Mit der Grundsteinlegung für das Wohnprojekt „Marlene 21“ in Potsdam-Babelsberg nimmt ein weiteres Bauvorhaben Gestalt an, das exemplarisch für die gegenwärtige Entwicklung der Region steht: das enge Zusammenspiel von wachsender Wissens- und Medienwirtschaft und einem angespannten Wohnungsmarkt. Auf einem rund 5.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Marlene-Dietrich-Allee entstehen sechs Stadtvillen, von denen vier dem Wohnen vorbehalten sind. Insgesamt sollen 53 Eigentumswohnungen realisiert werden, ergänzt durch zwei gewerblich genutzte Gebäude. Bereits zur Grundsteinlegung war mehr als die Hälfte der Einheiten verkauft oder reserviert – ein Befund, der weniger auf die Attraktivität eines einzelnen Projekts verweist als auf strukturelle Engpässe in der Region. Babelsberg, traditionell geprägt durch die Filmstudios und in den vergangenen Jahren zunehmend durch Hochschulen, Forschungsinstitute und Medienunternehmen erweitert, verzeichnet seit längerem eine steigende Nachfrage nach Wohnraum. Die Nähe zu Berlin, die gute Verkehrsanbindung und die vergleichsweise hohe Lebensqualität am Rand von Seen und Grünflächen verstärken diesen Trend. Vor diesem Hintergrund erscheint „Marlene 21“ weniger als singuläres Bauprojekt denn als Teil einer kontinuierlichen Verdichtung. Die geplanten Wohnungen reichen von Zwei- bis Fünf-Zimmer-Einheiten mit Wohnflächen zwischen 58 und 145 Quadratmetern und richten sich damit sowohl an Einpersonenhaushalte als auch an Familien – ein Zuschnitt, der die soziale Durchmischung zumindest im Ansatz fördern könnte, wenngleich es sich ausschließlich um Eigentum handelt. Die Ausstattung entspricht dem gehobenen Neubausegment: barrierearme Erschließung per Aufzug, Fußbodenheizung, dreifachverglaste Fenster sowie private Außenflächen in Form von Terrassen, Balkonen oder Dachterrassen. Ergänzt wird das Ensemble durch eine Tiefgarage mit Ladeinfrastruktur, was den wachsenden Anforderungen an Elektromobilität Rechnung trägt. Städtebaulich knüpft das Projekt mit seinem Art-Déco-inspirierten Erscheinungsbild an die historische Prägung Babelsbergs an, ohne diese zu reproduzieren. Die eigentliche Dynamik entfaltet sich jedoch weniger in der Architektur als in der ökonomischen Logik dahinter: Für Kapitalanleger wird auf steuerliche Anreize wie die degressive Abschreibung verwiesen, während Eigennutzer von der Lagegunst profitieren. Damit spiegelt das Projekt eine Entwicklung, die in vielen wachsenden Städten zu beobachten ist: Wohnen wird zunehmend als Anlagegut gedacht, während gleichzeitig der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum weiter steigt. Bis Herbst 2027 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein – zu einem Zeitpunkt, an dem sich zeigen wird, ob Projekte wie „Marlene 21“ tatsächlich zur Entlastung des Marktes beitragen oder vor allem die bestehende Nachfrage im hochpreisigen Segment bedienen.

Von admin