Zehn Jahre Haltung und Wandel – Berlin Music Commission feiert die Musikwirtschaft als Ökosystem

Berlin – Mit der zehnten Ausgabe der Listen to Berlin: Awards hat die Hauptstadt ein deutliches Signal gesendet: Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und struktureller Umbrüche bleibt die Berliner Musikszene widerstandsfähig und innovationsbereit. Im Kesselhaus der Kulturbrauerei kamen Künstlerinnen und Künstler, Branchenvertreter, Politik und Medien zusammen, um die Vielfalt und Wandlungsfähigkeit des hiesigen Musikökosystems zu würdigen. Der Abend, eröffnet von Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson und Berlin-Music-Commission-Vorstand Olaf „Gemse“ Kretschmar, stand unter dem Zeichen von Zusammenhalt und Transformation – zwei Begriffen, die die Lage der Branche präzise umschreiben.

Wedl-Wilson betonte in ihrer Ansprache, die Berliner Musiklandschaft sei ein globaler Resonanzraum, dessen Stärke im Zusammenspiel von Kulturpolitik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft liege. Ziel müsse es sein, diese internationale Sichtbarkeit durch stabile Rahmenbedingungen und Offenheit weiter auszubauen. Kretschmar unterstrich in seiner Rede, dass die Awards nicht allein Auszeichnungen, sondern ein Statement für Haltung und Zusammenarbeit seien – ein Ausdruck kollektiver Verantwortung, die über künstlerische Exzellenz hinausgehe.

Die diesjährigen Preisträger spiegeln diese Vielfalt wider. Der Verein Schokoladen e.V. erhielt den Rolf-Budde-Award für Haltung in der Musikwirtschaft, The Changency wurde für zukunftsorientiertes Wirtschaften geehrt, und der Publikumspreis für den besten Song eines Berliner Acts ging an RAPK für „Scherbenland“. Mit dem Listen to Berlin: Artist Award wurde Charlotte Colace ausgezeichnet, den Youth Award erhielt Taubenraucher, und als Lieblingskünstlerin der vergangenen Dekade wurde King Josephine geehrt. Der Musikjournalist Jens Balzer wurde zudem für seine publizistische Arbeit ausgezeichnet. Die Laudatoren – darunter Arnim Teutoburg-Weiß von den Beatsteaks, Mona Rübsamen von FluxFM und Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt – würdigten die Preisträger als Beispiele für Integrität und Gestaltungswillen in einer Branche, die zunehmend auf Verantwortung und Vernetzung setzt.

Der Abend war nicht nur Rückblick, sondern Auftakt. Mit dem unmittelbar anschließenden Branchentreffen „Most Wanted: Music“ und dem Nachwuchsformat „Listen to Berlin: Youth“ wurde die Kulturbrauerei erneut zum Zentrum des Berliner Musiknetzwerks. Die Veranstaltungen zeigen, dass Musikwirtschaft heute mehr ist als Live-Auftritte und Tonträgerproduktion. Sie bildet ein komplexes Geflecht aus Kreativität, Infrastruktur, Finanzierung und Bildung. Gerade in Zeiten sinkender Fördermittel, steigender Betriebskosten und digitaler Umbrüche sind Plattformen wie die der Berlin Music Commission entscheidend, um Austausch und Innovation zu sichern.

Das zehnjährige Bestehen der Listen to Berlin: Awards markiert deshalb nicht nur ein Jubiläum, sondern einen Wendepunkt. Die Berliner Musikszene definiert sich zunehmend über gemeinsame Werte – Haltung, Nachhaltigkeit, Diversität und Teilhabe – statt über Stilrichtungen oder Genres. Damit rückt sie näher an kulturwirtschaftliche Leitfragen heran: Wie lässt sich Kreativität unter marktwirtschaftlichen Bedingungen erhalten? Welche Rolle spielt öffentliche Förderung in einem internationalen Wettbewerb? Und wie kann die Branche zugleich sozial und ökologisch verantwortungsvoll handeln?

Für Fach- und Führungskräfte der Kreativwirtschaft ergeben sich daraus klare Signale. Die Förderung von Haltung und Struktur wird wichtiger als reine Marktperformance. Kooperationen zwischen Initiativen, Unternehmen und Institutionen gewinnen an Gewicht. Nachwuchsprogramme wie Listen to Berlin: Youth sind zentrale Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des gesamten Ökosystems. Und nicht zuletzt bleibt die Unterstützung durch öffentliche Mittel ein strategischer Faktor – ohne sie droht der Innovationsmotor der Hauptstadt ins Stottern zu geraten.

Zehn Jahre nach der ersten Preisverleihung haben die Listen to Berlin: Awards ihren Charakter gewandelt – von einer reinen Auszeichnung zu einem Forum der Selbstvergewisserung. Der Jubiläumsabend im Kesselhaus machte deutlich, dass Berlin seine musikalische Vielfalt nicht nur feiert, sondern als gesellschaftliche Ressource begreift. Der Anspruch bleibt hoch: ein Musikstandort, der lokal verwurzelt, global vernetzt und strukturell zukunftsfähig ist.

Berlin – Bei der zehnten Ausgabe der LISTEN TO BERLIN: AWARDS standen am 11. November 2025 nicht nur Künstlerinnen im Rampenlicht, sondern gezielt Impulsgeberinnen und Initiativen, die das Berliner Musik-Ökosystem in seinen wirtschaftlichen, sozialen und strukturellen Dimensionen mitgestalten. Im Folgenden vier ausgewählte Preisträger*innen mit besonderem Profil – zur Orientierung für Fach- und Führungskräfte der Kreativ- und Kulturwirtschaft.


Schokoladen e.V. – Rolf-Budde-Award für Haltung in der Musikwirtschaft

Der von Schokoladen e.V. getragene Berliner Clubbetrieb wurde mit dem Rolf-Budde-Award ausgezeichnet – einer Kategorie, die explizit gesellschaftliches Engagement und Stärkung der Musikwirtschaft in Berlin ehrt. Die Auszeichnung legt nahe, dass Schokoladen e.V. über den reinen Live-Betrieb hinaus Verantwortung übernimmt – etwa durch Zugänglichkeitsmaßnahmen, Diversitätsförderung oder Vernetzung kleinerer Akteure. Damit wird exemplarisch sichtbar, dass Haltung (im Sinne der Kategorie) nicht Neben­produkt ist, sondern Geschäftsmodell und Netzwerkstrategie. Für Führungskräfte heißt das: Die Auszeichnung markiert einen Trend – Betreiber- und Veranstalterstrukturen werden zunehmend unter dem Gesichtspunkt von Haltung bewertet und können darauf strategisch reagieren.


The Changency – Award für zukunftsorientiertes Wirtschaften

Die Agentur The Changency wurde mit dem Award für „zukunftsorientiertes Wirtschaften“ gewürdigt. Ihr Geschäftsfeld: Nachhaltigkeitsberatung für Kultur- und Veranstaltungsbranche, CO₂-Bilanzierung, Workshops und Fachberatung.
Für Entscheider*innen in Musik- und Eventbetrieben ist dies ein Signal: Die Fragmentierung der Wertschöpfung – von Live-Produktion über Ticketing bis Mobilität – lässt sich zunehmend unter Nachhaltigkeitsparametern steuern. The Changency zeigt, wie ein Beratungsansatz im Kultursegment Marktpartner finden kann – und wie sich Nachhaltigkeit als Wettbewerbs- und Kooperationsfeld etabliert. Führungskräfte sollten diese Entwicklung in ihre Produktions- und Veranstaltungsmodelle integrieren.


RAPK – Publikumspreis „Bester Song eines Berliner Acts“ mit „Scherbenland“

Das Rap-Duo RAPK gewann mit „Scherbenland“ den erstmals ausgeschriebenen Publikumspreis für den besten Song eines Berliner Acts, nominiert von Fachjournalist*innen und entschieden durch Crowd-Voting. Der Song referenziert Klangmaterial von Moderat („A New Error“) und thematisiert Stadtränder, Aufbruch und Reflexion in Berlin.
Aus strategischer Perspektive ist dieser Preis bemerkenswert: Er verbindet Markenbildung (Berlin als Musikstadt), Publikumsbeteiligung und mediale Aufmerksamkeit. Für Labels, Agenturen und Veranstalter bedeutet dies: Song- und Content-Initiativen sollten stärker mit Community-Voting, digitalen Kampagnen und lokalen Narrative-Stärken arbeiten.


Charlotte Colace – Artist Award

Die französisch-kubanische Neo-Soul-Künstlerin Charlotte Colace, mit Sitz in Berlin, erhielt den Artist Award. Ihr Stil verbindet Soul der 1960er-Jahre mit modernen Texturen, begleitet von einer Live-Band aus sechs Mitgliedern. Ihre Auszeichnung unterstreicht: Berlin-basierte Musikprojekte, die international reflektiert werden, finden im Berliner Netzwerk Beachtung. Für Führungskräfte in A&R, Artist Development und Festivals heißt das: Solo-Acts mit internationaler Durchstrahlung und lokaler Kopplung sind weiterhin relevant für Positionierung des Musikstandorts.


Schlussbemerkung

Diese vier Preisträger spiegeln zentrale Entwicklungslinien der Berliner Musikwirtschaft: Haltung & Engagement, nachhaltiges Wirtschaften, Community-getriebene Formate sowie Künstler*innen mit globalem Profil. Führungskräfte sollten darauf achten, dass ihre Geschäftsmodelle nicht nur Markt- und Trendfragen beantworten, sondern zunehmend Normen erfüllen (z. B. Nachhaltigkeit, Teilhabe, Diversität) und offene Netzwerke mobilisieren.

Für Fach- und Führungskräfte bleibt damit die operative Frage: Wie lassen sich diese Impulse konkret in Strategie, Investment-Prioritäten und Partner-netzwerke übersetzen? Denn die Preisträger sind keine Ausnahmen – sie stehen für Bewegungen, die sich verfestigen.

Von admin