Im Großen Saal des Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt verband sich am Montagabend musikalischer Anspruch mit bürgerschaftlichem Engagement. Zur 29. Benefizgala des Lions Club Berlin-Wannsee kamen mehrere hundert Gäste zusammen, um soziale Projekte für Kinder und Jugendliche in Berlin und Brandenburg zu unterstützen. Unter dem Motto „Magie Française – zwischen Eleganz und Abgrund“ stand dabei nicht allein die Musik im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, welche Rolle zivilgesellschaftliche Initiativen in einer Zeit wachsender sozialer Herausforderungen übernehmen können.

Der 1994 gegründete Club gehört zu den zahlreichen Lions-Organisationen, die sich weltweit ehrenamtlich engagieren. In Berlin-Wannsee konzentriert sich dieses Engagement seit vielen Jahren insbesondere auf Projekte für Kinder und Jugendliche. Nach Angaben des Vereins konnten seit seiner Gründung mehr als eine Million Euro für soziale Zwecke bereitgestellt werden. Die diesjährige Gala unterstützte unter anderem Initiativen aus den Bereichen Bildung, Sport und soziale Teilhabe.

Schirmherr der Veranstaltung war Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner. In seinem Grußwort würdigte er die Benefizgala als Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung und hob die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für den sozialen Zusammenhalt der Hauptstadt hervor. Zugleich verwies er darauf, dass kulturelle Veranstaltungen wie diese weit über ihren künstlerischen Wert hinauswirken können, wenn sie konkrete Hilfsprojekte ermöglichen.

Auch der neue Clubpräsident Horst-Peter Stein stellte in seiner Ansprache die gesellschaftliche Dimension des Abends heraus. Dankbarkeit, Demut und Freude seien die Leitbegriffe seines Präsidentenjahres, erklärte er. Dabei betonte er, dass soziale Verantwortung stets auf gemeinschaftlichem Handeln beruhe und erfolgreiche Hilfsarbeit nur durch das Zusammenwirken vieler Unterstützer möglich werde.

Den musikalischen Teil des Abends gestaltete das Landesjugendorchester Berlin unter der Leitung von Lancelot Fuhry. Das Programm spannte einen Bogen durch die französische Musikgeschichte. Francis Poulencs „Suite française“ eröffnete den Abend mit Anklängen an höfische Tänze der Renaissance. Es folgte Claude Debussys „Première Rhapsodie“, in der die Klarinettistin Emily Poser als Solistin die klangliche Raffinesse des französischen Impressionismus eindrucksvoll zur Geltung brachte. Camille Saint-Saëns’ „Danse macabre“ führte anschließend in eine musikalische Welt zwischen Ironie und Todesfantasie. Nach der Pause stand mit Hector Berlioz’ „Symphonie fantastique“ eines der bedeutendsten Werke der romantischen Programmmusik auf dem Programm. Die fünf Sätze erzählen von Leidenschaft, Sehnsucht, Verzweiflung und Halluzinationen und gelten bis heute als Meilenstein der Orchestermusik des 19. Jahrhunderts.

Die Wahl des Programms erwies sich als konsequente Umsetzung des Mottos. Zwischen Debussys schillernden Klangfarben und Berlioz’ dramatischen Visionen entstand ein musikalischer Spannungsbogen, der die Vielschichtigkeit französischer Musik eindrucksvoll sichtbar machte. Zugleich bot die Gala dem musikalischen Nachwuchs eine prominente Bühne. Das Landesjugendorchester Berlin, das seit 1987 junge Talente fördert, zeigte dabei eindrucksvoll, welches künstlerische Niveau im Berliner Musikleben bereits in jungen Jahren erreicht werden kann.

So wurde die 29. Benefizgala des Lions Club Berlin-Wannsee zu mehr als einem klassischen Konzertabend. Sie machte sichtbar, wie Kultur, gesellschaftliches Engagement und Nachwuchsförderung zusammenwirken können. In einer Stadt, die von ihrer Vielfalt und ihrem ehrenamtlichen Einsatz lebt, setzte die Veranstaltung damit ein Zeichen für die Bedeutung bürgerschaftlicher Verantwortung – nicht laut und spektakulär, sondern durch Musik, Begegnung und konkrete Hilfe für diejenigen, die Unterstützung besonders benötigen.

Von admin