30 Jahre Berliner Meisterköche: Berlins Gastronomie zwischen Weltstadt und Kiez

Berlin ist längst mehr als Currywurst, Szene-Cafés und improvisierte Pop-up-Konzepte. Die Hauptstadt hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einer der vielfältigsten Gastronomiemetropolen Europas entwickelt. Diese Entwicklung spiegelt sich kaum irgendwo deutlicher wider als bei den Berliner Meisterköchen, die 2026 ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Seit 1997 zeichnet die Initiative von Berlin Partner herausragende Persönlichkeiten und Konzepte der Hauptstadt-Gastronomie aus und gilt heute als eine der wichtigsten Ehrungen der Branche. Die Preisträger werden von einer unabhängigen Jury aus Journalisten, Kritikern und Branchenexperten gewählt.

Die nun veröffentlichte Shortlist für 2026 zeigt vor allem eines: Die Berliner Gastronomie wird internationaler, selbstbewusster und individueller. Die Nominierten stehen für eine Stadt, in der kulinarische Herkunft nicht länger nur Hintergrund ist, sondern bewusst Teil gastronomischer Identität wird. Küchenchefs, Gastgeber und Barkeeper greifen auf Einflüsse aus Thailand, dem Nahen Osten, dem Baltikum oder Südeuropa zurück und übersetzen sie in zeitgemäße Berliner Konzepte.

In der Kategorie „Berliner Meisterköchin / Berliner Meisterkoch“ konkurrieren mit Samuel Haas vom Dae Mon, Sarah Hallmann von Hallmann & Klee, Daniel Remers vom Barra Restaurant, Andreas Rieger vom Michelberger Hotel und Lode van Zuylen vom REMI fünf Persönlichkeiten, die unterschiedliche Facetten der Berliner Spitzenküche repräsentieren. Gemeinsam ist ihnen ein moderner Zugang zur Gastronomie, bei dem handwerkliche Präzision und entspannte Atmosphäre kein Widerspruch mehr sind.

Auch bei den Nominierten für den „Aufsteiger des Jahres“ zeigt sich der Generationswechsel in der Berliner Gastronomie. Johannes Gehrich im traditionsreichen Hugos, Adar Kaplan-Mor im Loxa, Nadav Kundel im Saint Farah, Danas Pozlevičius im Jolie Bistrot und Tanadon Santanaviboon im Hanuman Thai Curry House stehen für eine neue Generation von Küchenchefs, die internationale Einflüsse mit persönlicher Handschrift verbinden. Auffällig ist dabei die kulturelle Vielfalt der Kandidaten, die den Wandel Berlins von einer nationalen zu einer global geprägten Genussmetropole widerspiegelt.

Die Kategorie „Berliner Gastgeber“ richtet den Blick auf jene Persönlichkeiten, die oft weniger sichtbar sind als die Köche, den Charakter eines Restaurants jedoch maßgeblich prägen. Nominiert wurden Antonio und Louis Bragato vom Il Calice, Anne Garkisch vom Restaurant Bieberbau, Anna Hernández Götz von Bar Levain, Sebastian Höpfner vom Drei-Sterne-Restaurant Rutz sowie Isabell Wendel vom Bricole. Sie stehen exemplarisch für eine Entwicklung, in der Gastlichkeit, Servicekompetenz und Weinkultur zunehmend als eigenständige Leistungen wahrgenommen werden.

Die spannendsten Hinweise auf aktuelle Trends liefert traditionell die Kategorie „Berliner Szenerestaurant“. Mit Ari’s, File Asto, Onette, Saint Farah und Tacos el Rey finden sich dort Konzepte, die die kulinarische Gegenwart der Hauptstadt besonders prägen. Die Auswahl zeigt eine Szene, die sich weniger über Luxus definiert als über Authentizität, kulturelle Vielfalt und eigenständige Ideen.

Gleichzeitig bleibt die Berliner Gastronomie fest in ihren Kiezen verwurzelt. Die Nominierungen für den „Berliner Kiezmeister“ reichen von der Blutwurstmanufaktur Marcus Benser in Neukölln-Rixdorf über das Bistro GriGri in Kreuzberg bis zu Augusta am Savignyplatz, Tresen-Treff und Vom Einfachen das Gute. Die Kategorie würdigt Orte, die Nachbarschaften prägen und häufig weit über ihre unmittelbare Umgebung hinaus Strahlkraft entwickeln.

Auch die Barszene gehört inzwischen selbstverständlich zur kulinarischen Identität der Hauptstadt. Mit Der Kleine August, Ernst Cave, Matrëshka Bar, Rhinoçéros und dem traditionsreichen Rum Trader stehen fünf sehr unterschiedliche Konzepte auf der Shortlist. Sie verdeutlichen, wie stark sich die Berliner Barkultur in den vergangenen Jahren professionalisiert hat und heute international wahrgenommen wird.

Die Jubiläumsausgabe der Berliner Meisterköche markiert damit nicht nur einen Rückblick auf drei Jahrzehnte gastronomischer Entwicklung. Sie liefert zugleich ein Stimmungsbild der Gegenwart. Die Hauptstadt präsentiert sich kulinarisch offener denn je. Klassische Kategorien verlieren an Bedeutung, kulturelle Einflüsse verschmelzen miteinander, und die Grenzen zwischen Fine Dining, Nachbarschaftsrestaurant und Bar werden zunehmend durchlässig. Die rund 150 Vorschläge, aus denen die Jury in diesem Jahr auswählte, belegen die Dynamik einer Branche, die trotz wirtschaftlicher Herausforderungen bemerkenswert innovativ bleibt.

Wer am Ende die Auszeichnungen erhält, entscheidet sich erst bei der Gala am 7. November. Schon die Nominierungen zeigen jedoch, warum Berlin gastronomisch weiterhin zu den spannendsten Städten Europas zählt: Nicht einzelne Trends prägen die Szene, sondern ihre außergewöhnliche Vielfalt.

 

Aus rund 150 von der Jury vorgeschlagenen Persönlichkeiten und Betrieben wurden die Nominierten für 2026 ausgewählt.

Berliner Meisterköchin / Berliner Meisterkoch 2026:

  • Samuel Haas, Dae Mon
  • Sarah Hallmann, Hallmann & Klee
  • Daniel Remers, Barra Restaurant
  • Andreas Rieger, Michelberger Hotel
  • Lode van Zuylen, REMI

 

Aufsteigerin / Aufsteiger des Jahres 2026: 

  • Johannes Gehrich, Hugos
  • Adar Kaplan-Mor, Loxa
  • Nadav Kundel, Saint Farah
  • Danas Pozlevičius, Jolie Bistrot
  • Tanadon Santanaviboon, Hanuman Thai Curry House

Berliner Gastgeberin / Berliner Gastgeber 2026: 

  • Antonio (Gastgeber) und Louis (Sommelier) Bragato, Il Calice
  • Anne Garkisch (Gastgeberin und Sommelière), Restaurant Bieberbau
  • Anna Hernández Götz (Sommelière), Bar Levain
  • Sebastian Höpfner (Chefsommelier), Rutz
  • Isabell Wendel (Gastgeberin und Sommelière), Bricole

Berliner Szenerestaurant 2026:

  • Ari’s
  • File Asto
  • Onette
  • Saint Farah
  • Tacos el Rey

 

Berliner Kiezmeister 2026:

  • Augusta am Savignyplatz, Charlottenburg (auch in Schöneberg)
  • Bistro GriGri, Kreuzberg
  • Blutwurstmanufaktur Marcus Benser, Neukölln-Rixdorf
  • Tresen-Treff, Wilmersdorf
  • Vom Einfachen das Gute, Wilmersdorf (auch in Frohnau und Mitte)

Berliner Barkultur 2026:

  • Der Kleine August
  • Ernst Cave
  • Matrëshka Bar
  • Rhinoçéros
  • Rum Trader

Von admin