Es war einer dieser Berliner Abende, an denen sich Ritual und Rausch nahtlos ineinanderfügten: Im Hofbräu Wirtshaus Berlin begann der „Tanz in den Mai“ mit einem Moment konzentrierter Aufmerksamkeit – dem Fassanstich. Im Mittelpunkt stand René Redo, der mit geübtem Schlag den Zapfhahn ins Holzfass trieb. Ein kurzer Augenblick der Spannung, dann das erste Strömen des Bieres, begleitet von Applaus und hochgehobenen Gläsern. Der Maibock war eröffnet, und mit ihm ein Abend, der rasch an Fahrt aufnahm.

Das Starkbier, dessen Geschichte bis ins Jahr 1614 und in die Sudkessel des Hofbräuhaus München zurückreicht, präsentierte sich vollmundig und malzbetont, mit jener feinen Bittere, die dem Maibock seine charakteristische Balance verleiht. Doch der eigentliche Taktgeber des Abends war bald nicht mehr das Bier allein, sondern die Bühne. Mit dem Live-Auftritt von Wayne Morris verlagerte sich die Aufmerksamkeit vom Tresen in den Saal. Morris verstand es, das Publikum unmittelbar zu erreichen, seine Präsenz wirkte verbindend, fast wie ein Katalysator für die ohnehin gelöste Stimmung. Zwischen klassischem Wirtshausklang und moderner Unterhaltung entstand ein Klangbild, das weniger auf folkloristische Treue setzte als auf unmittelbare Wirkung.

René Redo blieb dabei die prägende Figur des Auftakts, eine Art Zeremonienmeister, der dem Abend Struktur gab, ohne ihn zu dominieren. Der Fassanstich wurde so zum symbolischen Startpunkt einer Veranstaltung, die Tradition nicht konserviert, sondern bewusst in Szene setzt. Im Verlauf des Abends verdichtete sich das Geschehen zu einer typischen Berliner Mischung: gesellig, laut, durchlässig für unterschiedliche Einflüsse. Der Maibock, einst saisonales Starkbier mit klar umrissener kultureller Funktion, wurde hier zum Bestandteil einer urbanen Feierkultur, die weniger auf Herkunft als auf gemeinsames Erleben zielt.

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