Trotz eines heftigen Sommergewitters mit Hagel und Starkregen ließ sich das Publikum am Sonntag die Freude am 5. Koscheren Streetfood-Festival nicht nehmen. Kaum hatten die Regenwolken über Berlin-Mitte nachgelassen, füllte sich der Innenhof der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße erneut mit Besuchern. Die Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat sich in wenigen Jahren zu einem festen Termin im Berliner Veranstaltungskalender entwickelt. Mehr als 40 Stände präsentierten in diesem Jahr die Vielfalt koscherer Küche und boten zugleich einen lebendigen Einblick in zeitgenössisches jüdisches Leben. Das Festival versteht sich als kulinarischer Auftakt zu den 39. Jüdischen Kulturtagen Berlin, die im November stattfinden werden.
Wer durch den Hof schlenderte, begegnete kulinarischen Traditionen aus unterschiedlichen Regionen der jüdischen Diaspora. Besonders gefragt waren die Khinkali und der Borschtsch des Restaurants Kin Za aus der Linienstraße. Die georgischen Teigtaschen überzeugten mit ihrer sorgfältigen Zubereitung und zeigten, wie vielfältig die Einflüsse sind, die heute in der koscheren Küche zusammenkommen. Das Team kündigte bereits einen besonderen koscheren Abend am 30. Juni in seinem Restaurant an.

Nicht weniger Zuspruch erhielt die Shawarma-Station von Feinberg’s Catering aus der Fuggerstraße, an der Hagai Biton die Gäste mit frisch zubereiteten Spezialitäten versorgte. Für Erfrischung sorgte die Vitamin Bar Saftbär, deren Fruchtsäfte angesichts der schwülen Temperaturen großen Anklang fanden.
Das Festival beschränkte sich jedoch nicht auf gastronomische Angebote. Zwischen den Essensständen entstand ein kultureller Begegnungsraum, der Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbrachte. Der Verein Makkabi lud zu Schachpartien ein und machte damit deutlich, dass jüdisches Leben weit mehr umfasst als religiöse Traditionen oder kulinarische Spezialitäten. Eine T-Shirt-Druckwerkstatt richtete sich insbesondere an jüngere Besucher und Familien. Auf mehreren Bühnen präsentierten Künstler, Musiker und Entertainer ein abwechslungsreiches Programm, das den gesamten Tag über für Bewegung und Aufmerksamkeit sorgte. Das breite Kulturangebot gehört inzwischen zu den Markenzeichen der Veranstaltung und ergänzt die kulinarischen Erlebnisse um eine gesellschaftliche Dimension.
Zu den besonderen Ausstellern zählte in diesem Jahr auch Dr. oec. Alexander Kretsu, der seinen „Kosher Gold Vodka“ vorstellte. Das in Dresden hergestellte Produkt wird in nummerierten Flaschen abgefüllt und mit einer goldfarbenen Signatur versehen. Die Präsentation verdeutlichte, dass sich die koschere Lebensmittelwelt längst nicht mehr auf traditionelle Produkte beschränkt, sondern zunehmend innovative und hochwertige Erzeugnisse hervorbringt.
Gerade in einer Zeit, in der Debatten über jüdisches Leben in Deutschland häufig von Sicherheitsfragen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt sind, setzte das Festival ein anderes Zeichen. Es zeigte jüdische Kultur als offenen Bestandteil der Berliner Stadtgesellschaft: zugänglich, vielfältig und selbstbewusst. Besucher kamen nicht nur zum Essen, sondern auch zum Gespräch, zum Kennenlernen und zum Entdecken. Die Mischung aus kulinarischer Neugier, kulturellem Programm und familiärer Atmosphäre machte deutlich, weshalb die Besucherzahlen des Festivals seit Jahren wachsen. Selbst ein Unwetter konnte daran nichts ändern. Als sich am Nachmittag die Sonne wieder zeigte, waren die langen Schlangen vor den Ständen längst zurückgekehrt. Das 5. Koschere Streetfood-Festival erwies sich damit erneut als weit mehr als ein gastronomisches Ereignis. Es war ein lebendiges Schaufenster jüdischer Kultur in Berlin.