Mit Blick auf den Französischer Dom hat das Hilton Berlin Ende Februar einen Bereich geöffnet, der lange eher architektonische Geste als gastronomische Adresse war. Unter der markanten Glaskuppel am Gendarmenmarkt firmiert nun die „Beletage“, ein Restaurant- und Veranstaltungsort, der zugleich Teil einer umfassenden Neupositionierung des Hauses ist. Parallel dazu wurde eine neu gestaltete Executive Lounge in Betrieb genommen. Beide Projekte sind Bausteine einer Renovierungsstrategie, mit der eines der größten Konferenz- und Businesshotels der Hauptstadt sein Profil im Wettbewerb der gehobenen Stadthotellerie schärfen will.

Der Gendarmenmarkt zählt zu den architektonisch geschlossensten Plätzen Berlins. Deutscher und Französischer Dom sowie das Konzerthaus prägen ein klassizistisches Ensemble, das seit Jahren touristischer Anziehungspunkt und repräsentative Adresse für Politik, Wirtschaft und Kultur ist. Das Hilton, 1990 eröffnet und mit rund 600 Zimmern eines der größten Hotels der Stadt, bildet die südliche Platzkante. Seine Glaskuppel nimmt formal Bezug auf die benachbarten Sakralbauten, blieb jedoch bislang vor allem visuelles Signet. Mit der „Beletage“ wird dieser Raum nun programmatisch aufgeladen.

Auf rund 460 Quadratmetern soll ein wandelbarer Ort entstanden sein, der mittags und abends als Restaurant fungiert, den traditionsreichen Sonntagsbrunch des Hauses beherbergt und zugleich als Eventfläche genutzt werden kann. Perspektivisch ist eine Erweiterung auf über 500 Quadratmeter vorgesehen. In einer Stadt, deren Spitzengastronomie sich in den vergangenen Jahren weiter ausdifferenziert hat, ist dies ein ambitioniertes Unterfangen. Die kulinarische Leitung liegt bei Lena König, die eine klassisch französische Handschrift mit regionalen Produkten verbinden will. Auf der Karte stehen Gerichte wie Dry Aged Rindertatar, Coq au Vin mit Riesling oder konfierter Kabeljau mit Beurre blanc, ergänzt um saisonale Zutaten aus Brandenburg. Der programmatische Titel „French Opulence meets Berlin’s Vibrancy“ wirkt selbstbewusst, verweist aber auf ein bekanntes Spannungsfeld: internationale Grandhotelküche auf der einen, lokale Produktorientierung auf der anderen Seite.

Zeitgleich setzt das Hotel stärker auf die Segmentierung seiner Gästeschaft. Die neue Executive Lounge richtet sich an Gäste höherer Zimmerkategorien sowie an Mitglieder des Loyalitätsprogramms Hilton Honors mit entsprechendem Status. Auf rund 50 Quadratmetern werden Arbeitsmöglichkeiten, Rückzugsräume und ganztägige Verpflegung angeboten. Solche Lounges gehören im internationalen Vergleich längst zum Standard größerer Businesshotels. In Berlin jedoch, wo sich der Markt zwischen Designhotels, Boutiqueadressen und internationalen Ketten ausdifferenziert hat, sind sie auch Ausdruck einer klaren Positionierung im Premiumsegment. Das Hilton reagiert damit auf veränderte Erwartungen einer Klientel, die Aufenthaltsqualität, Privatsphäre und flexible Nutzungsmöglichkeiten voraussetzt.

Die Eröffnung von Beletage und Executive Lounge fügt sich in eine umfassendere Modernisierung ein. Bereits im vergangenen Jahr wurden Zimmer und Suiten renoviert, weitere Maßnahmen im Bereich Food and Beverage sowie in den öffentlichen Zonen sind angekündigt. Für ein Haus dieser Größe ist eine solche Erneuerung weniger Kür als Notwendigkeit. Der Berliner Hotelmarkt gilt trotz konjunktureller Schwankungen als einer der wettbewerbsintensivsten Europas. Neben internationalen Ketten investieren auch privat geführte Häuser kontinuierlich in Design, Gastronomie und Servicekonzepte.

Ob die Beletage sich als eigenständige kulinarische Adresse etablieren kann, wird sich nicht allein an der Architektur oder am Blick auf den Französischen Dom entscheiden, sondern an der Konstanz der Küche und der Fähigkeit, sowohl Hotelgäste als auch Berliner anzusprechen. Der Gendarmenmarkt bietet dafür eine prominente Bühne. Die Glaskuppel, bislang architektonisches Versprechen, ist nun mit einem inhaltlichen Anspruch gefüllt. In einer Stadt, die sich gastronomisch immer wieder neu erfindet, ist das ein Schritt, der über reine Renovierungsrhetorik hinausweisen muss.

Von admin