Am Abend des 6. März 2026 verwandelte sich die ausverkaufte Uber Arena in Berlin erneut in den vorläufigen Mittelpunkt der europäischen Hallenleichtathletik. Beim 13. ISTAF INDOOR, dem größten Hallenmeeting der Welt und Teil der World Athletics Indoor Tour, standen nicht lediglich Leistungen im Vordergrund, sondern ein qualitatives Aufeinandertreffen von Weltklasseathletinnen und ‑athleten, das in mehreren Dimensionen die Bedeutung des Wettbewerbs unterstrich. Die Veranstaltung dient vielen als letzte sportliche Standortbestimmung vor den am 20. März beginnenden World Athletics Indoor Championships in Toruń, Polen, und bot ein breites Spektrum an Leistungen, die über bloße Resultate hinaus auf die Struktur der aktuellen Hallensaison verweisen.
Den stärksten akzentuierten Höhepunkt setzte die niederländische Kugelstoßweltmeisterin Jessica Schilder. Mit einem Schlussstoß auf 20,69 Meter stellte sie nicht nur einen neuen Meetingrekord auf, sondern setzte zugleich die aktuell weiteste Hallenweite der Saison, womit sie ihre Form eindrucksvoll dokumentierte. Dieser Wert entspricht exakt ihrem niederländischen Rekord und erweitert eine Serie dominanter Leistungen, die Schilder in den zurückliegenden Wochen aufgebaut hat. Ihre Leistung ragt in ein Feld heraus, in dem Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye in Berlin nicht an die dort vor einer Woche in Dortmund aufgestellte persönliche Bestweite herankam und mit 19,08 Metern auf Platz drei abschloss.
Im Sprintbereich der Männer setzte der polnische Halleneuropameister Jakub Szymański ein deutliches Zeichen. Seine 7,37 Sekunden über 60 Meter Hürden bedeuteten nicht nur einen polnischen Landesrekord, sondern auch einen Meetingrekord und katapultierten ihn an die Spitze der Weltjahresbestenliste. Damit untermauerte Szymański seine Rolle als einer der Hauptfavoriten für die Hallenweltmeisterschaften. Im 60‑Meter‑Flachrennen der Männer holte sich der Brite Jeremiah Azu den Sieg mit ebenfalls neuem Meetingrekord von 6,47 Sekunden; dieser Wert positioniert ihn international unter den besten Sprintern der Saison.
Die Wettbewerbe der Frauen über 60 Meter Hürden spiegelten die dichte Leistungsdynamik im europäischen Sprintbereich wider. Die Niederländerin Nadine Visser setzte sich in 7,81 Sekunden gegen die Schweizer Weltmeisterin Ditaji Kambundji durch; beide Zeiten lagen nur knapp über bestehenden Weltjahresbestmarken und verdeutlichen die hohe Qualität dieser Disziplin im internationalen Vergleich.
Der Weitsprung der Frauen entwickelte sich zu einem engen Duell: Die Plätze eins und zwei wurden identisch mit 6,57 Metern markiert, entschieden wurde der Wettbewerb einzig über den zweitbesten Versuch – zugunsten der Niederländerin Pauline Hondema vor Olympiasiegerin Malaika Mihambo. Der Ausgang illustriert, wie eng Leistungsspannen im technischen Bereich der Sprungdisziplinen mittlerweile sind.
Im Männer‑Stabhochsprung blieben die erhofften 5,78 Meter zur direkten Qualifikation für die Hallen‑WM unerreicht, doch der Wettkampf bot mit Ernest Obiena und Simen Guttormsen zwei Athleten, die diese Höhe überwanden und damit ihre Bereitschaft für internationale Höhepunkte zeigten.
In den Sprintentscheidungen der Frauen demonstrierte die Kanadierin Sade McCreath mit 7,12 Sekunden ihre aktuelle Spitzenform. Unter den deutschen Starterinnen konnte die Berliner Lokalmatadorin Philina Schwartz nicht an ihre Vorlaufleistung anknüpfen, was die Unbeständigkeit von Formkurven im Hallensport reflektiert.
Der Abend in Berlin bot nicht allein bestmögliche Resultate, sondern auch Einblicke in saisonale Tendenzen. Die Kombination aus Rekordleistungen, knappen Duellen und internationalen Starterfeldern macht deutlich, dass Hallenwettkämpfe heute mehr sind als Vorbereitung: Sie entwickeln sich zu eigenständigen, hochklassigen Wettbewerben im internationalen Kalender, in denen sich Athleten sowohl psychologisch als auch leistungsmäßig profilieren.
Die Ergebnisse in der „blauen Arena“ markieren vor dem Saisonhöhepunkt in Toruń eine ambivalente Perspektive: für Spitzenathleten wie Schilder, Szymański oder Azu eine Bestätigung der Weltklasseform, für andere Teilnehmer ein Lernmoment in Richtung weiterer Saisonziele.
Das nächste ISTAF INDOOR Berlin steigt am 5. Februar 2027. Tickets gibt es bereits ab 24,00 Euro unter www.tickets.istaf.de und telefonisch unter 030 30 111 86-30. Und natürlich ist auch im Sommer „ISTAF Time“.
Am 30. August 2026 geht das traditionsreiche ISTAF im Olympiastadion über die Bühne. Tickets für den großen Leichtathletik-Feiertag gibt es bereits ab 14,00 Euro unter www.tickets.istaf.de und telefonisch unter 030 30 111 86-30.