine enge Abstimmung zwischen allen Beteiligten. Bethge betonte, dass industriell geprägte Bauweisen dabei helfen könnten, Effizienz und Qualität miteinander zu verbinden, ohne gestalterische Ansprüche aufzugeben.
Die Redebeiträge verband ein gemeinsamer Grundton: Das Richtfest wurde als Moment des Innehaltens verstanden, nicht als Abschluss, sondern als Zwischenstation in einem langfristigen Transformationsprozess. Rund um den Berkenbrücker Steig entstehen parallel größere Wohnungsbauprojekte, von landeseigenen Gesellschaften ebenso wie von privaten Entwicklern. Zusammen mit geplanten Schulen und weiteren Infrastruktureinrichtungen formt sich hier ein urbaner Raum, der exemplarisch für die Entwicklung des Berliner Nordostens steht. Die Worte der Redner machten deutlich, dass dieser Prozess von politischen Entscheidungen, wirtschaftlichen Kalkülen und praktischer Bauarbeit gleichermaßen geprägt ist – und dass das Gelingen des Wohnungsneubaus weniger von einzelnen Projekten abhängt als von ihrem Zusammenspiel.
