Japanische Spitzenprodukte leben nicht allein von ihrer Qualität, sondern auch von den Geschichten der Menschen, die sie erzeugen. Genau diese Verbindung von Herkunft, Handwerk und kulinarischer Kultur stand im Mittelpunkt eines Oita Wagyu Special Events in Berlin, bei dem die japanische Botschafterin Shino Mitsuko zu den zentralen Gästen zählte. Die Diplomatin, die als begeisterte Köchin gilt und sich regelmäßig für die Vermittlung japanischer Esskultur engagiert, nutzte ihre Ansprache, um die Bedeutung regionaler Lebensmittel aus Japan und insbesondere aus der Präfektur Oita hervorzuheben.

In ihrer Rede stellte Botschafterin Mitsuko nicht allein das Wagyu-Fleisch selbst in den Mittelpunkt, sondern die Menschen, die hinter seiner Herstellung stehen. In Japan, erklärte sie, werde die Herkunft hochwertiger Lebensmittel besonders ernst genommen. Auf vielen Produkten fänden sich nicht nur Angaben zur Region, sondern auch die Namen und teilweise sogar die Gesichter der Produzentinnen und Produzenten. Dahinter stehe ein Verständnis von Landwirtschaft, das auf persönlicher Verantwortung, Transparenz und Stolz auf das eigene Handwerk beruhe. Wer ein solches Produkt kaufe, erwerbe nicht lediglich ein Lebensmittel, sondern zugleich das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und sorgfältiger Arbeit.

Besonders eindringlich schilderte die Botschafterin die Aufzucht der Tiere, aus denen Oita Wagyu gewonnen wird. Die Züchter würden jedes Tier mit großer Aufmerksamkeit betreuen und kontinuierlich daran arbeiten, Geschmack und Fleischqualität weiter zu verbessern. Für Mitsuko verkörpert Oita Wagyu deshalb einen zentralen Wert der japanischen Esskultur: den Anspruch, Qualität nicht als industriellen Standard zu verstehen, sondern als Ergebnis täglicher Hingabe. Die außergewöhnliche Marmorierung und Zartheit des Fleisches seien letztlich Ausdruck dieser Haltung.

Dabei hob die Botschafterin hervor, dass Oita Wagyu heute nicht mehr ausschließlich für den japanischen Markt bestimmt sei. Nachdem die notwendigen Exportzertifizierungen für die Europäische Union erteilt worden waren, könne das Fleisch inzwischen auch in größerem Umfang europäischen Verbrauchern angeboten werden. Mitsuko zeigte sich überzeugt, dass das Produkt den hohen Qualitätsansprüchen deutscher Gastronomen und Verbraucher gerecht werde. Deutschland verfüge über eine starke kulinarische Tradition und eine ausgeprägte Wertschätzung für hochwertige Lebensmittel. Gerade deshalb sehe sie großes Potenzial für einen vertieften Austausch zwischen beiden Ländern.

Die Botschafterin sprach zudem über die Besonderheiten der Landwirtschaft in Oita. Viele Betriebe lägen in einer von Bergen, Wäldern und Küsten geprägten Landschaft und seien eng mit ihrer Region verbunden. Die Produzenten würden natürliche Ressourcen bewusst nutzen und traditionelle Methoden mit modernen Qualitätsstandards verbinden. Als Beispiel nannte sie spezielle Fütterungsmethoden, die den charakteristischen Geschmack des Fleisches mitprägten. Ziel sei es nicht, möglichst große Mengen zu produzieren, sondern Produkte mit unverwechselbarem Charakter zu schaffen.

Mitsuko verband ihre Ausführungen immer wieder mit persönlichen Beobachtungen aus der Küche. Als leidenschaftliche Hobbyköchin betonte sie die Bedeutung hochwertiger Zutaten für das Gelingen eines Gerichts. Gute Produkte müssten nicht kompliziert verarbeitet werden, sagte sie sinngemäß. Entscheidend sei vielmehr, ihre natürlichen Eigenschaften zu respektieren und sichtbar zu machen. Gerade deshalb hoffe sie, dass Köchinnen, Köche und Gastronomen in Deutschland die Gelegenheit nutzen würden, die Besonderheiten von Oita Wagyu kennenzulernen.

Im praktischen Teil des Abends erhielten die Gäste anschließend einen Einblick in die Verarbeitung des Fleisches. Der Wagyu-Spezialist Ryohsei Kinoshita demonstrierte professionell das Zuschneiden verschiedener Teilstücke und erläuterte die Besonderheiten von Marmorierung, Struktur und Zubereitung. Seine Vorführung ergänzte die Ausführungen der Botschafterin um eine handwerkliche Perspektive und machte deutlich, dass die Qualität eines Premiumprodukts nicht allein auf der Weide entsteht, sondern auch durch den fachgerechten Umgang in Küche und Gastronomie.

Das Interesse an Oita Wagyu wächst seit einigen Jahren auch außerhalb Japans. Die Marke wurde 2018 eingeführt und baut auf die lange Tradition des Bungo-Rinds aus der Präfektur Oita auf. Nur Tiere mit besonders hohen Qualitätsbewertungen dürfen als Oita Wagyu vermarktet werden. Damit gehört das Fleisch zu den renommierten Wagyu-Produkten des Landes. Die Berliner Veranstaltung zeigte jedoch, dass die Verantwortlichen nicht allein über Fleisch sprechen wollen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Vermittlung einer Lebensmittelkultur, die Herkunft, Produzenten und handwerkliche Qualität als untrennbare Einheit versteht. Genau diese Botschaft prägte die Rede von Botschafterin Shino Mitsuko und verlieh dem Abend seinen eigentlichen Schwerpunkt.

Von admin