10 Jahre MILES: Wie Carsharing Berlins Mobilität verändert hat
Zehn Jahre nach der Gründung blickt das Berliner Carsharing-Unternehmen MILES auf eine Entwicklung zurück, die weit über die Erfolgsgeschichte eines Start-ups hinausgeht. Aus einer Idee, Fahrten nach tatsächlich gefahrenen Kilometern statt nach Zeit abzurechnen, entstand einer der größten Carsharing-Anbieter Deutschlands. Heute umfasst die Flotte mehr als 18.000 Fahrzeuge, das Unternehmen zählt über zwei Millionen Kundinnen und Kunden und prägt das Straßenbild in zahlreichen deutschen Großstädten.
Das Jubiläum wurde in Berlin mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik begangen. Neben MILES-CEO Oliver Mackprang nahmen unter anderem Berlins Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Ute Bonde, sowie Unternehmer Lukasz Gadowski an der Veranstaltung teil. Eröffnet wurde zudem ein MILES Museum, das die Entwicklung des Unternehmens und die Geschichte des stationsunabhängigen Carsharings dokumentiert.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand jedoch weniger der Rückblick als die Frage, welche Rolle Carsharing künftig für die Mobilität der Hauptstadt spielen soll. Senatorin Bonde bezeichnete Sharing-Angebote als festen Bestandteil einer pragmatischen Verkehrspolitik. Mobilität müsse sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren und dürfe nicht auf ein einziges Verkehrsmittel reduziert werden. Carsharing ermögliche individuelle Wege, ohne dass dafür ein eigenes Auto notwendig sei.
Die Berliner Senatsverwaltung verfolgt mit ihrer Mobilitätsstrategie bis 2035 den weiteren Ausbau geteilter Mobilitätsangebote. Vorgesehen sind zusätzliche Mobilitätsstationen und Tausende ausgewiesene Abstellflächen für Sharing-Fahrzeuge und Mikromobilität. Ziel ist es, die Angebote nicht nur in den innerstädtischen Bezirken, sondern auch in den Außenbezirken besser verfügbar zu machen. Damit soll die Kombination verschiedener Verkehrsmittel erleichtert und der öffentliche Raum effizienter genutzt werden.
Auch die wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen wurden offen angesprochen. In einer Diskussionsrunde zur Elektromobilität verwiesen Fachleute auf die weiterhin hohen Kosten öffentlicher Ladeinfrastruktur. Gleichzeitig rücken neue Konzepte wie bidirektionales Laden und Vehicle-to-Grid (V2G) in den Fokus. Gemeinsam mit dem Forschungscampus Mobility2Grid will MILES untersuchen, wie Elektrofahrzeuge künftig nicht nur Energie verbrauchen, sondern auch als temporäre Stromspeicher zur Stabilisierung des Netzes beitragen können. Dadurch könnten Carsharing-Flotten wirtschaftlicher betrieben und gleichzeitig besser in das Energiesystem integriert werden.
Partnerunternehmen hoben hervor, dass moderne Mobilität zunehmend aus vernetzten digitalen Plattformen besteht. So arbeitet der Mobilitätsdienstleister ryd seit Jahren mit MILES zusammen und wickelt über seine Plattform einen Teil der Kraftstoffversorgung der Flotte ab. Gleichzeitig wurden auf der Veranstaltung Lösungen für intelligente Messsysteme, Smart Meter und die digitale Steuerung dezentraler Energieanlagen vorgestellt. Die Verbindung von Mobilität und Energiewirtschaft entwickelt sich damit zunehmend zu einem gemeinsamen Innovationsfeld.
Die Bedeutung von Carsharing reicht inzwischen weit über den Verzicht auf ein eigenes Auto hinaus. Studien zeigen, dass ein gemeinsam genutztes Fahrzeug mehrere private Pkw ersetzen kann und dadurch Parkraum freisetzt. Gerade in dicht besiedelten Städten eröffnet dies neue Möglichkeiten für eine effizientere Nutzung des öffentlichen Raums. Gleichzeitig bleibt der Erfolg solcher Konzepte von einer funktionierenden Infrastruktur, klaren politischen Rahmenbedingungen und einer engen Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Unternehmen und Forschung abhängig.
Nach einem Jahrzehnt befindet sich MILES damit an einem Wendepunkt. Das Unternehmen steht exemplarisch für den Wandel urbaner Mobilität, der digitale Technologien, neue Geschäftsmodelle und klimapolitische Ziele miteinander verbindet. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Carsharing seinen Platz als selbstverständlicher Bestandteil des städtischen Verkehrssystems weiter ausbauen kann oder ob die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Herausforderungen den weiteren Wachstumskurs bremsen. Sicher ist jedoch, dass die Debatte über die Mobilität der Zukunft längst nicht mehr allein auf den Besitz eines Autos reduziert werden kann. Sie dreht sich zunehmend um die Frage, wie Städte knappen Raum, Energie und Verkehr intelligent miteinander verbinden.