Wenn sich im Februar die internationale Filmbranche zu den Internationale Filmfestspiele Berlin versammelt, ist Sachsen-Anhalt kein Randakteur, sondern Teil der Produktionsrealität. Fünf Filme, die mit Unterstützung der Mitteldeutsche Medienförderung entstanden sind, feiern bei der 76. Ausgabe des Festivals ihre Weltpremiere, drei davon im Wettbewerb. Das ist kulturpolitisch bemerkenswert, vor allem aber verweist es auf eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet: Regionale Filmförderung ist längst nicht mehr nur Standortpolitik, sondern integraler Bestandteil künstlerischer Wertschöpfung. Im Wettbewerb laufen „Etwas ganz Besonderes“ von Eva Trobisch, „Meine Frau weint“ von Angela Schanelec und „Rose“ von Markus Schleinzer. Hinzu kommen „Tegenwoordig heet iedereen Sorry“ von Frederike Migom in der Sektion Generation Kplus sowie der Dokumentarfilm „Szenario“ von Marie Wilke im Forum. Dass gleich drei Wettbewerbsbeiträge mit mitteldeutscher Förderung realisiert wurden, ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer strategisch ausgerichteten Förderpraxis, die auf Stoffentwicklung, internationale Koproduktionen und technische Infrastruktur gleichermaßen setzt. Sichtbar wird das etwa im Mitteldeutsches Multimediazentrum in Halle an der Saale, wo Teile der Postproduktion mehrerer Filme umgesetzt wurden. Solche Einrichtungen sind für Produzenten längst ein Standortfaktor, weil sie Qualität, Planungssicherheit und regionale Vernetzung verbinden. Auch „Meine Frau weint“, produziert von Blue Monticola Film aus Magdeburg in Koproduktion mit Partnern aus Paris und Leipzig, steht exemplarisch für diese transnationale Arbeitsweise. Film entsteht heute in Netzwerken, nicht in nationalen Silos. „Rose“ wiederum, mit Sandra Hüller in der Titelrolle, wurde unter anderem im Glasebachtal im Harz gedreht. Dass ein international gefragtes Ensemble an einem abgelegenen Ort in Sachsen-Anhalt arbeitet, zeigt, wie sehr sich die Wahrnehmung vermeintlicher Peripherien verschoben hat. Landschaft wird hier nicht als Kulisse folkloristischer Heimatbilder genutzt, sondern als atmosphärischer Resonanzraum für komplexe Figuren. Ähnliches gilt für „Szenario“, der auf dem Truppenübungsplatz Altmark bei Gardelegen entstand und dokumentarische Beobachtung mit politischer Analyse verbindet. Die Region wird zum Schauplatz zeitdiagnostischer Erzählungen. Kulturpolitisch flankiert wird diese Präsenz durch ein Berlinale-Presse-Café, das von Staatskanzlei, Kulturministerium und MDM organisiert wird und Branchenvertreter aus Mitteldeutschland zusammenbringt. Solche Formate sind weniger Schaulaufen als Arbeitsplattform. Hier verdichten sich Kontakte, hier entstehen künftige Koproduktionen. Dass zugleich der in Sangerhausen gedrehte Film „Phantoms of July“ auf der Shortlist für den Location Award des European Film Commissions Network steht, unterstreicht die wachsende Bedeutung der Region als Drehort. Filmförderung in Sachsen-Anhalt operiert damit auf zwei Ebenen: Sie stärkt die lokale Infrastruktur und bindet sie zugleich in europäische Produktionsketten ein. Für das Festival in Berlin bedeutet das eine inhaltliche Bereicherung. Für das Land ist es ein Signal, dass kulturelle Investitionen nicht nur symbolisches Kapital erzeugen, sondern konkrete künstlerische Resultate. In Zeiten angespannter öffentlicher Haushalte ist das ein Argument, das über den roten Teppich hinausweist.
