Sommerfest des Handels: Branche fordert mehr wirtschaftspolitischen Mut und bessere Rahmenbedingungen

Beim Sommerfest des Handels in Berlin haben die Spitzenvertreter des Einzel-, Groß- und Außenhandels die wirtschaftliche Lage der Branche in den Mittelpunkt gestellt. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) und der Handelsverband Deutschland (HDE) hatten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden zum Austausch eingeladen. Die Veranstaltung hat sich als wichtiger Treffpunkt der Handelsbranche etabliert und bot den Rahmen für die Reden von HDE-Präsident Dr. Alexander von Preen und BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura.

Dr. Alexander von Preen, Präsident des Handelsverbandes Deutschland, betonte in seiner Rede die zentrale Rolle des Handels für Wirtschaft und Gesellschaft. Der Einzelhandel stehe derzeit vor einem tiefgreifenden Wandel: Verändertes Konsumverhalten, Digitalisierung, steigende Kosten und wachsende regulatorische Anforderungen würden die Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen stellen. Gleichzeitig sei der Handel ein wichtiger Stabilitätsfaktor, weil er Arbeitsplätze sichere, Versorgung gewährleiste und Innovationen in den Alltag der Menschen bringe.

Besonders deutlich wurde die Sorge der Branche angesichts der Entwicklung beim Ladendiebstahl. Der wirtschaftliche Schaden hat nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI eine neue Rekordhöhe erreicht. Erstmals überschritten die Verluste im Einzelhandel die Marke von drei Milliarden Euro. Der HDE sieht darin zunehmend ein Problem, das nicht allein einzelne Unternehmen betrifft, sondern die gesamte Sicherheitslage im Handel. Vor allem organisierte Tätergruppen bereiten der Branche Sorgen. Von Preen und der HDE fordern deshalb stärkere politische Unterstützung, eine effektivere Strafverfolgung und bessere Möglichkeiten für Prävention.

Auch der digitale Euro war ein zentrales Thema der Diskussionen. Der Handel steht der Einführung einer europäischen digitalen Währung grundsätzlich offen gegenüber, verbindet damit aber klare Erwartungen. Entscheidend sei, dass das neue Zahlungssystem für Unternehmen praktikabel und wirtschaftlich tragfähig gestaltet werde. Gerade kleinere Händler dürften nicht durch zusätzliche Gebühren belastet werden. Der digitale Euro könne nur erfolgreich sein, wenn er im Alltag des Handels Akzeptanz finde.

BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura richtete den Blick stärker auf die Lage des Groß- und Außenhandels sowie die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. In seiner Rede verwies er auf die Belastungen durch hohe Kosten, Bürokratie und internationale Unsicherheiten. Der Großhandel sei ein wichtiger Bestandteil der wirtschaftlichen Wertschöpfungsketten und spüre Veränderungen bei Energiepreisen, Lieferketten und globalen Handelsbeziehungen unmittelbar.

Jandura forderte von Politik und Verwaltung mehr Tempo bei Reformen. Unternehmen benötigten verlässliche Rahmenbedingungen, weniger bürokratische Hürden und bessere Voraussetzungen für Investitionen. Bereits zuvor hatte der BGA-Präsident darauf hingewiesen, dass viele mittelständische Betriebe unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stünden und Deutschland strukturelle Veränderungen dringend vorantreiben müsse.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen lag auf der Bedeutung offener Märkte und internationaler Handelsbeziehungen. Gerade in einer Zeit zunehmender geopolitischer Spannungen müsse Europa seine wirtschaftliche Handlungsfähigkeit stärken. Für den exportorientierten deutschen Mittelstand seien stabile Handelsbeziehungen und ein verlässlicher europäischer Rahmen entscheidend.

Das Sommerfest des Handels zeigte damit die Spannungsfelder, in denen sich die Branche bewegt: zwischen Digitalisierung und Kostenbelastungen, zwischen globalem Wettbewerb und nationalen Reformaufgaben. Die Botschaft der beiden Verbandspräsidenten war eindeutig: Der Handel braucht politische Verlässlichkeit, damit Unternehmen investieren, Arbeitsplätze sichern und ihre Rolle als wirtschaftliche Grundlage des Landes weiter erfüllen können.

 

Von admin