Im DRIVE. Volkswagen Group Forum an der Berliner Friedrichstraße wird Mobilität derzeit nicht als technische Disziplin verhandelt, sondern als kulturelle Erfahrung. Die Ausstellung „ICONIC – A Timeless Journey of Culture, Society and Mobility“, die seit ihrer Eröffnung mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher angezogen hat, erweitert ihren Fokus nun um ein Thema, das tief mit der Geschichte des Automobils verbunden ist: das Reisen. Dabei geht es weniger um Fahrzeuge als Statussymbole als um die Frage, weshalb das Unterwegssein bis heute eine der stärksten gesellschaftlichen Sehnsüchte geblieben ist.
Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung individueller Mobilität entlang kultureller und gesellschaftlicher Umbrüche nach. Fotografien von Alpenfahrten der fünfziger Jahre, historische Autoradios, Camper-Modelle und aktuelle Elektromobilitätskonzepte stehen dabei nebeneinander und erzählen von einer Idee, die den Westen der Nachkriegsjahrzehnte geprägt hat: Freiheit durch Bewegung. Der Volkswagen Käfer erscheint in diesem Kontext nicht nur als industrielles Erfolgsmodell, sondern als Vehikel eines neuen Lebensgefühls. Für viele Familien bedeutete das eigene Auto erstmals die Möglichkeit, unabhängig zu reisen, Grenzen zu überwinden und den Urlaub selbst zu gestalten.
Dass die Ausstellung diesen historischen Blick mit persönlichen Erfahrungen verbindet, zeigt sich auch in den Gesprächen rund um die neuen Exponate. Die Schauspielerin und Autorin Maria Ehrich berichtete von ihrer Reise mit einem Volkswagen Käfer von Mexiko bis nach Neufundland. Ihre Erzählungen verschoben die Perspektive weg vom Objekt hin zur Erfahrung des Reisens selbst: zu Improvisation, Entschleunigung und den Begegnungen entlang der Strecke. Gerade in einer Zeit, in der Mobilität zunehmend digital organisiert und effizient geplant wird, wirkt die Vorstellung einer langen, offenen Reise beinahe nostalgisch. Doch genau darin liegt offenbar ihre Anziehungskraft.
Auch die weiteren Gesprächspartner machten deutlich, wie stark sich der Begriff des Reisens verändert hat. Christian Schlüter schilderte seine Fahrten mit dem elektrischen ID. Buzz durch 42 Länder und mehr als 150.000 Kilometer. Seine Erfahrungen zeigen, dass Elektromobilität längst nicht mehr nur urbane Kurzstrecke bedeutet, sondern zunehmend Teil globaler Reiserouten wird. Gleichzeitig bleibt die Infrastruktur ein entscheidender Faktor. Wer mit einem Elektrofahrzeug große Distanzen zurücklegt, reist anders: langsamer, planvoller und oft bewusster.
Ähnlich argumentierte Lukas Quack, der mit einem ID.3 mehr als 14.000 Kilometer bis an den Rand der Sahara zurücklegte. Seine Reise verweist auf einen Wandel, der die Automobilindustrie seit Jahren beschäftigt: Die Reichweite elektrischer Fahrzeuge wird nicht mehr nur technisch bewertet, sondern kulturell. Entscheidend ist zunehmend die Frage, ob Elektromobilität dieselben Vorstellungen von Freiheit und Spontaneität ermöglichen kann, die das Auto im 20. Jahrhundert geprägt haben.
Im Hintergrund dieser Gespräche steht eine größere Debatte über die Zukunft individueller Mobilität. Während Städte dichter werden, Klimaziele strenger formuliert sind und digitale Vernetzung neue Verkehrsmodelle hervorbringt, verändert sich auch die emotionale Bedeutung des Reisens. Der klassische Mythos der Straße, wie ihn Literatur, Kino und Automobilwerbung jahrzehntelang inszenierten, gerät unter Druck. Gleichzeitig bleibt die Sehnsucht nach Selbstbestimmung und Bewegung bestehen. Genau an diesem Punkt setzt die Ausstellung an: Sie betrachtet Mobilität nicht nur als technische Innovation, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Vorstellungen von Freiheit, Fortschritt und Identität.
Das DRIVE. Volkswagen Group Forum versucht damit, den automobilen Raum als kulturellen Diskussionsort neu zu definieren. Zwischen Kunstobjekten, Designklassikern und historischen Fahrzeugen entsteht eine Erzählung, in der Mobilität nicht bloß Fortbewegung bedeutet, sondern Teil moderner Gesellschaftsgeschichte ist. Dass dabei auch immersive digitale Räume und Zukunftsszenarien integriert werden, folgt einer Logik der Gegenwart: Die Ikonen von morgen entstehen nicht allein aus Ingenieurskunst, sondern aus der Verbindung von Technologie, kultureller Symbolik und gesellschaftlicher Akzeptanz.