Super Super Markt erhält den VBKI-Preis für Berliner Galerien
Die Berliner Galerie Super Super Markt ist mit dem VBKI-Preis BERLINER GALERIEN 2026 ausgezeichnet worden. Den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt die 2022 von Julius Jacobi und Rory Kirk-Duncan gegründete Galerie für ihre Ausstellung „Volumen“ der japanisch-amerikanischen Künstlerin Adrienne Maki. Die Auszeichnung wurde am Freitagabend im PalaisPopulaire im Rahmen der Berlin Art Week verliehen. Die beiden weiteren Finalisten, die galerie burster aus Kreuzberg und die Gallery Gudmundsdottir aus Mitte, erhielten Anerkennungspreise von jeweils 2.500 Euro.
Mit der Entscheidung setzt der Preis im zehnten Jahr seines Bestehens ein Zeichen für eine Galerielandschaft, die sich zunehmend zwischen klassischem Kunsthandel, kuratorischer Arbeit und neuen Formen der Vermittlung bewegt. Super Super Markt war zunächst als nomadisches Ausstellungsprojekt in wechselnden Räumen entstanden und eröffnete 2024 einen festen Standort an der Brunnenstraße in Mitte. Die Galerie versteht sich zugleich als Ausstellungsort und als Community. Ihr Anspruch ist es, zeitgenössische Kunst einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und jüngere internationale Positionen aufzubauen. Die Ausstellung „Volumen“ markierte dabei die erste europäische Einzelausstellung von Adrienne Maki. Ihre Arbeiten verbinden Einflüsse des russischen Konstruktivismus, der japanischen Industriearchitektur und des amerikanischen Abstrakten Expressionismus mit einer Annäherung an den Minimalismus. Die für Berlin entstandenen Werke verbinden Malerei und Skulptur und wurden während eines zweimonatigen Aufenthalts der Künstlerin in der Stadt entwickelt.
Die Jury bewertete dabei nicht allein die einzelne Ausstellung, sondern auch das Konzept und den Gesamtauftritt der Galerien. In ihrer Laudatio hob Anja Mosbeck, Künstlerische Direktorin und Koordinatorin der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank, bei Super Super Markt insbesondere die Verbindung von unternehmerischem Mut und kuratorischer Offenheit hervor. Die Galerie erweitere das traditionelle Modell des Ausstellungsraums durch Offsite-Projekte, Publikationen, Veranstaltungen und digitale Vernetzung. Entscheidend sei dabei die Verbindung eines internationalen Programms mit einem niedrigschwelligen Zugang zur Kunst. Damit verweist die Auszeichnung zugleich auf eine Entwicklung, die für den Berliner Kunstmarkt von größerer Bedeutung ist: Galerien treten nicht mehr nur als Vermittler zwischen Künstlern und Sammlern auf, sondern zunehmend auch als Orte öffentlicher Auseinandersetzung und sozialer Begegnung.
Dass diese Arbeit Aufmerksamkeit verdient, ist auch der Ausgangspunkt des VBKI-Preises. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller und der Landesverband Berliner Galerien vergeben die Auszeichnung seit 2017. Sie richtet sich an professionell arbeitende Berliner Galerien, die zwischen drei und 15 Jahren am Markt sind. Der Preis soll insbesondere jüngere Galerien unterstützen und zugleich die Position Berlins als internationalen Kunstmarktstandort stärken. Insgesamt werden 15.000 Euro vergeben. Neben den 10.000 Euro für den Hauptpreis erhalten die beiden weiteren Shortlist-Galerien jeweils 2.500 Euro.
Die diesjährige Auswahl machte zugleich deutlich, wie unterschiedlich die Strategien junger Berliner Galerien inzwischen sind. Die galerie burster, 2014 von Rita Burster gegründet und heute mit Standorten in Berlin und Karlsruhe vertreten, zeigte zur Berlin Art Week die Gruppenausstellung „TRACE METALS“. Im Mittelpunkt standen urbane Oberflächen, Spuren öffentlicher Räume, Materialität und die gesellschaftliche Bedeutung von Stadt. Gallery Gudmundsdottir, 2020 von der isländischen Kuratorin, Musikwissenschaftlerin und Geigerin Gudny Thora Gudmundsdottir gegründet, präsentierte dagegen mit „RHETORICAL SILENCE“ eine Arbeit des Künstlers Mathias Gramoso, die Wahrnehmung unter Bedingungen radikaler sensorischer und kommunikativer Reduktion untersuchte.
Der Galerienpreis ist damit auch ein Spiegel der Berliner Kunstszene, in der sich wirtschaftliche Interessen und kulturelle Vermittlung nicht voneinander trennen lassen. Galerien übernehmen erhebliche Risiken, wenn sie unbekannte Künstler aufbauen, Ausstellungen finanzieren und internationale Netzwerke entwickeln. Gleichzeitig sind sie auf Sammler, Institutionen und öffentliche Aufmerksamkeit angewiesen. Der Preis versucht, diese häufig wenig sichtbare Arbeit stärker ins Bewusstsein zu rücken. Der Vorjahrespreisträger Robert Grunenberg berichtete nach seiner Auszeichnung, dass sich die Sichtbarkeit seiner Galerie sowohl innerhalb der Berliner Szene als auch darüber hinaus deutlich erhöht habe.
Seit der ersten Vergabe 2017 ging der Hauptpreis unter anderem an die Galerien Sexauer, Daniel Marzona, Schwarz Contemporary, ChertLüdde, Alexander Levy, Thomas Fischer, Office Impart, Anton Janizewski und 2025 an Robert Grunenberg. Im Jubiläumsjahr reiht sich Super Super Markt nun in diese Liste ein. Die Auszeichnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Berlin zwar weiterhin zu den bedeutenden Kunststandorten Europas zählt, der Kunstmarkt selbst aber noch Entwicklungspotenzial besitzt. Genau an dieser Schnittstelle setzt der VBKI-Preis an: Er will nicht nur einzelne Ausstellungen würdigen, sondern die Galerien als wirtschaftliche und kulturelle Infrastruktur einer internationalen Kunststadt sichtbarer machen.
