Der Berliner Presseball kann beides zugleich sein: gesellschaftliches Ritual und Spiegel seiner Zeit. Als sich 2026 im Ballsaal des JW Marriott Hotels Politik, Medien, Kultur und Wirtschaft versammelten, war der Glanz nicht Selbstzweck, sondern Rahmen für eine Botschaft, die an diesem Abend mehrfach ausgesprochen wurde: Meinungsfreiheit ist keine Zierde der Demokratie, sondern ihre Voraussetzung.

Schirmherr Kai Wegner stellte sich mit seinem Grußwort in der Ballzeitung, bewusst in diese Tradition. Seit 1872, erinnerte er, bringe der Presseball Menschen zusammen, die Öffentlichkeit prägen. Namen wie Marlene Dietrich, Helmut Kohl oder Max Schmeling stehen dabei weniger für Nostalgie als für eine lange Geschichte öffentlicher Debatten, die ohne freie Medien nicht denkbar wären. Dass der Ball ursprünglich als Wohltätigkeitsveranstaltung für notleidende Journalisten gegründet wurde, wirkt in Zeiten wachsender Angriffe auf Presse und Berichterstattung erstaunlich aktuell.

Einen persönlichen Akzent setzte Dieter Hallervorden, der mit dem Ehrenpreis für Meinungsfreiheit ausgezeichnet wurde. Der 90-Jährige, dessen Humor Generationen geprägt hat, sprach nicht als Entertainer, sondern als Zeitzeuge. Meinungsfreiheit, sagte er, sei für ihn immer eine Selbstverständlichkeit gewesen. Dass sie heute eigens geehrt werde, zeige, wie fragil sie geworden sei. Der Applaus im Saal klang weniger nach Gala als nach Zustimmung.

Boulevard ist der Presseball dennoch geblieben. Hallervorden erzählte von früheren Abenden, von Zufallsbekanntschaften und einer legendären Hafenfahrt auf einem alten Kutter. Geschichten, die das Ereignis erden und ihm jene Leichtigkeit geben, ohne die ein Ball nur eine steife Pflichtübung wäre. Auch diesmal wurde getanzt, gelacht und erinnert. Der Berliner Evergreen stand wieder auf der Bühne, nicht im eigenen Schlosspark Theater, sondern vor einem Publikum, das ihn seit Jahrzehnten begleitet.

Dass der Abend mehr war als ein gesellschaftlicher Treffpunkt, zeigte sich im karitativen Kern der Veranstaltung. Die Spenden des Presseballs 2026 kommen dem Katharinenhaus Reinickendorf zugute, dem bislang einzigen Hospiz im Bezirk. Dort geht es um ein würdevolles Lebensende, um ergänzende Therapien und um die Erfüllung kleiner Wünsche, die am Ende oft die größten sind. Getragen von der Caritas und unterstützt von einem engagierten Förderverein, steht das Hospiz beispielhaft für eine stille Form gesellschaftlicher Verantwortung.

Zu den sichtbaren Unterstützern des Abends gehörte die Spielbank Berlin. Ihr Engagement fügt sich in eine lange Reihe von Partnerschaften ein, mit denen sie kulturelle und soziale Veranstaltungen der Stadt begleitet. Beim Presseball tritt sie nicht als lauter Sponsor auf, sondern als Teil des Netzwerks, das den Abend ermöglicht und zugleich dessen wohltätige Wirkung verstärkt.

So bleibt vom Berliner Presseball 2026 mehr als das Bild einer eleganten Nacht. Er zeigt, wie Tradition und Gegenwart ineinandergreifen können: Glanz und Ernst, Unterhaltung und Haltung, Boulevard und politisches Statement. In einer Stadt, die sich gern neu erfindet, hält dieser Ball an etwas Festem fest. An der Idee, dass Öffentlichkeit Verantwortung bedeutet. Und dass man sie feiern darf, solange man sie nicht vergisst.

Von admin