Der deutliche Anstieg sexuell übertragbarer Infektionen unter Jugendlichen hatte das Thema in eine Dringlichkeit gerückt, die längst nicht mehr ignoriert werden konnte. Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien breiteten sich spürbar aus, besonders in der Altersgruppe unter 25 Jahren. Ärztinnen und Ärzte warnten vor einer riskanten Mischung aus Fehlinformation, Scham und einer digitalen Realität, in der Dating-Apps und schnelle Kontakte Alltagsroutine geworden waren. Für viele junge Menschen blieb Sexualaufklärung bruchstückhaft und überholt – ein gefährliches Vakuum, wie Expertinnen und Experten betonten.

In dieser Situation war am 2. Dezember 2025 in Berlin eine Debatte geführt worden, die auf große Aufmerksamkeit stieß. Unter dem Titel „Auf dem Weg zu einer besseren Sexualaufklärung“ als  Durex Paneldiskussion: Für eine bessere Sexualaufklärung diskutierten in der Cupra City Garage am Tacheles Schüler:innen, Lehramtsstudierende, Wissenschaftler:innen und politische Entscheidungsträger:innen darüber, wie moderne Sexualerziehung aussehen müsse, um den Herausforderungen der Gegenwart gerecht zu werden. Der Rahmen hätte kaum symbolischer sein können: mitten in Berlin, offen, sichtbar und bewusst jenseits klassischer Bildungsinstitutionen.

Zum Auftakt hatte der Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß von der Hochschule Merseburg einen Impuls beigesteuert und die Bedeutung einer wissenschaftlich fundierten und diskriminierungsfreien Sexualaufklärung hervorgehoben. In zwei Panels wurde anschließend intensiv diskutiert. Junge Menschen schilderten, wie lückenhaft und zufällig der Unterricht an Schulen vielerorts stattfinde und wie groß die Unsicherheit bleibe, wenn Lehrpläne veraltet oder tabuisiert seien. Fachleute mahnten an, Sexualkunde müsse verbindlich, zeitgemäß und lebensnah vermittelt werden – nicht als moralische Belehrung, sondern als Schutzinstrument für Gesundheit und Selbstbestimmung.

Die Diskussion mündete in der Frage nach politischer Verantwortung: Wer sorge dafür, dass Schulen Schritt halten, während die Realität sich rasant verändere? Welche Konzepte seien notwendig, um Prävention wieder wirksam zu machen?

Im Anschluss nutzten Gäste und Beteiligte das Get-together für Gespräche, die deutlich machten, wie groß der Bedarf an Austausch, Offenheit und Reformbereitschaft war. Berlin hatte an diesem Tag nicht weniger verhandelt als die Frage, ob eine junge Generation künftig ausreichend informiert sein würde, um Risiken zu vermeiden und Sexualität frei und selbstbestimmt zu leben.

Von admin