Vor dem Hintergrund zunehmender Hitzeperioden, längerer Trockenphasen und häufiger Extremwetterereignisse geraten historische Gärten und Parks in Brandenburg unter erheblichen Anpassungsdruck. Was lange Zeit vor allem als Aufgabe der Denkmalpflege galt, entwickelt sich zunehmend zu einer Frage der Klimaresilienz. Bei einer Sommer-Pressefahrt durch die Schlossparks von Baruth, Altdöbern und Lauchhammer machten Kulturministerin Dr. Manja Schüle, Infrastrukturminister Robert Crumbach und Landeskonservator Prof. Dr. Thomas Drachenberg deutlich, dass der Erhalt historischer Parklandschaften heute weit über die Bewahrung kulturhistorischer Zeugnisse hinausgeht. Er verlangt wissenschaftliche Analysen, langfristige Investitionen und eine enge Zusammenarbeit von Denkmalpflege, Kommunen und Landschaftsplanung.
Historische Gärten seien keine statischen Freilichtmuseen, sondern lebendige Organismen, deren Gestaltung untrennbar mit Vegetation, Wasserhaushalt und Boden verbunden sei. Gerade diese Elemente reagieren empfindlich auf klimatische Veränderungen. Trocken gefallene Wasserbecken, geschädigte Altbäume und ausgetrocknete Böden seien längst keine Einzelfälle mehr, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels. Schüle verwies darauf, dass Brandenburg den Schutz seines kulturellen Erbes ausdrücklich als Bestandteil seiner Klimapolitik verstehe. Mit Unterstützung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung investiert das Land rund 1,5 Millionen Euro in ein Forschungsprojekt, das Strategien für Prävention und Risikomanagement in historischen Gärten entwickelt. Ziel ist es, die Folgen des Klimawandels in etwa 300 der rund 400 denkmalgeschützten Gartenanlagen Brandenburgs systematisch zu erfassen und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Der Schlosspark Baruth dient dabei als Pilotstandort. Hier entwickelt ein interdisziplinäres Team des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege Methoden, mit denen Schäden erstmals landesweit nach einheitlichen Kriterien dokumentiert werden können. Erfasst werden nicht allein einzelne Bäume, sondern sämtliche gestaltprägenden Elemente einer historischen Parkanlage, von Gewässern und Wegen bis zu Gehölzbeständen und Bodenstrukturen. Mithilfe einer eigens entwickelten Geodatenbank werden Schäden, Standortbedingungen und Klimadaten miteinander verknüpft. Dadurch entsteht eine wissenschaftliche Grundlage, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen gezielt zu planen. Der Ansatz gilt bundesweit als innovativ, weil er den gesamten historischen Landschaftsraum betrachtet und nicht lediglich Einzelobjekte untersucht.
Wie komplex die Herausforderungen geworden sind, zeigt der Schlosspark Altdöbern. Die denkmalgeschützte Anlage war jahrzehntelang vom Braunkohletagebau Greifenhain geprägt. Die künstliche Absenkung des Grundwassers sowie dessen späterer Wiederanstieg veränderten dauerhaft die hydrologischen Bedingungen des Parks. Hinzu kommen die Auswirkungen des Klimawandels, die bestehende Schäden weiter verschärfen. Seit 2009 arbeitet dort die Internationale Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Junge Menschen aus Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern restaurieren historische Wegeführungen, Brücken und Gehölzstrukturen, dokumentieren historische Befunde und unterstützen die wissenschaftliche Erforschung der Anlage. Inzwischen haben mehr als 150 Freiwillige aus 15 Nationen an dem Projekt mitgewirkt. Das Land Brandenburg hat hierfür bereits mehr als 1,2 Millionen Euro bereitgestellt und fördert das Programm auch im laufenden Zeitraum weiter.
Die Arbeit der Jugendbauhütte verdeutlicht, dass Denkmalpflege weit mehr ist als die Restaurierung historischer Anlagen. Sie vermittelt handwerkliche Fähigkeiten, schafft internationale Begegnungen und sensibilisiert junge Menschen für den verantwortungsvollen Umgang mit Kulturlandschaften. Die Teilnehmer verbinden praktische Arbeit mit wissenschaftlicher Dokumentation und leisten damit einen Beitrag, der weit über einzelne Bauprojekte hinausreicht.
Auch der Schlosspark Lauchhammer steht exemplarisch für den Wandel historischer Parkanlagen. Nach schweren Sturmschäden musste die Anlage mit großem denkmalpflegerischem Aufwand rekonstruiert werden. Die Wiederherstellung zeigt, dass Klimafolgen längst keine abstrakten Zukunftsszenarien mehr sind, sondern bereits heute erhebliche Eingriffe erforderlich machen. Gleichzeitig wird deutlich, wie eng Denkmalschutz, Landschaftspflege und kommunale Entwicklung inzwischen miteinander verflochten sind.
Die Pressefahrt machte damit vor allem eines sichtbar: Historische Parks sind nicht nur Zeugnisse vergangener Gartenkunst. Sie übernehmen heute wichtige ökologische Funktionen, verbessern das Stadtklima, speichern Wasser, bieten Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und dienen den Menschen als Erholungsräume. Ihr Schutz ist deshalb zugleich Kulturpolitik, Umweltpolitik und Stadtentwicklung. Brandenburg versucht, diese Bereiche stärker miteinander zu verbinden und wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar in die praktische Pflege der Anlagen zu überführen. Der langfristige Erfolg wird davon abhängen, ob es gelingt, ausreichende finanzielle Mittel, fachliche Expertise und gesellschaftliches Engagement dauerhaft zusammenzuführen. Denn historische Gärten lassen sich nur bewahren, wenn sie als lebendige Kulturlandschaften verstanden werden, deren Zukunft ebenso sorgfältig gestaltet werden muss wie ihre Vergangenheit.
Amin jmyi
