Im Ballsaal des Berlin Marriott Hotel kamen Anfang März Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Diplomatie zu einem gemeinsamen Fastenbrechen zusammen. Gastgeber war das NETU – Netzwerk Europäisch‑Türkischer Unternehmen, ein Berliner Unternehmerverband, der seit den neunziger Jahren Unternehmen mit türkischen Wurzeln vernetzt und als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft agiert. Mehr als 350 kleine und mittelständische Unternehmen sind im Netzwerk organisiert; sie sichern mehrere tausend Arbeitsplätze und spiegeln die wirtschaftliche Bedeutung migrantischer Unternehmer für die deutsche Volkswirtschaft wider.

Im Zentrum des Abends stand neben dem religiösen Anlass vor allem der Austausch über wirtschaftliche Perspektiven, gesellschaftliche Verantwortung und die Rolle von Unternehmerinnen und Unternehmern in einer Zeit politischer und ökonomischer Unsicherheit. Der Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner würdigte in seiner Rede das Engagement der Mitglieder des Verbandes für die Stadt. Unternehmerinnen und Unternehmer seien zentrale Akteure der wirtschaftlichen Entwicklung Berlins, sagte Wegner. Sie investierten, schafften Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze und stärkten damit die Zukunftsfähigkeit der Hauptstadt. Berlin sei eine internationale Metropole, deren wirtschaftliche Dynamik von Offenheit und globalen Verbindungen lebe. Gerade in Zeiten von Krisen, Kriegen und gesellschaftlicher Verunsicherung brauche es deshalb Zuversicht, wirtschaftliche Initiative und den Willen zur Gestaltung. Zugleich verwies Wegner auf politische Reformvorhaben der Landesregierung, etwa eine umfassende Verwaltungsreform, mit der Zuständigkeiten gebündelt und Doppelstrukturen abgebaut werden sollen. Ziel sei eine effizientere Verwaltung, die Unternehmen und Bürgern verlässliche Rahmenbedingungen biete. Mehr zusätzliche Belastungen für die Wirtschaft seien in der gegenwärtigen Lage dagegen das falsche Signal.

Auch Vertreter des Unternehmernetzwerks selbst betonten die ökonomische und gesellschaftliche Bedeutung migrantischer Unternehmen. Der Vorstandsvorsitzende von NETU, Bülent Göktekin, erinnerte daran, dass Deutschland historisch durch Migration geprägt worden sei. Die Nachkommen ehemaliger Gastarbeiter hätten längst eine tragende Rolle in der Wirtschaft übernommen. Heute spreche man von mehr als hunderttausend Unternehmen mit türkischen Wurzeln, Hunderttausenden Beschäftigten und einem jährlichen Umsatz in zweistelliger Milliardenhöhe. Diese Unternehmen seien Teil des deutschen Mittelstands und trügen maßgeblich zu Innovation, Investitionen und Beschäftigung bei. Gerade in einer pluralen Gesellschaft sei wirtschaftliche Zusammenarbeit über kulturelle Grenzen hinweg ein stabilisierender Faktor.

NETU-Geschäftsführer Önder Coştan unterstrich die Rolle des Verbandes als Plattform für Austausch und Kooperation. Netzwerke wie dieses hätten die Aufgabe, Unternehmer zusammenzubringen, wirtschaftliche Chancen sichtbar zu machen und den Dialog zwischen Wirtschaft und Politik zu fördern. Veranstaltungen wie das gemeinsame Iftar seien deshalb mehr als nur gesellschaftliche Treffen. Sie seien Ausdruck eines Verständnisses von Unternehmertum, das wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung verbinde.

Auch aus diplomatischer Sicht wurde die Veranstaltung genutzt, um die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei zu betonen. Der türkische Generalkonsul in Berlin, İlker Okan Şanlı, hob hervor, dass die Zusammenarbeit beider Länder weit über wirtschaftliche Kontakte hinausreiche. Sie umfasse Kultur, Bildung, Migration und sicherheitspolitische Fragen. Als Verbündete innerhalb der NATO arbeiteten beide Staaten in zentralen strategischen Bereichen eng zusammen. Politische Kontakte auf höchster Ebene hätten diese Partnerschaft zuletzt weiter vertieft und ihr neue Impulse gegeben.

So wurde der Abend im Berliner Hotel Marriott zu einer Mischung aus religiöser Tradition, politischem Austausch und wirtschaftspolitischer Standortbestimmung. In einer Zeit globaler Spannungen und wirtschaftlicher Umbrüche stand dabei eine Botschaft im Mittelpunkt: wirtschaftliche Stärke, gesellschaftlicher Zusammenhalt und internationale Kooperation gehören in einer offenen Stadt wie Berlin untrennbar zusammen.

Von admin