Oita Wagyu in Berlin: Wie Japans Premium-Rind den europäischen Markt erobern will

Bei einem exklusiven Wagyu-Tasting im Berliner Manifesto Market präsentierte der japanische Wagyu-Spezialist Ryohsei Kinoshita eine besondere Delikatesse: Oita Wagyu aus der gleichnamigen Präfektur im Südwesten Japans. Die Veranstaltung, organisiert gemeinsam mit Kabuki, verband Verkostung, Produktkunde und Einblicke in eine Fleischproduktion, die in Japan als Kulturgut gilt.

Ein Wagyu mit olympischen Ambitionen

Wagyu gilt weltweit als Synonym für außergewöhnliche Fleischqualität. Doch innerhalb der japanischen Premium-Rinderzucht konkurrieren verschiedene Regionen um Aufmerksamkeit. Oita Wagyu stammt von der traditionsreichen Bungo-Rinderrasse ab, deren Zuchtgeschichte mehr als 100 Jahre zurückreicht.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Region 2017, als ihre Rinder bei der nationalen Wagyu-Wettbewerbsschau, den sogenannten „Wagyu Olympics“, mit dem Preis des japanischen Premierministers ausgezeichnet wurden. Seitdem wächst die internationale Nachfrage kontinuierlich.

Für die Marke Oita Wagyu gelten strenge Kriterien. Zertifiziert werden ausschließlich Tiere der Qualitätsstufen A4 und A5. Die Aufzucht erfolgt in ausgewählten Partnerbetrieben, die nach festgelegten Standards arbeiten. Zum Futter gehören unter anderem Reisstroh und Biertreber, die zur charakteristischen Fleischqualität beitragen sollen.

Die Kunst der Marmorierung

Im Mittelpunkt der Verkostung stand die für Wagyu typische Marmorierung. Feine Fettadern durchziehen das Muskelfleisch und sorgen für eine außergewöhnliche Zartheit. Anders als bei vielen europäischen Rinderrassen schmilzt das Fett bereits bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen.

Wagyu Specialist Ryohsei Kinoshita erklärte den Gästen beim anfertigen der Cuts, dass dies unter anderem auf den hohen Anteil an Ölsäure zurückzuführen sei. Die gleiche ungesättigte Fettsäure findet sich auch in hochwertigen Olivenölen. Dadurch entsteht jenes charakteristische Mundgefühl, für das Wagyu weltweit geschätzt wird: Das Fett löst sich nahezu auf der Zunge auf und entfaltet ein intensives Aroma in Gaumen und Nase.

Vom Kälberstall bis zur Exportfreigabe

Die Produzenten aus Oita nutzten die Veranstaltung auch, um ihre Produktionskette vorzustellen. Oita Wagyu hat bereits eine 100 jährige Tradition. Die Kälber verbringen die ersten neun Lebensmonate bei spezialisierten Züchtern. Anschließend werden sie von Mastbetrieben übernommen, die die Tiere weitere rund 20 Monate aufziehen.

Geschlachtet und verarbeitet wird das Fleisch in einer zentralen Anlage der Oita Livestock Corporation. Der Betrieb verfügt über internationale Zertifizierungen wie HACCP und ISO 22000 und erfüllt die Anforderungen zahlreicher Exportmärkte.

Ein wichtiger Meilenstein wurde 2025 erreicht, als die Anlage die Exportzulassung für die Europäische Union erhielt. Bereits kurz darauf präsentierte sich Oita Wagyu auf der Lebensmittelmesse Anuga in Köln. Dort entstand auch der Kontakt zur Kabuki GmbH, die nun den Markteintritt in Deutschland begleitet.

Mehr als ein Luxusprodukt

Während der Veranstaltung wurden sechs unterschiedliche Gerichte serviert. Neben bekannten Premium-Cuts kamen auch in Europa weniger verbreitete Teilstücke zur Verkostung.Wagyu Chuck Flap Dice Steak, Wagyu Chuck Flap Sushi oder Wagyu Sukiyaki. Ergänzt wurde das Programm durch Demonstrationen japanischer Zerlege- und Schnitttechniken.

Dabei ging es nicht nur um Genuss. Vertreter der Präfektur Oita betonten mehrfach den Respekt gegenüber Tier und Lebensmittel. Fotos und Berichte aus den Zuchtbetrieben sowie der Verarbeitungsanlage sollten verdeutlichen, welchen Stellenwert Tierwohl, Hygiene und handwerkliche Sorgfalt in der Produktion besitzen.

Wachsende Nachfrage in Europa

Für die Produzenten markiert Deutschland einen strategisch wichtigen Markt. Oita Wagyu wird bereits nach Taiwan, Hongkong, Thailand, Macau und in die USA exportiert. Mit der EU-Zertifizierung eröffnen sich nun neue Absatzmöglichkeiten in Europa.

Das Berliner Tasting zeigte zugleich, wie sich die japanische Premiumfleischindustrie zunehmend um Transparenz bemüht. Statt allein auf Exklusivität zu setzen, stehen Herkunft, Produktionsbedingungen und handwerkliche Qualität stärker im Mittelpunkt der Kommunikation.

Für die Gäste blieb vor allem die unmittelbare Erfahrung eines Produkts, das in der internationalen Spitzengastronomie seit Jahren als Referenz gilt. Das Oita Wagyu präsentierte sich dabei nicht nur als Luxusgut, sondern auch als Beispiel für die konsequente Verbindung von traditioneller Landwirtschaft, moderner Lebensmitteltechnik und regionaler Identität.

Von admin